Einleitung

  • Otto von Zwiedineck-Südenhorst
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 33)

Zusammenfassung

Die Grundtatsache, von der jede wirtschaftswissenschaftliche Disziplin, also auch die allgemeine Volkswirtschaftslehre zweckmäßigerweise ausgeht, ist das wirtschaftliche Geschehen, aber insonderheit wirtschaftliches Handeln. Im Mittelpunkt alles Wirtschaftens steht der Mensch mit seinen Zielen und Zwecken, also auch mit seinen Bedürfnissen, denn deren Befriedigung setzt er sich als Zweck. Der Begriff „Bedürfnis“ ist nicht ohne weiteres in seinem Inhalt gesichert, aber für die wirtschaftswissenschaftliche Arbeit kommt die Ungeklärtheit des Begriffes nicht weiter zur Bedeutung. Alles, was Gegenstand der Zwecksetzung eines vernünftigen Menschen geworden ist, fällt unter den Begriff des Begehrens, des Bedürfnisses. Und wenngleich die Bedürfnisse die treibende Kraft für jenes Handeln sind, das als Wirtschaften erscheint, so ist doch nicht etwa Bedürfnisbefriedigung das, was wir wirtschaften nennen, vielmehr hat es das Wirtschaften vor allem mit den Mitteln für die menschlichen Zwecke, mit den Mitteln zur Bedürfnisbefriedigung zu tun.

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Literature

  1. 1.
    Ein historisches Beispiel für das Zusammentreffen von höchster Wirtschaftlichkeit mit dem letzten Zweck der Wohltätigkeit ist der Fall des mittelalterlichen Heiligenlebens des Engländers GODRIC vox WALPOLE, der im interlokalen Hausierhandel und darauf in der Reederei ein Vermögen sammelte, um es den Armen zu geben und sich selbst schließlich in die Einsiedelei zurückzuziehen (BRINKMANN: G. d. S. Bd. 9 S. 6 ).Google Scholar
  2. 2.
    So insbesondere in der italienischen Literatur, während in der französischen der Ausdruck principe édonistique beliebt ist.Google Scholar
  3. 3.
    OPPENHEIMER weist auf die Identität des Prinzips mit dem energetischen Imperativ OSTWALDS im Bereich der physikalischen Vorgänge hin: „Vergeude keine Energie!“ oder „Erstrebe bei dem kleinsten Aufwand von Rohenergie den größten Gewinn an Nutzenergie!” (Soziologie Bd. 3 S. 28).Google Scholar
  4. 1.
    Ebenso sind nationalwirtschaftliche Singularitäten wie z. B. zur Zeit die unvergleichliche Zinshöhe in Deutschland oder die unvergleichliche Uniformität der Bedürfnisbefriedigung in den V. St. v. Nordamerika schicksalsbedingte historische Elemente der Volkswirtschaft.Google Scholar
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    Wenn ein Tornado ein Bananengebiet zerstört, so tritt für die europäischen Käufer ein anderes in die Aufgabe der Versorgung ein, wenn auch vielleicht mit etwas höheren Preisen. Wenn aber die Futterernte durch die Dürre in Deutschland katastrophal einschrumpft, dann handelt es sich nicht nur darum, daß ein Auslandsgebiet in die Bresche springt, sondern es wirkt sich in der ganzen deutschen Wirtschaftsgesellschaft diese wirtschaftliche Schwächung der Landwirte nachhaltig aus. Mit der Substitution eines Versorgungsgebietes durch ein anderes ist es nicht abgetan.Google Scholar
  6. 1.
    Wir müssen uns hier auf die eingehendere Darstellung dieses Problems der Stufentheorien und Wirtschaftssysteme durch SOMBART beziehen (35. Beitrag zu dieser Enzyklopädie).Google Scholar
  7. 1.
    Die hier gegebene Übersicht gibt eine auf das Identitätsprinzip, das mit dem Begriff Wirtschaft gewonnen ist, eingestellte Systematik wie sie ähnlich WOLFG. Conrr entwickelt hat. Arch. f. Soz. Bd. 49.Google Scholar
  8. 1.
    Allg. Volkswirtschaftslehre S. 17.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1932

Authors and Affiliations

  • Otto von Zwiedineck-Südenhorst
    • 1
  1. 1.RheinsbergDeutschland

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