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Bemerkungen über den zur Blatternschutzimpfung in Österreich benutzten Impfstoff

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Zusammenfassung

In den Fragebögen des Bundesministeriums für soziale Verwaltung, welche von den Ärzten in Fällen von Erkrankungen an postvaccinaler Encephalitis auszufüllen sind, befindet sich ein Punkt, welcher die zur Impfung verwendete Lymphe betrifft. Von den Ärzten wird demnach das Abgabedatum und die Serie der benutzten Lymphe gefordert. Die letztere Angabe war insolange von Wichtigkeit, als noch ein Schimmer von Verdacht bestand, daß etwa die Beschaffenheit der von einem bestimmten Tier stammenden Lymphe die Erkrankungen verursachen könnte. Die Bundesstaatliche Impfstoffgewinnungsanstalt hat daher durch lange Zeit die alte Gepflogenheit beibehalten, die Rohstoffe einzeln zu vermahlen und einzeln zu verarbeiten, um Serien, die Encephalitis-fälle verursachen, sofort ausschalten zu können. Auf diese Art kamen die verschiedenen Serien zustande und Lymphen verschiedener Titer, die begreiflicherweise nicht immer auf derselben Höhe gehalten werden konnten, weil schon die Auswertung ein und derselben Lymphe nach verschiedenen Methoden und an verschiedenen Tieren verschiedene Werte ergeben, und weil die berechnete Verdünnung bei der Auswertung oft recht beträchtlich abweichende Werte vom gewünschten Titer zeigen. Welcher war der richtige Y Als sich herausgestellt hatte, daß die Eigenschaft, beim Menschen Encephalitisfälle zu erzeugen, bei Untersuchung der Lymphen nicht festzustellen war, daß Lymphen, die für schwach gehalten wurden, postvaccinale Erkrankungen des Zentralnervensystems verursachten, und andere, kräftige Lymphen hingegen solche Erkrankungen nicht erzeugten, daß vorschriftswidrig angelegte Impfschnitte mit riesigen Reaktionen freiblieben von Schädigungen des Zentralnervensystems, und daß ganz zarte Reaktionen solche Schädigungen auslösten, gab die Anstaltsleitung die Hoffnung auf, durch Spezialisierung der Impfstoffe diejenigen herauszufinden, die für Menschen encephalitogene Eigenschaften besitzen. Sie ging deshalb von dem übernommenen Prinzip der Herstellung von Lymphserien ab und erzeugt seit Jahren nur mehr eine Mischlymphe, welche aus mehreren Rohstoffen hergestellt und in solcher Menge bereitgehalten wird, daß sie für den Bedarf eines ganzen Jahres langt So hat man nur einen Impfstoff in Händen, dessen Eigen-schaften gut studiert werden können, daher auch gut bekannt sind, und die obligaten Klagen über zu schwache oder zu starke Impfstoffe beziehen sich nunmehr stets auf ein und dieselbe Vaccine. Diese Lymphe wird in konzentriertem Zustand etwa 1: 4 bis 1: 5 mit 80% Glycerin vermahlen bereitgehalten, wiederholt nach GROTE(auf mindestens zwei Tiere ausgewertet und dann nach Bedarf zwei-bis dreimal im Jahre, je nach den Reaktionen, die sie am Erstimpfling erzeugt, unter Zusatz von Agar weiter verdünnt Auch diese Lymphen hatten ihre Nachteile. Über ihr Schicksal nach dem Verlassen der Anstalt ist selten etwas Genaueres zu erfahren gewesen. Tatsache war, daß in den letzten Jahren verschiedene dieser verdünnten Lymphen versagten, daß Klagen einliefen über minderwertige, unwirksame Impfstoffe. Die Klagen bewegten sich also in den letzten Jahren in entgegengesetzter Richtung — so, daß die Anstalt genötigt war, auf höherwertige Lymphen zurückzugreifen, um peinlichen Beschwerden aus dem Weg zu gehen. Es scheint auch nun allgemein, daß sich die Mehrzahl der Ärzte mit dem Gedanken befreundet hat, sich bei der Impfung ein gewisses Maß aufzulegen und bei der Schnittsetzung vorsichtiger zu sein. Aus diesem Grund glaubt die Anstalt die Abgabe von Lymphen höheren Titers, als es gemeinhin empfohlen wird, rechtfertigen zu können. So sind in den letzten Jahren von den Ärzten unserer Anstalt wiederholt Lymphen eines Titers (Groth) von 1: 50000, 1: 100000, 1: 200000 bis 1: 400000 verwendet worden, ohne daß sich üble Folgen gezeigt hätten.

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© Springer-Verlag Wien 1938

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