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Die Organisation der Tabor Manufacturing Company

  • Rudolf Seubert

Zusammenfassung

Die Mittel, deren sich Taylor bedient hat, um in den verschiedenartigsten Industrien die Selbstkosten herabzusetzen, einen geordneten Geschäftsgang zu schaffen und gleichzeitig das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf eine gesunde Grundlage zu stellen, sind je nach den vorliegenden Verhältnissen verschieden gewesen und haben sich demgemäß ohne allzugroße Mühe den Bedürfnissen des einzelnen Falles angepaßt. Das konnte deshalb geschehen, weil sich gezeigt hat, daß — was die allgemeine Ordnung des Geschäftsbetriebs angeht — in ihren Erzeugnissen ganz verschiedene Unternehmungen viel mehr gemeinsame und gleichartige Aufgaben haben, als es auf den ersten Blick scheinen möchte.

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Referenzen

  1. 1).
    Diese Organisationsübersicht gibt hinsichtlich der Zahl der Angestellten den Stand vom 1.1. 1912 wieder. Zu jener Zeit wurden im ganzen 48 Beamte und Meister und 45 Arbeiter beschäftigt; betrachtet man den Betrieb allein, so ergibt sich ein Verhältnis von 28 Beamten und Meistern zu 45 Arbeitern. Ein solches Verhältnis ist selbst für das Taylor-System ungewöhnlich und erklärt sich daraus, daß man trotz der sehr schlechten Geschäftslage zunächst nur Arbeiter entlassen hatte. Gewöhnlich findet sich in den nach Taylorschen Grundsätzen geleiteten Maschinenfabriken das Verhältnis 1:3. Und auch bei der Tabor Co. konnten in Zeiten reichlicher Aufträge etwa doppelt soviel Arbeiter, als hier angegeben, beschäftigt werden, ohne daß die Zahl der Beamten und Meister vermehrt worden wäre.Google Scholar
  2. 1).
    Handelsrechtliche oder geschäftsgebräuchliche Ausdrücke, die den Begriffen „President“ und „Vice-President“ genau entsprächen, gibt es im Deutschen nicht; ich behalte daher diese Bezeichnungen in der Verdeutschung „Präsident“ und „Vizepräsident“ bei. — „Manager“ nennt man in Amerika gewöhnlich den Leiter des Innendienstes; ich wähle dafür die etwas willkürliche Übersetzung „Geschäftsführer“.Google Scholar
  3. 1).
    Es wird später (s. S. 88) gezeigt werden, daß die Prüfung, ob die gewünschten Lieferungsbedingungen auch wirklich eingehalten worden sind, einem anderen Beamten, nämlich dem Prüfmeister, zufällt. Dadurch wird auch in dieser kaufmännischen Angelegenheit, dem Einkauf, eine Arbeitsteilung erreicht, die den Verantwortlichkeitsbereich der Angestellten nicht nach den zu behandelnden Gegenständen, sondern nach der Eigenart der auszuübenden Tätigkeiten trennt.Google Scholar
  4. 1).
    Diese Vordrucke (s. Abb. 11) können von jedem Angestellten der Fabrik ausgehen und müssen zu ihrer Gültigkeit die Unterschrift des Schatzmeisters, des Betriebsleiters oder des Oberingenieurs tragen, je nachdem sich ihr Inhalt auf die kaufmännische Abteilung, den Betrieb oder die technische Abteilung bezieht. Solche, die für verschiedene Abteilungen gleichzeitig Geltung haben sollen, müssen vom Geschäftsführer unterschrieben werden.Google Scholar
  5. Durch Betriebsanordnungen wird irgendeine Änderung verfügt: Betriebsmaßnahmen von dauernder oder vorübergehender Bedeutung, Herstellung oder Ausbesserung von Maschinen für den eigenen Bedarf oder eines Teiles der Allgemeinanlage, Anordnungen über Verwaltungs- und Personalangelegenheiten oder über Konstruktionen. Ein Durchschlag der Betriebsanordnung bleibt bei dem, der sie ausgefertigt hat, zurück, die Hauptausfertigung geht in den Besitz dessen über, an den sie gerichtet ist. Betriebsanordnungen sind an alle Geschäftsabteilungen oder Beamte gerichtet, deren Unterschriftsstellen am unteren Ende des Vordrucks vom Aussteller nicht durchstrichen sind. Ist die Unterschriftsstelle mehr als eines Beamten freigelassen, so unterschreibt jeder, der sie erhält, an der für ihn bestimmten Unterschriftsstelle, und schließlich gehen dann diese Betriebsanordnungen an den verantwortlichen Unterzeichner (Betriebsleiter, Oberingenieur usw.) zurück, der sie aufbewahrt, solange sie in Kraft sind. In dem in Abb. 11 gewählten Beispiele, das sich auf die Stückliste in Abb. 10 bezieht, bleibt die Betriebsanordnung beim Vorstand des technischen Bureaus, der daraufhin veranlassen wird, daß beim nächsten Los Ventile an Stelle der eigens hergestellten Bolzen die vom Arbeitsverteiler gewünschten, auf Lager befindlichen Stifte Verwendung finden.Google Scholar
  6. 1).
    Der Pensumbeamte bestimmt (vgl. S. 111) auf Grund von Leistungsstudien die Arbeitsverfahren und hat dem Betriebsleiter über seine Tätigkeit laufend Bericht zu erstatten.Google Scholar
  7. 1).
    Daß in dem kleinen Betrieb der Tabor Mfg. Co. allein 16 Beamte nötig sind, um die 12 Teiltätigkeiten (Ämter) zu versehen, in die sich die Arbeit des nach Taylorschem Verfahren eingerichteten Betriebsbüros gliedert, rührt daher, daß in der Tabor Mfg. Co. sehr verschiedene Erzeugnisse hergestellt werden: Gießereimaschinen in etwa 8 verschiedenen Typen, Schleifmaschinen, Fräswerkzeuge, Kaltsägen und anderes — alles in verschiedenen Größen. Kaum ein Auftrag gleicht dem andern.Google Scholar
  8. 1).
    Eine freie Übersetzung der in den Taylor-Betrieben üblichen Benennung, „roduction clerk“.Google Scholar
  9. 1).
    Die zweite und die dritte Gruppe haben dahin geführt, daß der hier besprochene Vordruck bei der Tabor Mfg. Co. „change order“ (Änderungsanordnung) genannt wird; da jedoch die unter 1. zusammengefaßten Verfügungen an Zahl und Bedeutung die unter 2. und 3. genannten überwiegen, scheint mir die allgemeinere Bezeichnung „Betriebsanordnung“ dem Sinne dieses Vordrucks näher zu kommen.Google Scholar
  10. 1).
    Die Abteilungsvorstände und der Lieferungsbeamte erhalten ihren Urlaub unmittelbar vom Präsidenten oder seinem Stellvertreter.Google Scholar
  11. 1).
    Die Bezeichnung, die Taylor diesem Beamten gegeben hat: „planning department order clerk“ (Ordnungsbeamter für das Betriebsbüro), kann leicht zu dem Glauben führen, daß dieser Beamte eine die Ordnung des Geschäftsbetriebs im Betriebsbüro beeinflussende Persönlichkeit sei, während in Wirklichkeit seine Tätigkeit (mehr oder minder mechanische Schreibarbeiten) nur dazu dient, den leitenden Beamten, besonders dem Lieferungsbeamten, den Überblick über die vorliegenden und über die erledigten Geschäfte und die Aufrechterhaltung eines geordneten Geschäftsganges zu ermöglichen. — Auch die von mir gewählte Bezeichnung umschreibt nur unvollkommen die Tätigkeit dieses Angestellten; sie weist nur auf eine seiner wichtigsten Aufgaben hin, auf die Geschäftsbehandlung der im Betriebsbüro einlaufenden Eingänge.Google Scholar
  12. 1).
    In größeren Betrieben werden zur Erleichterung der Arbeitsverteilung auch Fabrikmodelle angefertigt, von denen Abb. 15 eines darstellt. Die Wände zwischen den Räumen sind in diesem Modell weggelassen, und nur einige Holzstäbe halten die Bretter in ihrer Lage, die die Stockwerkböden darstellen. Damit man das Ganze besser übersehen kann, ist der vertikale Maßstab im Verhältnis sehr groß; die Maschinen sind durch ihre Grundrisse angedeutet. Der Weg, den jedes Werkstück von seinem Eintreffen in der Fabrik bis zum Verlassen der Versandabteilung als verkaufsfertige Ware zurückzulegen hat, ist durch Schnüre bezeichnet. — In diesem Werke sind — wie auch die Abbildung zeigt — alle Fenster, Türen, Pfeiler u. dgl. numeriert, wodurch die Anordnungen über den Schleppdienst sehr vereinfacht werden.Google Scholar
  13. 1).
    Die enge Fühlung, die aus diesem Grunde zwischen Konstrukteur und Arbeitsverteiler erforderlich ist, hat dazu geführt, daß in manchen Fabriken, die nach Taylorschem System arbeiten, der Arbeitsverteiler nicht im Betriebsbüro, sondern im technischen Büro untergebracht ist. Die genaue Kenntnis der Werkstatteinrichtungen hinwiederum, die — wie schon erwähnt — von dem Arbeitsverteiler gefordert“ wird, und das Zusammenarbeiten mit den Material-Buchhaltern (wovon später noch die Rede sein wird) lassen es den meisten Fabriken geboten erscheinen, den Arbeitsverteiler dem Betriebsbüro zuzuteilen.Google Scholar
  14. 1).
    Es sind dies die Drosselventile, für die auch der Werkstattauftrag (Abb. 12) und die Stückliste (Abb. 10) als Muster wiedergegeben sind.Google Scholar
  15. 1).
    Wie schon an früherer Stelle bemerkt, besteht für jeden Beamten der Tabor Mfg. Co. eine solche Dienstvorschrift.Google Scholar
  16. 2).
    Es verdient hervorgehoben zu werden, daß diese Dienstvorschrift nahezu wörtlich in eine deutsche Fabrik übernommen werden konnte.Google Scholar
  17. 1).
    Der hier wiedergegebene Auszug aus der Unterteilung des Lagerbestandes der Tabor Co. ist (ebenso wie auch schon die Konteneinteilung) in der Weise ins Deutsche übersetzt, daß die einzelnen Materialien nicht durch die Buchstaben gekennzeichnet werden, die sie im Englischen wirklich haben, sondern durch diejenigen, die ihnen im Deutschen vom mnemotechnischen Gesichtspunkte aus nach Möglichkeit entsprechen.Google Scholar
  18. 1).
    Dies ist ein Vordruck, der dem Lagerausgabeschein entspricht, der aber das Konto „Lager“ belastet, während es der Ausgabeschein erkennt.Google Scholar
  19. 1).
    Die Tabor Mfg. Co. hat eigene Modellschreinerei und Modellager.Google Scholar
  20. 1).
    Siehe S. 101.Google Scholar
  21. 1).
    Der in Abb. 24 als Muster gewählte Prüfschein gehört nicht zu der hier erwähnten ersten, sondern zu der dritten Arbeit des Verteilungsblattes in Abb. 17.Google Scholar
  22. 1).
    Vom Abfertigungsbeamten zu unterzeichnen.Google Scholar
  23. 2).
    Vom Lohnabrechnungsbeamten zu unterzeichnen.Google Scholar
  24. 1).
    Siehe Taylor-Wallichs, Über Dreharbeit und Werkzeugstähle, Berlin Springer.Google Scholar
  25. 2).
    Vgl. Schlesinger, Selbstkostenberechnung im Maschinenbau, Berlin 1911.Google Scholar
  26. 1).
    Vgl. S. 14.Google Scholar
  27. 1).
    Im Taylorschen System wird die Zeit nicht in Stunden und Minuten, sondern in Stunden und Hundertstelstunden auf die Zeitkarten gestempelt. Obgleich es zuerst einige Schwierigkeiten bietet, sich an die Uhren mit Dezimalzifferblatt zu gewöhnen, wie sie auch im Betrieb der Tabor Mfg. Co. in Gebrauch sind, so hat diese Zeiteinteilung doch so bedeutende Vorteile, daß sie allenthalben in der Industrie nachgeahmt zu werden verdient. Ihr größter Vorzug ist die Genauigkeit, da die Arbeitszeit in Zehntelstunden bezahlt wird. Da ein Zehntel einer Stunde 6 Minuten gleichkommt, liegt es auf der Hand, daß der größte Fehler in der Berechnung niemals mehr als 3 Minuten sein kann; unter dem sonst meist üblichen Verfahren, wobei auf Viertelstunden auf- oder abgerundet wird, kann dagegen der größte Fehler 7½ Minuten betragen. Außerdem ist das Dezimalzeit-System dem Arbeiter gegenüber entgegenkommender; es erlaubt ihm, wenn er zu spät in die Fabrik kommt, die Arbeit beim nächstfolgenden Zehntel zu beginnen, anstatt von ihm zu verlangen, daß er eine halbe Stunde wartet, wie es in vielen Werkstätten Vorschrift ist. Ein weiterer Vorteil liegt in der einfacheren Berechnung der Arbeitskosten, indem jeder Lohnsatz mit der Anzahl Stunden und Zehntelstunden multipliziert wird, während man sonst mit gemeinen Brüchen oder mit Stunden und Minuten rechnen muß. Die bei der Tabor Mfg. Co. übliche Arbeitszeit beträgt 9,8 Stunden, und zwar von 7–12 Uhr vorm. und von 12,42–5,30 nachm. Die Mittagspause z. B. beträgt also 7 Zeiteinheiten.Google Scholar
  28. 1).
    Die Kenntnis des Kapitels über Unkosten ist zum Verständnis der hier wiedergegebenen Aufgaben des Betriebsabrechnungsbeamten vorausgesetzt.Google Scholar
  29. 1).
    Über Ermittlung der Maschinenbenützungskosten siehe S. 136 beim Lohnabrechnungsbeamten.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1914

Authors and Affiliations

  • Rudolf Seubert

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