Der Wille der Staaten als Quelle der Regeln des Völkerrechtes. Die Stellung internationaler Gerichte zur Frage der Quellen des Völkerrechtes. — Haupt- und Nebenquellen des Völkerrechtes

  • Rudolf Blühdorn

Zusammenfassung

Im innerstaatlichen Rechte spielt die Frage nach den Quellen des Rechtes in der Praxis fast keine Rolle. Jedermann weiß, daß für den Bereich dieses Rechtes die Quelle das Gesetz, allenfalls, wenn es das Gesetz zuläßt, die Gewohnheit ist. Jeden wird es daher merkwürdig anmuten, wenn er im Völkerrechte die Erfahrung machen muß, daß nicht nur Uneinigkeit darüber herrscht, welche konkrete Regeln gelten, sondern auch darüber, aus welcher Quelle diese Regeln stammen.

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Literatur

  1. 1.
    Minderheitsvotum Anzilottiim Ostgrönlandurteil, fast. 53, S. 76Google Scholar
  2. 1.
    Was im Texte vom Verhältnisse der internationalen Gerichte zu den Quellen des Völkerrechtes gesagt wurde, gilt selbstverständlich auch für das Verhältnis dieser Gerichte zu den Regeln des Völkerrechtes selbst.Google Scholar
  3. 2.
    Wenn in dem von V e r d r o ß (S. 59) zitierten Fall des Streites zwischen den Vereinigten Staaten und Norwegen, erstere gegen das Urteil des Haager Schiedshofes protestiert haben, so ist dies deshalb geschehen, weil ganz ähnliche Klagen vor den amerikanischen Gerichten gegen die Regierung der Vereinigten Staaten anhängig waren, und die amerikanische Regierung es daher — allerdings wie sich später gezeigt hat, erfolglos — verhindern wollte, daß die amerikanischen Gerichte sich die Argumentation des Schiedsgerichtes zu eigen machen. (R a l s t o n: The Law and Procedure of International Tribunals 1926, S. 121.)Google Scholar
  4. 1.
    Es muß ganz besonders hervorgehoben werden, daß diese Stellungnahme seitens dritter Staaten nicht immer nur von Erwägungen rechtlicher Natur abhängt, sondern häufig auch von Überlegungen moralischer oder egoistischer Natur, ja manchmal auch nur von „persönlichen“ Sympathien oder Antipathien.Google Scholar
  5. 1.
    Die im Texte berührte Erscheinung erinnert an eine berühmt gewordene Rede des englischen Völkerbunddelegierten, Sir Austen C h a m b e r- 1 a i n, in der Völkerbundversammlung 1925, in der er die Tatsache, daß die angelsächsischen Völker die praktischen Probleme des Lebens besser zu meistern verstehen als andere Völker, folgendermaßen zu erklären versuchte: „Der angelsächsische Geist liebt es vom Einzelnen zum Allgemeinen vorzuschreiten im Gegensatze zum lateinischen Geiste, der allgemeine Regeln aufstellt und sie dann auf die Einzelfälle anwendet. • Die entscheidenden Beschlüsse, die wir ergriffen haben, waren unlogisch und eben deshalb haben sie sich als desto wirksamer herausgestellt, um die widerstreitenden Interessen zu versöhnen, um den Mittelweg zwischen den Extremen zu f in-den und um langsam und schrittweise zum erwünschten Ziele zu führen. Das Geheimnis der Einheit des britischen Reiches und die Macht seiner Verfassung beruhen auf der Elastizität selbst, die in unserem Mangel an Logik und unserem Fehlen an klaren Definitionen liegt.“Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1934

Authors and Affiliations

  • Rudolf Blühdorn
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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