Die Wärme

  • Arnold Berliner

Zusammenfassung

Wo wir vom Wärmezustand eines Körpers unmittelbar etwas wahrnehmen, geschieht es durch unsere Haut1, und je nach ihrer Empfindung nennen wir den Körper heiß, warm, lau, kühl usw. Daß sich der Wärmezustand uns unmittelbar nur durch das Wärmegefühl oder Kältegefühl wahrnehmbar macht, verleitet uns, dieser physiologischen Wärmewirkung entscheidende Bedeutung beizulegen. Aber die Angaben unserer Haut sind für die Beurteilung des Wärmezustandes des Körpers in Wirklichkeit unbrauchbar, denn sie hängen von dem augenblicklichen Zustande unseres eigenen Körpers ab. Denselben Gegenstand findet die ihn betastende Hand warm oder kalt, je nachdem sie selber vor der Berührung mit ihm kälter oder wärmer war: war sie kälter, so findet sie ihn warm, weil sie sich an ihm erwärmt, war sie wärmer, so findet sie ihn kalt, weil sie sich an ihm abkühlt. Obendrein erscheinen unter Umständen der Hand Körper, die gleiche „Temperatur“ haben, verschieden warm: ein metallener Gegenstand bei Zimmertemperatur kälter als ein hölzerner unter sonst gleichen Bedingungen (die Klinge eines Messers kälter als das anstoßende hölzerne Heft), weil das Metall der Hand ihre Wärme schneller entzieht, als es das Holz tut. Die Wärmeempfindung ist auch um so stärker, je größer die gereizte Hautstelle ist; sie ist ferner ceteris paribus z. B. im Nacken sehr viel größer als an den Händen und in der Mundhöhle. Die physiologischen Wärmewirkungen eines gegebenen Körpers sind daher nicht imstande, seinen Wärmezustand eindeutig zu beschreiben; um z. B. anzuzeigen, ob und wann er denselben Wärmezustand hat, den er früher einmal gehabt hat.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1934

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  • Arnold Berliner

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