Ausdehnung der öffentlichen Wirtschaft

  • Arthur Nussbaum

Zusammenfassung

Angesichts der schweren Notlage des Staates und der Volkswirtschaft konnten sich die öffentlichen Gewalten nicht darauf beschränken, den Umlauf der Güter innerhalb der Privatwirtschaften zu regulieren, sondern sie sahen sich genötigt, die Güter selbst zu erfassen und von sich aus dem Verbrauch zuzuführen. Diese Notwendigkeit ergab sich zunächst aus den Anforderungen der militärischen Kriegführung, sodann aber in steigendem Maße aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die immer mehr auf die öffentliche Bewirtschaftung der Nahrungsmittel und anderer wichtiger Massengüter hinwirkten. An diese Entwicklung konnte das neue deutsche Staatswesen anknüpfen, indem es den sozialistischen Gedanken seiner Verwirklichung näher zu führen suchte. Schließlich wurde der Staat auch durch die Notwendigkeit der Ausführung des Friedensvertrages genötigt, in erheblichem Umfange Bestandteile der Privatwirtschaft an sich zu ziehen.

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Literatur

  1. 1).
    Rich. Kahn, Rechtsbegriffe der Kriegswirtschaft (1918).Google Scholar
  2. 1).
    Herzfeld, Die geschäftliche Auskunftpflicht (1918).Google Scholar
  3. 2).
    Die Einschränkung im § 2 der VO. ist ohne Bedeutung.Google Scholar
  4. 3).
    H. Lehmann, Die Kriegsbeschlagnahme (1916); Kahn a. a. O. 112 ff.; L. Waldecker, Die Kriegsenteignung (1919); Ball, Arch ÖffR. 37, 45 ff.Google Scholar
  5. 4).
    ZVG. 20 ff., 148 ff.; StPO. 94 ff., 325, 326.Google Scholar
  6. 1).
    Und ausdrücklich für die Nachkriegszeit aufrecht erhalten durch VO. 22. XII. 1919 RGBl. 2138.Google Scholar
  7. 2).
    So liegt eine Beschlagnahme wohl auch vor im Falle der VO. vom 23. VII. 17 RGBl. 646 (Ölfrüchte), obwohl hier der Ausdruck Beschlagnahme nicht gebraucht ist.Google Scholar
  8. 3).
    Ferner sei etwa verwiesen auf VO. 10. X. 16 RGBl. 1145 (Tabak); 9. VI. 17 17 RGBl. 485 Art. III § 2 (Seife); 28. VI. 17, RGBl. 577 (Fässer); Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle vom 4. IV. 17 Kriegsbuch V, 256; VO. 28. III. 19 RGBl. 349 (aus Frankreich und Belgien entfernte Maschinen); RGes. 31. VIII. 19 RGBl. 1527 (Enteignungen aus Anlaß des Friedensvertrages).Google Scholar
  9. 1).
    Darüber Waldecker a. a. O. 31 ff. 83ffGoogle Scholar
  10. 2).
    Vgl. Klaffenbach, DJZ. 1919, 466.Google Scholar
  11. 1).
    Hierzu E. Heymann in den Amtl. Mitteilungen des Kriegsamtes 1917, Nr. 19/20, abgedruckt in den „Mitteilungen der Handelskammer Berlin“ 1917, 198 ff., 232 ff.; ferner A. Hesse, Freie Wirtschaft und Zwangswirtschaft im Kriege (KrWirtschBeitr. Heft 39) 1918, sowie die S. 28 Anm. 1 zitierte Schrift von Kahn. Interessante Parallelen zieht v. Below Mittelalterliche Stadtwirtschaft und gegenwärtige Kriegswirtschaft (Kriegswirtschaftliche Zeitfragen, herausgegeben von Eulenburg, Heft 10) 1917.Google Scholar
  12. 2).
    So nach dem treffenden Ausdrucke Heymanns.Google Scholar
  13. 1).
    Vor allem auf der VO. über Brotgetreide und Mehl aus der Ernte 1916 vom 9. VI 16 RGBl. 782 und der VO. über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915 vom 28. VI. 15 RGBl. 798.Google Scholar
  14. 2).
    Dazu Oppenheimer, Reichsgetreidegesetzgebung für die Ernte 1919; Wiedfeldt, Die Bewirtschaftung von Korn, Mehl und Brot im deutscben Reich (KrWirtschBeitr. Heft 50–53) 1919.Google Scholar
  15. 1).
    Hierüber Nußbaum, Tatsachen und Begriffe im deutschen Kommissionsrecht (1917) 29.Google Scholar
  16. 2).
    So die übliche Definition.Google Scholar
  17. 1).
    Hierzu und zum folgenden Arthur Starke, Gewerbliche Zwangsverbände 1918; Geiler, Gesellschaftliche Organisationsformen im neueren Wirtschaftsrecht (1919); Grünebaum, RuW. 1918, 21; Heymann in dem S. 32, Anm. 1 erwähnten Aufsatz.Google Scholar
  18. 2).
    Auch für das Braugewerbe (VO. 2. XI. 17 RGBl. 993) und die Binnenschifffahrt (VO. 18. VIII. 17 RGBl. 720) wurde die Gründung von Zwangsverbänden zugelassen, aber, soweit bekannt, nicht durchgeführt. Ansätze einer Zwangsorganisation enthält die VO. 27. VI 18. RGBl. 671 für die Textilwirtschaft. Über die landesgesetzliche Befugnis zur Errichtung von Zwangsverbänden VO. 25. IX 15 und 4. X. 15 RGBl. 728 § 15 b, insbesondere bezüglich der Graphitindustrie VO. 5. VIII. 18 RGBl. 693.Google Scholar
  19. 3).
    Mainzer, Das Zwangssyndikat in der Schuhindustrie (1918).Google Scholar
  20. 1).
    Aug. Müller, DJZ. 1919, 551; Reier, Kommentar der Sozialisierungsgesetze (1920).Google Scholar
  21. 1).
    Veröffentlicht in der Schriftenreihe „Deutsche Gemeinwirtschaft“, herausgegeben von E. Schairer, Heft 9. Dazu Heft 10 derselben Schriftenreihe: Wissell und v. Moellendorff, „Wirtschaftliche Selbstverwaltung“ (1919).Google Scholar
  22. 1).
    Oben S. 36.Google Scholar
  23. 2).
    VO. 1. IV 20 RGBl. 433 § 11 Abs. 4.Google Scholar
  24. 3).
    Stern und Aron, Sozialisierung der Elektrizitätswirtschaft (1920).Google Scholar
  25. 1).
    Als Sozialisierungsmaßnahmen werden auch angesehen werden können die Torfwirtschaftsgesetze, die Bayern unter dem 25. II. 20 (GesVOBl. 42) und Württemberg unter dem 28. X 19 (RegBl. 353) erlassen hat. Danach kann der Staat torfhaltige Grundstücke enteignen oder ohne Enteignung zur Torfgewinnung ausnutzen.Google Scholar
  26. 2).
    Oben S. 4.Google Scholar
  27. 3).
    Vgl. VO. 24. XI. 19 RGBl. 1709 (Verlängerung des Hefeverbandes), VO. 27. XII. 19 (RGBl. 2187) (Verlängerung des Stahlwerkverbandes — einer Doppelgesellschaft), dazu auch VO. 26. II. 20 RGBl. 230 und 1. IV. 20 RGBl. 435. Die Verlängerung des Stahlwerksverbandes hat sich erledigt durch die Begründung des Eisenwirtschaftsbundes VO. 1. IV. 20 RGBl. 434 § 20 II.Google Scholar
  28. 1).
    Dazu „Vorläufiger Bericht der Sozialisierimgskommission“ (1919), vgl. auch VO. 4. II. 19 RGBl. 198. Die Kommission wurde wieder einberufen durch VO. vom 15. V. 20 RGBl. 981.Google Scholar
  29. 2).
    Dazu Novelle vom 20. VIII. 19 RGBl. 1447.Google Scholar
  30. 3).
    Gleichzeitig mit einer Novelle zum Kaliwirtschaftsgesetz vom 19. VII. 19 RGBl. 661.Google Scholar
  31. 4).
    Amtliche Bezeichnungen: „Vorschriften zur Durchführung des Gesetzes über die Regelung der Kaliwirtschaft“ und „Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über die Regelung der Kohlenwirtschaft“.Google Scholar
  32. 1).
    R. Isay, Kohlenwirtschaftsgesetz (1920).Google Scholar
  33. 2).
    Oben S 35.Google Scholar
  34. 3).
    Neufassimg durch VO. 30. VIII. 15 RGBl. 536.Google Scholar
  35. 1).
    Zwangsweise ist bisher nur der Anschluß des Stahlwerks Becker an das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat (VO. 15. I. 20 RGBl. 73) sowie der Anschluß einiger Bergwerke an das Rheinische Braunkohlensyndikat herbeigeführt worden (VO. 26. V. 20 RGBl. 1088).Google Scholar
  36. 2).
    Mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse Oberschlesiens konnte dort die gemeinwirtschaftliche Organisation des Kohlenbergbaus noch nicht durchgeführt werden. Wegen des Saargebiets VO. 21. VIII. 19 RGBl. 1472.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1920

Authors and Affiliations

  • Arthur Nussbaum
    • 1
  1. 1.Universität BerlinDeutschland

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