Experimentelle Grundlagen der Disposition zur Tuberkulose

  • J. Meinertz

Zusammenfassung

Die großen Entdeckungen der modernen Bakteriologie hatten eine Gegenbewegung zur Folge, bei welcher der von den strengen Bakteriologen vernachlässigte Faktor, der befallene Organismus, in seiner ätiologischen Bedeutung für das Zustandekommen der Infektionskrankheit wieder mehr in den Vordergrund trat. Es kann kein Zweifel sein, daß auch heute noch, ja mehr als je, die Teilnahme an Fragestellungen dieser Art lebendig ist und daß die Klärung der Begriffe „Disposition“ und „Konstitution“ die Lebensarbeit hervorragender Forscher bildet. Der Dispositionsbegriff hat gewissermaßen zwei Quellen, aus denen ihm unverwüstliches Leben gespendet wird. Die eine Quelle ist eine gedankliche, ein logisches Postulat, gegründet auf die Tatsache, daß der Organismus nach dem Eindringen der Krankheitserreger die spezifischen krankhaften Produkte aus seinem Bestande schafft. In der Tat drängt sich hier die Vermutung unmittelbar auf, daß der lebendige, reaktionsfähige Organismus lebhaften Anteil nehmen wird an der Entstehung wie an der Überwindung der Krankheit. Die andere Quelle ist die Erfahrung; es sind die Ergebnisse der klinischen und anatomischen Beobachtung. Allerdings gehen die Ansichten über den Wert der einzelnen Beobachtungsergebnisse weit auseinander.

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Referenzen

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    Da diese Dinge in einem gewissen Zusammenhange mit unserem Thema stehen, sei kurz hierauf eingegangen. Kuhn legt den Hauptnachdruck auf die Beeinflussung der Lymph Strömung, da die Blut Strömung als solche für das Haften bzw. die Weiterverbreitung der Krankheitserreger nach seiner Ansicht nur eine untergeordnete Bedeutung hat. Ich halte im Gegensatz dazu, wie aus meinen oben gemachten Ausführungen hervorgeht, den Charakter der Blutströmung besonders für das Haften, aber auch für die Weiterverbreitung der Krankheits-erreger, für sehr bedeutungsvoll. — Wenn Kuhn ferner meint, daß in den erweiterten Capillaren sowohl in atelektatischen Gebieten als auch in solchen, die unter Saug Wirkung stehen, das Blut langsamer strömen muß, so bringt er dafür keinen Beweis. Verstopfte er einen Bronchus, so sah auch er Hyperämie eintreten (Münch. med. Wochenschr. 1907, Nr. 16). Sollte für diese die Saugwirkung der Atmungsmuskulatur tatsächlich die Hauptursache sein, was zweifelhaft ist, so kann man diese Hyperämie doch auf keinen Fall eine Stauungshyperämie nennen, wie Kuhn es tut. Wodurch sollte die Stauung zustande kommen? Es ist ja gar kein Stromhindernis da. Daß aber die Weite der Capillaren an sich keinen sicheren Maßstab für die in ihnen herrschende Stromgeschwindigkeit gibt, weder in dem einen noch in dem anderen Sinne, das glaube ich, oben genügend hervorgehoben zu haben. (Vgl. Kuhn, a. a. O., ferner Beitr. z. Klin. d. Tuberkul. 17, H. 3, ferner Therap. Monatshefte 1910, H. 8 u. 9 und „Die Lungensaugmaske in Theorie und Praxis“, Springer, Berlin 1911.)Google Scholar
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    Nur so ist auch der etwas anspruchsvolle Titel seines Buches „Das Tuberkuloseproblem“ (Springer, Berlin 1920) zu verstehen, worunter man sich zunächst bei der Fülle der Tuberkuloseprobleme, die es gibt, nichts Rechtes vorstellen kann.Google Scholar
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1920

Authors and Affiliations

  • J. Meinertz
    • 1
  1. 1.WormsDeutschland

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