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Vorgänge bei der Abschnürung des Embryos und der Bildung der äußeren Körperform

  • H. K. Corning

Zusammenfassung

Bei der Besprechung der Furchung und Gastrulation haben wir gesehen, daß diese Vorgänge durch die Menge des Dotters eine in den einzelnen Klassen sehr verschieden starke Beeinflussung erfahren. Bei verhältnismäßig dotterarmen Eiern, wie z. B. denjenigen unserer einheimischen Amphibien, wird der Dotter sehr frühzeitig von den stark pigmentierten Zellen der oberen Hemisphäre umwachsen und in die Embryonalanlage aufgenommen, um von da an einen integrierenden Bestandteil derselben darzustellen. Ganz anders verläuft die Entwicklung der dotterreichen Eier mit partieller Furchung (Selachier, Reptilien, Vögel), denn hier sitzt die aus der Furchung hervorgegangene Keimscheibe der großen ungefurchten Dottermasse auf, so daß wir auch nach dem Ablaufe der Gastrulation und der Keimblätterbildung eine scheibenförmige Anlage vor uns sehen. Diese ist gegen den Dotter, den sie bei der Weiterentwicklung allmählich umwächst, scharf abgegrenzt, wobei sich jedoch der Embryo von den peripheren, den Dotter umschließenden Abschnitten der drei Keimblätter durch eine ringförmige Einschnürung absetzt. Wir können also bei diesen Formen, ganz anders wie z. B. bei Amphibien oder Formen mit mäßig stark entwickeltem Dotter (Knochenfischen) einen embryonalen von einem außerembryonalen Abschnitte der Keimscheibe unterscheiden. Die Formentwicklung ist demnach bei den dotterärmeren Eiern mit totaler Furchung (Amphibien) und den dotterreichen Eiern mit partieller Furchung (Sauropsiden) verschieden. Diesen schließen sich die Eier der Säugetiere an. Während bei Amphibien die Dotterzellen sehr frühe in das Innere der Embryonalanlage gelangen, und an deren ventralem Umfange häufig noch eine Zeitlang nach dem Auskriechen eine deutliche Wölbung hervorrufen (Fig. 32 D), so erfolgt bei den Eiern mit großem Dotter eine langsame Umwachsung desselben durch die Zellen der Keimscheibe und gleichzeitig eine Abschnürung der Embryonalanlage vom Dotter. Dieser wird alsdann von einem mit dem Darmrohre des Embryos in Verbindung stehenden Dottersacke eingeschlossen. Schon mit dem Beginne der Abschnürung können wir also bei solchen Eiern einen embryonalen und einen außerembryonalen Bezirk unterscheiden, von denen sich letzterer an der Bildung der äußeren Körperform nicht weiter beteiligt, dagegen Embryonalhüllen und Anhänge des Embryos liefert. Diese werden beim Ausschlüpfen resp. bei der Geburt des Fetus abgestoßen, der Dottersack wird bald, wie bei Sauropsiden, in den Fetus aufgenommen, bald teilt er, wie bei Säugetieren, das Schicksal der Eihüllen, indem er seiner eigentlichen Rolle als Anhangsgebilde der Embryonalanlage bis zum Ende treu bleibt. Die Abschnürung des Embryos vom Dottersacke führt zur Trennung des in frühen Stadien bei flach ausgebreiteter Embryonalanlage einheitlichen, vom Entoderm begrenzten Raumes, einerseits in das Darmrohr, andererseits in den Dottersack. Die zunächst noch sehr weite Verbindung dieser beiden Räume erfährt bei der fortschreitenden Abschnürung des Embryos eine immer weitergehende Verengung und zieht sich beim Menschen in einen Kanal, den Ductus omphaloentericus aus, welcher den Raum des Dottersackes mit dem Darmrohr des Embryos in Verbindung setzt. Der Übergang von Dotter in das Darmrohr durch diesen Gang ist jedoch so gut wie ausgeschlossen, so daß der Embryo bei allen Formen mit großem Dotter zur Resorption desselben auf die Gefäße angewiesen ist, welche sich in der das Dotterentoderm überziehenden visceralen Lamelle des Mesoderms ausbilden (siehe Eihüllen). Hierin besteht auch, wie bereits erwähnt wurde, ein wichtiger Unterschied gegenüber denjenigen Formen (Amphibien), bei welchen die Dotterzellen vollständig in die Embryonalanlage eingeschlossen werden, um direkt dem Verdauungsprozesse zu unterliegen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1921

Authors and Affiliations

  • H. K. Corning
    • 1
  1. 1.Anatomischen AnstaltBaselSchweiz

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