Vegetatives Nervensystem

  • Friedrich Müller
  • Otto Seifert

Zusammenfassung

Das vegetative Nervensystem (vNS) ist anatomisch und funktionell eng verbunden mit dem cerebrospinalen Nervensystem. Seine räumlich getrennte Besprechung an dieser Stelle ist nur gerechtfertigt durch seine Stellung als dominierendes Regulationsprinzip innerhalb des vegetativen Systems. Die Eigentümlichkeit des vNS gegenüber dem cerebrospinalen besteht in der Einschaltung ganglionärer Zwischenstationen im efferenten Schenkel, der damit aus 2 Neuronen zusammengesetzt ist. Dabei treffen auf eine präganglionäre mehrere postganglionäre Fasern. Aus didaktischen Gründen wird das vNS auch heute noch in Sympathicus und Parasympathicus gegliedert. In anatomischer Beziehung bestehen für diese Zweiteilung Schwierigkeiten, da sich das intramurale Nervensystem der einzelnen Organe morphologisch nicht zuteilen läßt; es besteht aus Ganglienzellen und vielgestaltigen kleinen Fasergeflechten, die die Überleitung der Erregung auf die Erfolgsorgane gewährleisten. Nach der Kontaguitätstheorie sind die aufgeteilten Endfasern noch entsprechenden Neuronen zugeteilt, nach der Kontinuitätstheorie besteht ein synzytiales peripheres Netzwerk, das Gefäße und Gewebe — praktisch alle Zellen — kontinuierlich durchzieht (Terminalreticulum). Bei physiologischer Betrachtungsweise entstehen für die Zweiteilung Schwierigkeiten, da die Oberträgerstoffe nicht einheitlich zugeteilt sind. Sämtliche präganglionären Fasern sind cholinerg, d. h. die Erregungsübertragung erfolgt durch Freisetzung von Acetylcholin; ebenfalls cholinerg sind fast alle postganglionären parasympathischen Fasern. Die meisten postganglionären sympathischen Fasern sind adrenerg, d. h. die Erregungsübertragung erfolgt durch Nor-Adrenalin und Adrenalin. Als Ausnahmen sind postganglionäre sympatische Fasern für die Schweißdrüsen, einzelne Fasern für Gefäße und die zuführenden (präganglionären !) Fasern zum Nebennierenmark cholinerg, andererseits finden sich auch im parasympathischen System vereinzelt adrenergische Fasern (z. B. im N. Vagus). So spricht eine physiologisch ausgerichtete Einteilung vom adrenergischen und cholinergischen Nervensystem, dem möglicherweise für die postganglionären Neurone noch ein histaminergisches Nervensystem (Vasodilatation, Schweiß- und Piloarrektionshemmung) zuzugesellen ist.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1962

Authors and Affiliations

  • Friedrich Müller
  • Otto Seifert

There are no affiliations available

Personalised recommendations