Labyrinthneurosen

  • W. Kümmel
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664)

Zusammenfassung

Als Labyrinthneurosen pflegt man Symptomenkomplexe zu bezeichnen, bei denen in der Regel die akustische Funktion des Labyrinths wenig oder gar nicht beteiligt ist, so daß man eigentlich besser von „Vestibularneurosen“ reden würde. Wie weit bei ihnen aber tatsächlich eine Funktionsstörung am Vestibularapparat oder an den zu ihm gehörigen peripheren oder zentralen Nervenbahnen im Spiele ist, bleibt vielfach unsicher. Wenn man an dem Grundsatz festhält, daß nur solche Funktionsstörungen rein psychogen sein können, die der Mensch auch willkürlich, wenn auch nur bei besonderer Veranlagung oder Übung, hervorbringen kann, so ist es fraglich, ob das für Störungen der vestibulären Funktionen überhaupt in Betracht kommt. Immerhin sprechen eine Reihe von Erfahrungen dafür, in erster Linie solche bei Kriegsneurosen: bei solchen, die zu mehr oder weniger schwerer psychogener Schädigung des Hörvermögens geführt hatten, fanden Th. Albrecht 1), Dölger, Zange 2), Güttich 3) wiederholt auch starke Übererregbarkeit des Vestibularis für Drehreize und für Abkühlung, manchmal auch nur für einen dieser Reize. Das braucht aber keine „Übererregbarkeit des Endorgans im engeren Sinne“ [Alexander 4] zu sein, sondern kann auch durch „Überempfindlichkeit der Zentralstelle“ zustande kommen, wie sie bei der Hysterie, Neurasthenie usw. als neuropathische Überreizbarkeit gerade in solchen Fällen meistens besteht. Ebenso kann auch eine Herabsetzung der Erregbarkeit des Vestibularis bei den gleichen Versuchen aus allgemeiner Apathie oder Indolenz erklärt werden, wie z. B. in den Fällen von A. Barth 5) und Güttich (Fall 11)

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Zusammenfassende Darstellungen

  1. Die ältere Literatur, bis 1911, findet sich in Hitzigs Monographie „Der Schwindel“ aus Nothnagels Handb. d. inn. Med. Bd. XII; 2. Aufl., von J. Ewald u. Wollenberg. Wien 1911. Die spätere Literatur s. bei R. Leidler im Abschnitt „Der Schwindel“ aus dem Handb. d. Neurol. d. Ohres (G. Alexander, O. Marburg, H. Brunner) Bd. I, S. 586. Wien 1923.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • W. Kümmel
    • 1
  1. 1.HeidelbergDeutschland

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