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Das Leben Sein Wesen, sein Ursprung und seine Erhaltung

Präsidialrede, gehalten zur Eröffnung der „British Association for the Advancement of Science“ in Dundee, September 1912
  • E. A. Schäfer
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Zusammenfassung

Jedermann weiß, oder glaubt zu wissen, was Leben ist; wenigstens sind wir alle mit seinen gewohnten, sichtbaren Äußerungen vertraut. Es mag daher den Anschein haben, als ob es nicht schwer sei, eine genaue Definition zu finden.

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Referenzen

  1. 1).
    „La vie et la mort“, englische Übersetzung von W. J. Greenstreet, 1911, S. 54.Google Scholar
  2. 1).
    G. Quincke, „Annalen der Physik und Chemie“, 1870 und 1888.Google Scholar
  3. 1).
    Veränderung der Oberflächenspannung als Ursache nicht nur von Bewegungen, sondern vieler anderer Lebensäußerungen von lebender Substanz hat A. B. Macall um in einem Artikel in Ashers und Spiros Ergebnissen der Physiologie 1911 geschickt behandelt. Macallum hat eine Anhäufung von Kaliumsalsen auf den activeren Oberflächen des Protoplasmas vieler Zellen beschrieben und bringt diese in Beziehung zur Erzeugung von Zelltätigkeit, die durch solche Anhäufung mittels Veränderung der Oberflächenspannung verursacht wird. Die Literatur hierüber ist in dieser Abhandlung zu finden.Google Scholar
  4. 1).
    G. F. Fitzgerald (Brit. Assoc. Reports 1898 und Transact. Royal Dublin Society 1898) kam in being auf den Muskel durch rein physikalische Betrachtung su diesem Schlüsse.Google Scholar
  5. 1).
    „Vitale Automatic, die so bereitwillig von Leuten, die von Biologie nichts verstehen, angenommen wird, wird durch die ganse Geschichte der Wissenschaft widerlegt. Jede Lebensäußerung ist die Antwort auf einen Reis, ist eme bedingte Erscheinung. Es ist unnötig, zu erwähnen, daß das gleiche für leblose Körper gilt, denn gerade darauf beruht das eherne Prinzip von der Trägheit der Masse. Das gilt selbstverständlich ebensogut für lebende, wie für unbelebte Materie.“ Dastre, op. cit. pag. 280.Google Scholar
  6. 1).
    Die Worte „Assimilation“ und „Dissimilation“ bezeichnen die physikalischen und chemischen Veränderungen im Protoplasma, die der Aufnahme von Nährmaterial aus dem umgebenden Medium folgen; sie bezeichnen dessen Ausnutzung und schließliche Umformung in Abfallstoffe, die wieder in jenes Medium ausgeschieden werden. Der ganze Kreis dieser Veränderungen wird unter dem Namen „Stoffwechsel“ zu-sammengefaßt.Google Scholar
  7. 1).
    Leduc („Le mécanisme de la vie“, englische Übersetzung von W. Deane Butcher, 1911) hat diese Darstellung mit vielen Beispielen belegt. In den Sitzungsberichten der British Association Versammlung in Dundee 1867 bespricht Dr. J. T. Heaton (Über die Simulierung vegetabilischen Wachstums durch Mineralien) die gleiche Art von Erscheinungen. S. auch J. Hall-Edwards (Rede im Birmingham-und Midland-Institute, November 1911). Die Vorgange der Osmose in Zellen hat besonders Hamburger untersucht (Osmotischer Druck und Ionenlehre, Wiesbaden 1903–1904).Google Scholar
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    B. Moore in Recent Advances in Physiology 1906t Moore u. Roaf ebenda; und Further Advances in Physiology 1909. Moore legt besonderen Nachdruck auf die Umbildung der Energie, die im Protoplasma vor sich geht. Ober die Frage des Vitalismus s. Gley (Revue Scientifique 1911) und D’Arcy Thompson (Antrittsrede als Vorsitzender der Sektion Biologie, British Associationm Versammlung in Portsmouth 1911).Google Scholar
  9. 1).
    Die neueste Zusammenfassung über die Chemie des Protoplasmas ist die von Botassi (Das Cytoplasma und die Körpersäfte) in Wintersteins Handbuch der vcrgi. Physiologie, Bd. I 1912. Die Literatur ist in diesem Artikel zusammengestellt.Google Scholar
  10. 1).
    Hier sei jedoch erwähnt, daß Bastian die Bildung ultramikroskopischer lebender Partikel annimmt, die dem Erscheinen der mikroskopischen Organismen, die er beschreibt, vorangehen. The Origin of Life 1911, pag. 65.Google Scholar
  11. 2).
    Die herrschenden Anschauungen über den Gegenstand hat in Kürze Dr. Chalmers Mitchell in seinem Artikel über „Abiogenesis“ in der Encyclopaedia Britannica zusammcngefaßt. Dr. Mitchell fügt hinzu: „Es mag sein, daß durch das Fortschreiten der Wissenschaft es doch möglich werden wird, aus lebloser Materie lebendes Protoplasma herzustellen. Die Widerlegung der Abiogenesis sagt in Bezug auf diese Frage weiter nichts aus, als daß die Darstellung von Protoplasma im Laboratorium nur Ober eine lange Stufenreihe von Zwischen-körpern geschehen kann, von denen die uns bis jetzt noch unbekannten Anfangsglieder nicht protoplasmatischer Natur sind. Solche intermediären Gebilde mögen in Urzeiten existiert haben“. Huxley bekennt in seiner Präsidialrede so Liverpool 1870 „daß er vollkommen überzeugt sei von der Unmöglichkeit der Abiogenesis, wie man sie nachgewiesen zu haben glaube durch das Erscheinen von Lebewesen in hermetisch verschlossenen und sterilisierten Flaschen. Er verwahrt sich aber ausdrücklich gegen die Annahme, er halte es für un-möglich, daß solche Vorgänge wie die Abiogenesis jemals in der Vergangenheit stattgefunden haben oder je in der Zukunft stattfinden könnten. Bei dem Stande der organischen Che-mie, der molekularen Physik und Physiologie, die sich noch in den ersten Anfängen befänden und jeden Tag wunderbare Fortschritte machten, wäre es höchste Anmaßung, zu behaupten. daB die Bedingungen, unter denen die Materie die Eigenschaft, die wir als „vital“ bezeichnen, annimmt, nicht einstmals künstlich hergestellt werden könnten.“Google Scholar
  12. 1).
    Die Gründe, die für diese Annahme sprechen, sind von Meldola in seiner „Herbert Spencer-Lecture 1910“ angegeben worden, S. 16–34. Meldola läßt die Frage offen, ob solch eine Entwicklung nur in vergangenen Zeiten statt-gefunden habe, oder ob sie auch jetzt vorkomme. Er kommt zu dem Schlusse, daß gewisse Kohlenstoffverbindungen kraft ihrer außerordentlichen Beständigkeit sich erhalten haben, während andere — die Vorläufer der lebenden Materie — durch ihre außerordentliche Verändernngs- und An-passungsfähigkeit an den wechselnden Zustand der Umgebung nicht zugrunde gegangen sind. Eine ähnliche Annahme machte Lockyer schon früher „Inorganic Evolution“ 1900, S. 169, 170.Google Scholar
  13. 1).
    T. H. Huxley, Präsidialrede 1870; A. B. Macallum, On the Origin of Life on the Globe i. d. Trans. Canadian Institute, VIII.Google Scholar
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    Zuerst, nach Dastre, von Salles-Guyon vorgeschlagen (Dastre op. dt. S. 252). Die Theorie wurde von Helm-holts gestützt.Google Scholar
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    „Worlds in the making“, Werdende Welten, übersetzt von H. Borns, Kap. VIII, S. 221, 1908.Google Scholar
  16. 1.
    „Die Geschichte der Wissenschaft lehrt, wie gefährlich es ist, Geheimnisse, d. h. ungelöste Probleme, durch Nichtbeachtung abzutun, und den Grenzpfahl mit der Aufschrift ‚Durchgang verboten’ aufzurichten.“ R. Meldola, Herbert Spencer Lecture 1910.Google Scholar
  17. 2).
    Autoritäten wie Errera behaupten mit großer Wahr-scheinlichkeit, daß im Raum zwischen den Sternen ein Leben in unserem Sinne unmöglich ist.Google Scholar
  18. 3).
    Wie Verworn zeigt, können solche Theorien auch auf den Ursprung irgend welcher anderen chemischen Verbindung, die auf unserer Erdkugel vorkommt, ob anorganisch oder organisch, angewandt werden, so daß sie direkt zu absurden Schlüssen führen. Allgemeine Physiologie 1911.Google Scholar
  19. 1).
    Wie Meldola hervorhebt, war diese allgemeine An-nähme der Theorie vor allem den Schriften Herbert Spencers zu verdanken: „Wir sind jetzt für die Evolution auf jedem Gebiete vorbereitet,... Wie bei den meisten großen Verallgemeinerungen hatte sich seit vielen Jahren der Gedankengang in dieser Richtung bewegt.... Lamarck und Buffon hatten auf einen bestimmten Mechanismus der organischen Entwicklung hingewiesen, Kant und Laplace das Prinzip einer himmlischen Entwicklung aufgestellt, während Lyell die Geologie auf eine Evolutionsbasis stellte. Das Prinzip der Kontinuität fing an, bei der physikalischen Wissenschaft anerkannt zu werden.... Es war Spencer, der diese unabhängigen Gedankenreihen zusammenfaßte und als Erster einen systematischen Versuch machte, das Gesetz der Entwicklung zu erklären, wie es sich in seiner weitesten und abstraktesten Form im ganzen Weltall, bei allen kosmischen, anorganischen, organischen und superorganischen Prozessen erfüllt.“ Op. cit. S. 14.Google Scholar
  20. 1).
    Es existieren in der Tat noch lebende Gebilde, die kein Mikroskop sichtbar macht (E. A. Minchin, Präsidentenrede, Quekett Club 1911) und Keime, die durch die Poren eines Chamberland-Filters gehen.Google Scholar
  21. 1).
    Chalmers Mitchell (Art. „Leben“ Encycl. Brit XI. Aufl.) schreibt wie folgt: „Von Zeit zu Zeit ist behauptet worden, daß Zustände, die den jetzt existierenden sehr unähnlich sein müßten, für das erste Erscheinen des Lebens nötig wären und sich wiederholen müßten, um den künstlichen Aufbau lebender Materie zu ermöglichen. Doch kann die Untersuchung der bestehenden Lebensbedingungen diese Anschauung nicht stützen.“ S. auch bei J. Hall-Edwards op. citGoogle Scholar
  22. 1).
    „Spontane Lebenszeugung könnte sinnfällig demonstriert werden nur durch Ergänzen der langen Zeiten zwischen den komplizierten Formen anorganischer und den einfachsten Formen organischer Substanz. Aber auch dann könnten wir möglicherweise nicht angeben (besonders wenn man die Unbestimmtheit unserer Definitionen des Lebens bedenkt), wo Leben beginnt oder endet.“ K. Pearson. Grammar of Science. II. Aufl. 1900, S. 35aGoogle Scholar
  23. 1).
    Über Erzeugung von Elementen siehe W. Crookes. Vortrag vor Sektion B. Brit. Assoc., 1886; T. Preston. „Nature“ Bd. IX, S. 180; J.J.Thomson, Phil. Mag.. 1897. S.311; Norman Lockyer, op. cit., 1900; G. Darwin, Prasidialrede Brit. Assoc. 1905.Google Scholar
  24. 1).
    Die Argumente für die Annahme, daß das erste Auftreten des Lebens im Meere erfolgte, gibt A. B. Macallum, „The Palaochemistry of the Ocean“. Trans-Canad. Instit. 1903–4.Google Scholar
  25. 1).
    Lankester (Art. „Protozoa“, Encyd. Brit. X. Aufl.) meint, daß das erste Protoplasma sich von der vorhergehen-den Stufe seines eigenen Stammes nährte. F. J. Allen (Brit. Assoc. Reports 1896) kommt su dem Schlusse, daß lebende Substanz wahrscheinlich dauernd erzeugt wird, doch ohne daß die Erzeugnisse sichtbar werden, da die Substanz durch andere Organismen crfaßt und assimiliert wird. Er glaubt, dafi, „um den ersten Ursprung des Lebens auf dieser Erde zu erklären, es nicht notwendig sei, der Annahme von Pflüger, daß der Planet in einer früheren Zeit eine Feuerkugel gewesen sei, beizupflichten“. Er zieht die Annahme vor, daß die Um-stände, die das Leben erhalten, auch seinen Ursprung begünstigen. Und an einer anderen Stelle: „Das Leben ist kein außergewöhnliches Phänomen, nicht einmal aus einer anderen Sphäre übernommen, sondern eher aus den Verhältnissen unserer Erde tatsächlich hervorgegangen“.Google Scholar
  26. 1).
    Die Beweise hierfür finden sich bei F. H. A. Marshall. The Physiology of Reproduction 1911.Google Scholar
  27. 1).
    Lord Litter war 1896 Präsident der British Association in Liverpool.Google Scholar
  28. 1).
    Diese wurde von Buffon als von der Dauer der Wachstumsperiode abhängig angesehen, doch ist das Verhältnis sicherlich kein konstantes. Das Thema wird von Ray Lan-kester in einem frühen Werke: „On comparative longevity in Man and Animals 1870“ erörtert.Google Scholar
  29. 1).
    Die annähernd bestimmte Lebensdauer, welche den verschiedenen Tierarten eigen ist, spricht sehr gegen die Theorie, daß der Altersverfall eine zufällige, mit Krankheit vergleichbare Erscheinung ist.Google Scholar
  30. 1).
    Die so erwartende Lebensdauer eines Fünfzigers wird auch jetzt noch auf zwanzig Jahre berechnet.Google Scholar
  31. 1).
    „Hominis ævum cæterorum animalium omnium superat praeter admodum paucorum.“ — Francis Bacon, Historia vitæ et mortis, 1637.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1913

Authors and Affiliations

  • E. A. Schäfer
    • 1
  1. 1.Universität EdinburghScotland

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