Zusammenfassung

Die malignen Tumoren der Zunge sind in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle Carcinome, und zwar meist verhornende Plattenepithelcarcinome, die sich in den reichlich vorhandenen Lymphbahnen rasch ausbreiten können und daher die Neigung haben, bald die regionären Lymphdrüsen zu befallen. Auf diesem Umstand beruht die große, bei Ärzten und Laien bekannte und gefürchtete Bösartigkeit der Zungenkrebse. Bis in die letzten Jahre kam als einzige rationelle Behandlungsmethode, wenn möglich, die operative Entfernung mit Ausräumung der regionären Drüsen in Betracht, für die inoperablen Fälle versuchsweise oder solaminis causa die Strahlenbehandlung. Nach C. Partsch (Zweifel-Payr, Klinik der bösartigen Geschwülste 1925) sind die Erfolge der operativen Behandlung noch nicht befriedigend. Es wird dort eine Zusammenstellung von 306 Fällen aus verschiedenen Kliniken gegeben, von diesen sind an der Operation 51 = 16,5% gestorben, nur 34 = 11% blieben über 3 Jahre rezidivfrei. Diese Resultate werden zweifellos durch einzelne, auf diesem Gebiet besonders hervorragende Operateure übertroffen werden, stellen sich aber doch als außerordentlich betrübend dar, insbesondere wenn man die großen körperlichen und seelischen Leiden berücksichtigt, die mit der Radikaloperation, also Entfernung der Zunge, für den Patienten verbunden sind. Ein sehr erheblicher Teil der Patienten kommt bereits in einem sehr weit vorgeschrittenem, inoperablen Zustand in die Krankenhäuser. Man müßte annehmen, daß gerade bei der Zunge sehr frühzeitig eine Diagnose gestellt wird, da schon die geringsten Veränderungen bei dieser Lokalisation auffallen und ja die Furcht von Zungenkrebs sehr verbreitet ist. In den meisten dieser zu spät diagnostizierten Fälle ist kostbare Zeit dadurch verlorengegangen, daß auf Grund der falschen Einschätzung der positiv ausgefallenen WaR, erst eine antiluetische Kur vorgenommen wurde. Nach einer Aufstellung von Douglas Quick kamen im Memorial Hospital New York 50% der Zungenkrebse bereits in einem inoperablen Zustand ins Krankenhaus und bei unserem Material ist der Prozentsatz sicher nicht kleiner. Ähnlich ungünstig liegen die Verhältnisse beim Wangencarcinom. Auch hier wird häufig unter Verkennung des Leidens längere Zeit mit Ätzmitteln örtlich, oder allgemein mit antiluetischen Kuren behandelt. Rezidive nach Operation sind außerordentlich häufig. Nach C. Partsch (1.c.) beträgt die Zahl der nach 3 Jahren noch rezidivfrei gebliebenen Fälle nur 15,4%, doch liegen auch Berichte vor, die viel schlechtere Resultate ergeben. Ungefähr dasselbe läßt sich von den Gaumen und Tonsillencarcinomen sagen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1928

Authors and Affiliations

  • L. Halberstaedter
    • 1
  1. 1.Bestrahlungsabteilung des Universitätsinstitutes für Krebsforschung zu BerlinDeutschland

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