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Die Finanzgewalt

  • Günter Schmölders
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE)

Zusammenfassung

Über die Entstehung der öffentlichen Finanzwirtschaft verdanken wir W. Gerloff und der von ihm angewandten ethnographischen Methode grundlegende neue Erkenntnissec1. Danach sind die Abgaben, dieses Wort in einem ganz weiten und allgemeinen Sinne verstanden, ihrer Entstehung nach offenbar älter als Geschenk und Tausch2; sie sind so alt wie menschliches Zusammenleben überhaupt3, zumal das Gruppenbewußtsein älter ist als das Individualbewußtsein4. In der einfachsten Form der politischen Gruppe sind „Hergaben“ für den Häuptlings- und Stammeshaushalt ungeachtet ihrer unbedingten Notwendigkeit noch mehr oder weniger wirklich oder anscheinend freiwillige Gaben oder Geschenke5; jede höher entwickelte politische Gruppe beruht dagegen bereits auf herrschaftlicher Schichtung, zumal stets „nur jene weltliche und geistliche Gewalt respektiert wird, die Opfer fordert“6.

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Literatur

  1. 1.
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  3. 3.
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  6. 6.
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    Vgl. unten §§ 20, 39–41.Google Scholar
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  20. 4.
    Beispielsweise war im Schweizer Kanton Appenzell die Verfassung lange Zeit die einzige Grundlage jeglicher Abgabenerhebung; auch heute noch sind in elf Kantonen die leitenden Grundsätze des Steuerwesens in der Verfassung niedergelegt, und Bestimmungen über die subjektive Steuerpflicht, die Steuerhöhe und die Progression finden sich auch in den Verfassungen der übrigen Kantone. Vgl. Wache, G.: Gesetzmäßigkeit und Gleichmäßigkeit. Steuer u. Wirtschaft (1947) Sp. 24.Google Scholar
  21. 1.
    Walke, Gerhard: Das Finanzwesen der Bundesrepublik, S. 14. Tübingen 1950. An anderer Stelle nennt W. den ganzen Abschnitt X des Bonner Grundgesetzes einen „Katalog von Verfassungsausnahmen“ gegenüber den vorangegangenen Bestimmungen der allgemeinen Bundesverfassung (S. 76).Google Scholar
  22. 2.
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  25. 5.
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  26. 1.
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  28. 3.
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  29. 4.
    Strickrodt, Georg:Wirtschaftsgerechte Finanzordnung, a. a. O., S. 49.Google Scholar
  30. 1.
    Vgl. die weitgehende Einzelregelung in der Eidgenössischen Finanzverfassung.Google Scholar
  31. 2.
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  32. 3.
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  34. 2.
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  36. 4.
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  37. 5.
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  38. 1.
    Friedrich, C. J.: Der Verfassungsstaat der Neuzeit, a. a. O., S. 342.Google Scholar
  39. 2.
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  40. 3.
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  41. 4.
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  42. 1.
    Sitzung des Reichstages des Norddeutschen Bundes am 18. 3. 1867.Google Scholar
  43. 2.
    So z. B. bei den Bundessteuern in der Schweiz, bei den schwedischen Kommunalsteuern und bei allen Sondersteuern für Kriegs-oder Krisenzeiten.Google Scholar
  44. 3.
    Der Aufbau der Finanzverwaltung ist im Finanzverwaltungsgesetz vom 6. 9. 1950, Bgbl. 50, S. 448, geregelt.Google Scholar
  45. 2.
    HzTTr eaz, K. M.: Die Neuordnung der deutschen Finanzverfassung Finanz-Archiv, N. F. Bd. 14 (1953) H. 3, S. 464.Google Scholar
  46. 1.
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  47. 2.
    Strickrodt, G.: Finanzverfassungsrecht — Idee und Gestaltungsmöglichkeiten, a. a. O., S. 805.Google Scholar
  48. 1.
    Friedrich, C. J.: Der Verfassungsstaat der Neuzeit, a. a. 0., S. 129.Google Scholar
  49. 2.
    Friedrich, C. J.: Der Verfassungsstaat der Neuzeit, a. a. O., S. 130.Google Scholar
  50. 3.
    „Es genügt nicht, daß die Weisungsfreiheit und Unabhängigkeit der Richter vom Gesetz lediglich vorgeschrieben wird. Von Organen einer unabhängigen richterlichen Gewalt… kann nur gesprochen werden, wenn die zur Rechtsprechung berufenen Behörden grundsätzlich mit Richtern besetzt werden, die… den Organen der Verwaltung (Regierung) und Gesetzgebung gegenüber auch persönlich unabhängig sind “ [Hartung, Orr, Dr. jur.: Die Stellung der Steuergerichte zur Finanzverwaltung. Der Betriebs-Berater (1954) H. 7, S. 203.]Google Scholar
  51. 1.
    Stric%Rcdt, G.: Finanzverfassungsrecht — Idee und Gestaltungsmöglichkeiten, a. a. O., S. 809.Google Scholar
  52. 2.
    Gesetz über den Bundesfinanzhof vom 29.6. 1950 Bgb1. 50, Nr. 28, S. 257. 2 Vgl. hierzu auch § 13.Google Scholar
  53. 4.
    Hierzu vgl. unten § 13.Google Scholar
  54. 5.
    Vgl. hierzu auch § 13.Google Scholar
  55. G.
    esetz über Errichtung und Aufgaben des Bundesrechnungshofes vom 27. 11. 1950, Bgbl. 1950, Nr. 49.Google Scholar
  56. 7.
    Herrmann, Walther: Intermediäre Finanzgewalten. Jena 1936.Google Scholar
  57. 1.
    Herrmann, Walther: Intermediiire Finanzgewalten, a. a. O., S. 4/5.Google Scholar
  58. 2.
    Vgl. hierzu §§ 21–23.Google Scholar
  59. 2.
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  60. 1.
    Soxaun, Karl : Die politische und staatsrechtliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland. Öffentl. Verwaltung (1949) S. 201, 206.Google Scholar
  61. 2.
    Hettlage, K. M.: Die Neuordnung der deutschen Finanzverfassung. Finanz-Archiv, N. F., Bd. 14, H. 3, S. 441f.Google Scholar
  62. 3.
    In den Vereinigten Staaten wird dieses Prinzip auf Abraham Lincoln zurückgeführt, der damit eine „natürliche“ Aufgabentrennung zwischen Bund und Län-dem zu begründen versuchte: „Let the nation take hold of the larger works, and the states the smaller ones.”Google Scholar
  63. 4.
    Das „Governors Conference Committee an Intergovernmental Relations“ hat festgestellt, daß im Jahre 1950 nicht weniger als 70 v. H. der Bundessteuereinnahmen aus solchen Steuern stammten, die gleichzeitig auch von den Einzelstaaten erhoben wurden. Dieses „Konkurrenzsystem” gilt vielfach als beste Lösung des Finanzausgleichsproblems, da es die Finanzverantwortung der nachgeordneten Gebietskörperschaften klarer hervortreten lasse als die Notlösung der Bundeszuschüsse. Vgl. Studenski, Paul: Alternatives to Grants-in-aid, Vortrag auf dem Jahreskongreß des Tax Institute in Princeton, 3. 12. 1953.Google Scholar
  64. 1.
    Nicht weniger als 48 v. H. ihrer Einnahmen bezogen die Einzelstaaten der Usa 1935 aus Zuweisungen der Bundesregierung; ist dieser Anteil auch inzwischen stark zurückgegangen, so muß doch auch heute noch der Bund jährlich rd. 3 Mrd. Dollar an Finanzzuweisungen aufwenden.Google Scholar
  65. 1.
    Begründung (Vorlage der Bundesregierung vom 12. 3. 1954) Ziffer 105.Google Scholar
  66. 2.
    Entwurf eines Gesetzes zur Änderung und Ergänzung der Finanzverfassung (Finanzverfassungsgesetz) § 1 (Art. 106 c des Grundgesetzes).Google Scholar
  67. 4.
    Darüber, daß in aller Regel „der Gesamtstaat in erheblich größerem Umfang an der Zunahme der Staatsaufgaben teilhat, als die Gliedstaaten“ vgl. Gerlorr, W.: Die Finanzgewalt im Bundesstaat, a. a. O., S. 28; Begründung der Vorlage der Bundesregierung vom 12. 3. 1954, S. 44f.Google Scholar
  68. 1.
    „Man sollte nicht versuchen, den natürlichen und immerwährenden finanzpolitischen Interessenkampf zwischen Bund und Ländern um die Deckungsmittel bundesgesetzlich zu umhegen. Das führt nur zur rechtsbegrifflichen Bemäntelung politischer Interessen und zu einer weiteren politischen und sachlichen Belastung des Bundesverfassungsgerichts. Es würde das Bund-Länder-Verhältnis, das in erster Linie ein politisches ist, weiter verfassungsrechtlich verhärten und eher zu weiteren Rechtskonflikten als zu einem politisch ausgewogenen Bundesfrieden führen. Außerdem widerstrebt die Finanzpolitik ihrem Wesen nach einer handfesten rechtlichen Funktionsordnung.“ HettlAge, K. M., im Deutschen Verwaltungsblatt, 1953.Google Scholar
  69. 2.
    Hendrix, W.: Die Finanzwirtschaft der Ostzone, Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut, Köln, März 1954.Google Scholar
  70. 1.
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  71. 1.
    Soharowsity, Joachim: Der Finanzausgleich, a. a. 0., S. 113.Google Scholar
  72. 2.
    Hettlage, K. M.: Die Neuordnung der deutschen Finanzverfassung, a. a. 0., S. 472.Google Scholar
  73. 1.
    Vorlage der Bundesregierung vom 12. 3. 1954, S. 9 (§ 8 des Gesetzentwurfs eines Lânderfinanzausgleichsgesetzes).Google Scholar
  74. 2.
    Begründung (ebendort) S. 97.Google Scholar
  75. 1.
    Porrrz, JoHanxas: Der Finanzausgleich und seine Bedeutung für die Finanzlage des Reichs, der Länder und Gemeinden. Berlin 1930.Google Scholar
  76. 1.
    SchmÖLders, G.: Finanzielle Stabilität. Vortrag auf der 4. Kreditpolitischen Tagung in Köln am 20.Google Scholar
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    Sonderdruck der Z. f. d. ges. Kreditwesen, Mai 1954.Google Scholar
  78. 1.
    Vgl. auch: Westeuropäische Finanzwirtschaft, Ansätze und Probleme einer überstaatlichen Finanzpolitik. Finanzwissenschaftliche Forschungsarbeiten. Köln 1953.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1955

Authors and Affiliations

  • Günter Schmölders
    • 1
  1. 1.Wirtschaftlichen StaatswissenschaftenUniversität zu KölnKölnDeutschland

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