Einleitung. Die psychologischen Mechanismen der Strafe

  • Hans von Hentig

Zusammenfassung

Das kriminalpolitische Defizit der modernen Strafarten, ausgedrückt in steigenden Bückfallsziffern, ist nicht nur der Erfindungsarmut, der Ungeduld und fehlender wissenschaftlicher Methodik zuzuschreiben. Auch mit dem Menschenmaterial, auf das Strafe oder Strafandrohungen abgestellt sind, gehen Änderungen vor sich. Obschon die Strafart die gleiche bleibt, kann wechselnde Empfänglichkeit für Strafe Fehlwirkungen verursachen. Neue Blockierungen im Gehirn des einzelnen wie der Massen können den effektiven Drohgehalt der Strafe verflachen oder völlig verwischen.

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Referenzen

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    In England wurden Frauen zum Tode verurteilt begnadigt 1900–1909 . . 27 22 1910–1919 . . 38 38 1920–1929 . . 22 20 1930–1939 . . 24 20 1940–1949 . . 19 18 Der 100% igen Begnadigungsziffer von 1910–1919 folgte ein Abfall der Todesurteile, der freilich mit Friedenszeiten zusammenfiel. Ebenda S. 13.Google Scholar
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    In dem Mordfall Jeanne Weis — sie versuchte, mit einem Komplicen ihren Mann zu vergiften, beide Täter begingen Selbstmord — schrieb die Frau an den Geliebten: „Habe ich je vor irgend einem Entschluß gezögert außer davor, meine Kinder zu verlassen? Verbrechen gegen das Gesetz kümmern mich überhaupt nicht“ “It is only crimes against nature that revolt me.“ Jesse, F. Tennyson: Murder and its motives, S. 19. London 1952.Google Scholar
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    Von der Kaiserin Maria Theresia heißt es, daß sie Aufrührern, ungetreuen Beamten und Kindesmörderinnen selten Begnadigung zuteü werden Heß. Kwiatkowski, E. v.: Die Constitutio Criminalis Theresiana, S. 44. Innsbruck 1904. — Den Grund, warum Kindesmörderinnen in Nürnberg auf einer beinahe vergessenen Richtstatt, dem „Betzenstein“ (Maister Franntzn Schmidts Nachrichters inn Nuermberg all sein Richten, S. 28. Leipzig 1913) enthauptet wurden, kennen wir nicht. Vielleicht ist in einem Falle der Umstand, daß der Vater 70 Jahre war, dem Rat besonders sündhaft und unheimlich erschienen. — Nach dem Kräuterbuch des Adam Lonicerus legt der Hahn das Ei, aus dem der Basilisk kommt „in seinem letsten alter“. Panzer, Friedrich: Bayerische Sagen und Bräuche, Bd. I, S. 361. München 1848.Google Scholar
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    Wosnik, Richard : Beiträge zur Hamburgischen Krim. Geschichte, Bd. I, S. 24–51. Hamburg 1926 (1663, 1685, 1686, 1695, 1698, 1699, 1708, 1712, 1717, 1718, 1719, 1740, 1760, 1765, 1774, 1809). Man wird in Betracht ziehen müssen, daß es damals einen größeren Kinderanteil in der Bevölkerung gab als heute, besonders in Notzeiten ein gewisser Kindertiberdruß herrschte, und Verhütungsmittel unbekannt waren.Google Scholar
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    Die knappen Angaben (Wosnik a. a. O. S. 24–51) sagen nicht viel über die Tötungsumstände. Fälle solcher „Kindestötungen“ durch Männer werden aus den Jahren 1695, 1721, 1725, 1726, 1736, 1737, 1741, 1750, 1765, 1769, 1772, 1781, 1782, 1784 und 1808 gemeldet. Ein Täter „gab sich selber an“. (Ebenda I, S. 48). Fast durchwegs wird die Gurgel abgeschnitten. Es ist denkbar, daß dieser Verbrechenstyp mit der besseren Erkennung und Behandlung geistiger Störungen verschwunden ist.Google Scholar
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    „Als er noch ein junger Knabe war, und einmal von der Jagd ganz hungrig und müde heim kam, sah er seinen Bruder Jakob sich ein Mittagessen von überaus roten Linsen kochen. Weil es ihm nun wegen der roten Farbe besonders danach gelüstete, bat er Jakob, ihm von dem Essen etwas abzugeben. Dieser nahm die gute Gelegenheit wahr und weigerte sich, seinem Bruder von der Speise etwas abzugeben, wenn er nicht freiwillig das Vorrecht seines Alters abträte. Esau konnte so wenig dem Hunger und dem Anblick der Speise widerstehen, daß er seinem Bruder das Recht der Erstgeburt verkaufte und dazu den ganzen Handel mit einem Eide bekräftigte.“ Ant. Jud. II, 1, 1.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1955

Authors and Affiliations

  • Hans von Hentig
    • 1
  1. 1.Universität BonnDeutschland

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