Sekundäre Spätsyphilis

  • Alfred Fournier

Zusammenfassung

ich beabsichtige, einige meiner diesjährigen Vorlesungen dem Studium einer Frage zu widmen, die trotz ihres wissenschaftlichen Interesses und ihrer besonders praktischen Bedeutung bisher nur teilweise und ungenügend erörtert worden ist. lch will über die sekundäre Spätsyphilis sprechen.

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Literatur

  1. 1).
    Ich halte die Wiedergabe dieser Tabelle hier für überflüssig. Die sehr einfachen Resultate gehen zur Genüge aus dem Text hervor.Google Scholar
  2. 1).
    Syphilis tertiaire, 1590, S. 14.Google Scholar
  3. 1).
    Ich lasse hier eine gekürzte Beschreibung aus meinen Vorlesungen darüber folgen:Google Scholar
  4. Leichte Form mit Rezidiven. — Diese Form, bisher wenig beachtet, obgleich sehr beachtenswert, ist bezüglich ihres Auftretens höchst erstaunlich, ja außerordentlich und besteht im großen ganzen in einer gutartige n Syphilis mit unaufhörlichen Rückfällen gutartiger Symptome.Google Scholar
  5. Die Roseola ist ein Typ, den diese Rezidive besonders bevorzugen. Und so sieht man bei gewissen Kranken, die wohl nach jeder anderen Richtung hin von ihrer Syphilis nicht belästigt werden, unaufhörlich Roseolaschübe (richtige Roseolen an einzelnen Körperregionen, und zwar zuweilen in erstaunlich geringer Ausdehnung) im Laufe der ersten Jahre der Krankheit. Und noch mehr: Diese Roseolarezidive dehnen sich zuweilen über die gewöhnliche Zeit des Sekundarstadiums hinaus, nämlich bis zum 6., 10., 11. Jahre, aus.Google Scholar
  6. So hat einer meiner Patienten trotz einer wirklich regelrechten und langen Behandlung 12 Schübe von erythematösen Syphiliden im Laufe der 6 ersten Jahre der Krankheit durchgemacht.Google Scholar
  7. Diese eigenartige Fähigkeit zu rezidivieren, kann sich noch in anderen Formen äußern.Google Scholar
  8. Eine der gewöhnlichsten dieser Formen besteht in mehrfachen, unbestimmt häufigen Rezidiven vonMundsyphiliden. So kann man nicht selten Patienten sehen, welche von ihrer Syphilis wohl nach jeder anderen Richtung hin unbelästigt bleiben, aber während einer Reihe von Jahren Eruptionen ausgesetzt sind, die sich ohne Abwechslung ausschließlich auf der Mundschleimhaut etablieren. Diese Schübe bevorzugen am häufigsten die Zunge in der Form einer Reihe von gewöhnlich kleinen und ganz oberflächlichen Erosionen oder noch mehr kleiner, an der Oberfläche rosafarbener, glatter, nicht erodierter Inseln einer Glossitis depapillans. Auf Behandlung verschwinden diese Syphilide, aber nur, um nach längerer ocher kürzerer Zeit wieder zn erscheinen, und zwar nicht nur ein oder mehrere Male, sondern bis zu 10, 15 und 20 Malen, wenn nicht noch öfter.Google Scholar
  9. Eine andere Modalität, welche diese rezidivierenden Syphilide ebenfalls manchmal bevorzugen, ist durch ein eigenartiges Syphilid um den Mund gegeben, welchem seine erstaunliche Fähigkeit zu rezidivieren den bezeichnenden Namen des rezidivierenden peribukkalen Syphilids eingebracht hat.Google Scholar
  10. Diese eigenartige Syphilisform, welche ich so schon vor vielen Jahren beschrieben und getauft habe, hat zirzinären papulösen Typus. Sie beschreibt am Munde (häufiger an der Unter-als an der Oberlippe) entweder geschlossene Kreise, die man mit kleinen Ringen vergleichen könnte; oder sie besteht häufiger aus Teilen von Ringen, von Kreisbogen oder Halbmonden. In ihrer am meisten pittoresken Form besteht sie aus einer Reihe von Kreisbogen, welche sich (in der sogenannten Guirlan den form) an ihren Enden miteinander verbinden und so einen Mundwinkel einrahmen. Ohne von diesem objektiven Aussehen zu sprechen, welches die Aufmerksamkeit auf sie hinlenkt, verdankt sie ihre Sonderstellung einer ganz besonderen Fähigkeit zu rezidivieren. Man hat sie — immer am selben Platz, nämlich um den Mund herum — nicht ein oder mehrere Male, sondern bis zu 5-, 6- und 8 mal im Laufe cher ersten Jahre der Krankheit auftreten sehen.–Ich muß schließlich hinzufügen, daß man sie viel häufiger bei Frauen als bei Männern beobachtet.Google Scholar
  11. Was sind solche Syphilide, die zugleich gutartig und zäh, zugleich ermutigend und entmutigend sind, ermutigend church die Kraftlosigkeit ihrer Erscheinungen und entmutigend durch ihr andauerndes Wiederauftreten? — Und weshalb kommen diese Wiedererscheinungen immer in derselben Form, immerGoogle Scholar
  12. mit dem gleichen Symptom zum Ausdruck? — Ist das ein natürlicher Entwicklungsmodus, der gewissen Syphiliden eigen ist, oder ist das nicht vielmehr ein künstliches Resultat der Behandlung (denn diese Symptome scheinen vorwiegend bei b e h a n d e l t e n, ja lange und gut behandelten Personen beobachtet worden zu sein)? Alles Fragen, auf die man vor1 ufig noch unmöglicn antworten könnte.Google Scholar
  13. Immer aber bilden diese gutartigen Syphilide mit häufigem Wiederauftreten derselben Erscheinungen eine ebenso besondere als originelle Form der Krankheit.Google Scholar
  14. 1).
    Vor allem sind gewisse Syphilisfälle für die Ehe ungeeignet, nämlich die, welche ohne schwer zu sein, eine ungewöhnliche Neigung zu wiederholten Rezidiven, zu häufiger, zuweilen unaufhörlicher Regeneration von verschiedenen Sekundärformen, insbesondere Erosionen der Schleimhäute zeigen. So bleiben gewisse Personen mehrere Jahre lang manchmal sogar trotz der korrektesten und bestdurchgefuhrten Behandlung deut Auftreten erosiver Erscheinungen besonders im Munde oder, viel seltener, auf der Schleimhaut der Genitalien ausgesetzt. Diese Läsionen sind immer oberflächlich, begrenzt, gutartig; sie heilen am allerleichtesten durch Kauterisation und etwas lokale Behandlung, aber sie heilen nur, uni sich wieder zu bilden, um sich unbegrenzt zu erneuern. An sich sind sie nicht von Wichtigkeit, aber sie sind es um so mehr hinsichtlich der Gefahr einer Übertragung.“ (Syphilis und Ehe.)Google Scholar
  15. 1).
    So hat auch Fe u l a r d die Gefahren des Tabakgenusses bei der Syphilis in Bezug auf die Ehe geschildert: „Chrw(133). Man muli sich hinsichtlich einer Eheschließung gegen kranke Raucher und Personen mit Erosionen im Munde strenger verhalten, denn der Tabak spielt unzweifelhaft eine Rolle bei der längeren Ausdehnung der Infektionsdauer der Syphilis.“Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1909

Authors and Affiliations

  • Alfred Fournier

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