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I. Abschnitt

  • L. Loewenfeld

Zusammenfassung

Nach dem Sprachgebrauche kommt dem Ausdrucke Dummheit eine zweifache Bedeutung zu: Wir bezeichnen damit ebensowohl die intellektuelle Qualität eines Individuums als einer einzelnen seelischen Leistung, einer Handlung, eines Urteils, einer Ansicht. Soweit es sich um die Qualifizierung eines Individuums handelt, stempeln wir als Dummheit eine geistige Minderwertigkeit, eine Begabung, die unter dem Durchschnitte steht. Diese Minderwertigkeit betrifft jedoch, wie hier sogleich betont werben muß, ausschließlich das Gebiet der Verstandesleistungen (der Intelligenz). Gemüt und Wille bleiben hiebei völlig unberücksichtigt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ein bestimmtes Verhältnis zwischen den Leistungen des Verstandes und dem Verhalten des Gemütes und des Willens nicht besteht. Ein Mensch von hervorragendem Verstande mag ein sehr wenig entwickeltes Gemüt, ein beschränkter Mensch andererseits ein sehr gutes Herz, d. h. großen Gefühlsreichtum besitzen. Ähnlich verhält es sich mit dem Willen. Mancher Hochbegabte scheitert im Leben, weil ein schwacher Wille ihn nicht befähigt, erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden ober lockende Abwege zu meiden. Auf ber anderen Seite mag ein Mensch mit mittelmäßigen Anlagen, ja selbst ein Beschränkter durch einen kräftigen Willen in den Stand gesetzt werben, ein Ziel andauernd zu verfolgen und sich dadurch empor zu arbeiten. Ferner kommt in Betracht, daß Dummheit als Bezeichnung der intellektuellen Qualität eines Inbivibuums nicht eine gleichmäßige Herabsetzung aller intellektuellen Leistungen andeutet; es handelt sich hiebei nach der üblichen Auffassung nur um eine Schätzung des Durchschnittes oder wenigstens der wichtigsten intellektuellen Leistungen, welche das Bestehen einzelner besser entwickelter Fähigkeiten, selbst ausgesprochener Talente nicht ausschließt.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1921

Authors and Affiliations

  • L. Loewenfeld
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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