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Einleitung zur Physiologie der Sinne

  • V. Freiherr v. Weizsaecker
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664)

Zusammenfassung

Das auszeichnende Vorrecht, in den verschiedensten Wissenschaften gehört zu werden und mit ihnen nahe verbunden zu sein, kann die physiologische Sinneslehre nur bewahren, wenn sie immer neu denjenigen Antrieben nachgeht, welche zu ihrer eigenen Entstehung geführt haben. Diese Antriebe sind bedeutende und mit der Menschengeschichte sichtbar verknüpfte. Die Entstehung der Brille und die der Malerei bezeichnen zwei schöpferische Richtungen, welche ein deutliches Bewußtsein des Sinnes und ein eigentümlich abgesondertes Handeln mit dem Sinne einschließen. Aber die besondere Wissenschaft der Sinnesphysiologie scheint überall dort erst zu entstehen, wo die naturwissenschaftliche Objektivität zusammentrifft mit einer Fähigkeit, sich eben von ihr auch wieder zu distanzieren. Naturwissenschaftlich objektiv sind wir dort, wo wir sinnliche Beobachtungen kritisieren — weil sie ja trügen können (so Kopernikus, wenn er zeigt, nicht die Sonne, sondern die Erde bewege sich in Wahrheit). Wenn wir aber solchen Trug als durch unsere eigene Sinnestätigkeit bewirkt begreifen lernen und so wieder legitimieren, wenn wir mit Purkinje in den Sinnes-täuschungen Gesichtswahrheiten erkennen, so ist die Stunde der Sinnesphysiologie angebrochen. Indem sie das Sinnesorgan als ein Werkzeug der Wahrnehmung begreift, kehrt sie zur Wahrheit der Sinne zurück und läßt neben der objektiv und ganz für sich bestehenden Natur auch die wieder gelten, welche wir sinnlich erleben.

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Zusammenfassende Darstellungen und Quellen

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • V. Freiherr v. Weizsaecker
    • 1
  1. 1.HeidelbergDeutschland

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