Zusammenfassung

Eine sehr reizvolle Aufgabe mathematikhistorischer Forschung besteht darin, die Geschichte bestimmter mathematischer Aufgabentypen und Lösungsmethoden zu erforschen. Es ist schon lange bekannt, daß oft dieselben Probleme zu verschiedenen Zeiten und in voneinander weit entfernten Kulturkreisen behandelt wurden. Dabei nimmt man an, daß manche Probleme des angewandten Rechnens Bestandteil der Literatur vieler Völker sind, ohne daß man eine gegenseitige Beeinflussung vermuten darf. Wenn allerdings eine Aufgabe mit denselben nicht zu einfachen Zahlenwerten in verschiedenen Quellen überliefert wird, muß man an eine Abhängigkeit denken. Es ist jedoch auch in diesen Fällen gegenwärtig noch nicht möglich, zu sicheren Erkenntnissen über den Weg eines Problems zu gelangen; dazu sind die kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern zu komplex und in den Einzelheiten zu wenig geklärt. Gemeinsam mit Mathematikhistorikern müßten hier Vertreter anderer historischer Disziplinen wie Wirtschafts- und Sozialgeschichte, aber auch die Philologen mitarbeiten. Eine solche Arbeit könnte dazu beitragen, die kulturellen Leistungen der beteiligten Völker, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede ihrer wissenschaftlichen Entwicklung herauszuarbeiten und dabei insbesondere den europazentrischen Standpunkt zu überwinden, der immer noch viele wissenschaftshistorische Darstellungen beherrscht.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Häufiger Zitierte Literatur

  1. Bubnov.
    N. Bubnov, Gerberti opera mathematica, Berlin 1899Google Scholar
  2. Cantor (1).
    M. Cantor, Mathematische Beiträge zum Kulturleben der Völker, Halle 1863Google Scholar
  3. Cantor (2).
    M. Cantor, Die römischen Agrimensoren und ihre Stellung in der Geschichte der Feldmeßkunst, Leipzig 1875Google Scholar
  4. Cantor (3).
    M. Cantor, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, 1. Band, 3Leipzig 1907Google Scholar
  5. Folkerts (1).
    M. Folkerts, Mathematische Aufgabensammlungen aus dem ausgehenden Mittelalter, in: Sudhoffs Archiv 55 (1971) 58–75Google Scholar
  6. Folkerts (2).
    M. Folkerts, Pseudo-Beda, De arithmeticis propositionibus. Eine mathematische Schrift aus der Karolingerzeit, in: Sudhoffs Archiv 56 (1972) 22–43Google Scholar
  7. Thiele (1).
    G. Thiele, Der illustrierte lateinische Aesop in der Handschrift des Ademar. Codex Vossianus Lat. Oct. 15, fol. 195–205, Leiden 1905Google Scholar
  8. Thiele (2).
    G. Thiele, Der lateinische Äsop des Romulus und die Prosa-Fassungen des Phädrus, Heidelberg 1910Google Scholar
  9. Vogel (1).
    K. Vogel, Die Practica des Algorismus Ratisbonensis, München 1954Google Scholar
  10. Vogel (2).
    H. Hunger/K. Vogel, Ein byzantinisches Rechenbuch des 15. Jahrhunderts, Wien 1963Google Scholar
  11. Vogel (3).
    K. Vogel, Ein byzantinisches Rechenbuch des frühen 14. Jahrhunderts, Wien 1968Google Scholar
  12. Vogel (4).
    K. Vogel, Chiu Chang Suan Shu. Neun Bücher arithmetischer Technik, Braunschweig 1968Google Scholar
  13. Vogel (5).
    K. Vogel, Byzanz, ein Mittler — auch in der Mathematik — zwischen Ost und West, in: XIII. Internationaler Kongreß für Geschichte der Wissenschaft, Moskau 1971: Colloquium: Wissenschaft im Mittelalter; Wechselbeziehungen zwischen dem Orient und Okzident; Wiederabdruck in russischer Sprache: ΒИЗАНТИЯ КАК ПОСРЕДНИУ ВОСТОКОМ ИЗАДОМ В ОЪЛАСТИ МАТЕМАТИКИ, in: ИСТОРИКО-МАТЕМАТИЧЕСКИЕ ИССЛЕДОВАНИЯ 18 (1973) 249–263Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1978

Authors and Affiliations

  • Menso Folkerts

There are no affiliations available

Personalised recommendations