Über erbliche Tuberkulosedisposition

  • W. Schultz

Zusammenfassung

In der bakteriologischen Ära in der Medizin war den Ärzten der konstitutionelle Gedanke nahezu völlig fremd geworden. Unter dem Einfluß der großartigen Laboratoriumserfolge war man zu sehr geneigt, die äußere Komponente in der Pathogenese, bei den Infektionskrankheiten also den Erreger, in ihrer Bedeutung für Entstehung und Verlauf der Krankheit zu überschätzen. „Alles kommt auf die Eigentümlichkeit des Virus und seine Wirkung hinaus. Tuberkulös wird jeder, in dessen Körper sich das tuberkulöse Virus etabliert“, sagte Cohnheim5) im Jahre 1880. Inzwischen haben sich die Anschauungen der Ärzte von Grund aus geändert. Der Fortschritt der exakten Naturwssenschaften konnte nicht ohne Einfluß auf das Denken in der Medizin bleiben. Das Gesetz von der Erhaltung der Energie (Robert Mayer) brachte die Lösung des Kausalproblems, welche auch für die Biologie und Medizin maßgebend wurde. Ursache und Wirkung sind danach proportional. Die Mikroorganismen sind nicht mehr die „Ursache“ der Infektionskrankheiten. Sie sind nur der äußere auslösende Faktor, der zusammen mit dem inneren Moment, der im Organismus bereitliegenden potentiellen Energie, der Disposition, die not-wendige und ausreichende Ursache bildet.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1920

Authors and Affiliations

  • W. Schultz
    • 1
  1. 1.Abteilungsarzt der HeilstätteDeutschland

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