Entwicklungsmechanik und Kausalitätsbegriff

  • Dietrich Barfurth

Zusammenfassung

Die von W. Roux begründete Entwicklungsmechanik, der ich mit vielen anderen Forschern seit ihrer Einführung in die Wissenschaft (1885) viel Interesse und Arbeit gewidmet habe, ist nicht ohne weiteres der „experimentellen Biologie“ oder „experimentellen Morphologie“ gleichzustellen. Auch die von G. Wolff und H. Driesch angewandte Bezeichnung „Entwicklungsphysiologie“ für diese Forschungsrichtung wird von Roux abgelehnt. Roux hat den Namen „Entwicklungsmechanik“ nach einer Besprechung mit dem Breslauer Physiologen Heidenhain gewählt und diese Forschungsrichtung erklärt als die Lehre von den Ursachen der organischen Gestaltungen, somit die Lehre von den Ursachen der Entstehung, Erhaltung und Rückbildung dieser Gestaltungen. Die Anwendung des Wortes „Entwicklungsmechanik“ zur Bezeichnung der ursächlichen Lehre dieses ganzen Gebietes geschieht nach dem Prinzip: a potiori fit denominatio, denn die Entwicklung der organischen Gestaltungen umfaßt die Hauptvorgänge und die Hauptprobleme des organischen gestaltenden Geschehens. Die Bezeichnung „Mechanik“ für diese Lehre ist statthaft, weil man seit Spinozas und Kants Definition des Mechanismus jedes der Kausalität unterstehende Geschehen als „mechanisches Geschehen“ bezeichnet.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. D. Barfurth, Entwicklungsmechanik. Arch. f. Entwicklungsmech. 30. 1910 (Festschrift zum 60. Geburtstage von W. Roux).Google Scholar
  2. H. Driesch, Analytische Theorie der organischen Entwicklung. Leipzig 1894.CrossRefGoogle Scholar
  3. H. Driesch, Die Lokalisation morphologischer Vorgänge, ein Beweis vitalistischen Geschehens. Arch. f. Entwicklungsmech. 8.Google Scholar
  4. H. Driesch, Die organischen Regulationen. Leipzig 1901.Google Scholar
  5. H. Driesch, Philosophie des Organischen. 2 Bde. Leipzig 1909.Google Scholar
  6. H. Driesch, Die Biologie als selbständige Grundwissenschaft und das System der Biologie. 2. Aufl. Leipzig 1911.CrossRefGoogle Scholar
  7. H. Driesch, Zur Lehre von der Induktion. Sitzungsber. Heidelb. Akad. d. Wiss. Philos.-hist. Kl. 1915, 11. Abt.Google Scholar
  8. H. Driesch, Der Begriff der organischen Form. Abhandl. z. theoret. Biologie, herausgeg. von J. Schaxel. H. 3. Berlin 1919.Google Scholar
  9. Bernhard Fischer, Grundprobleme der Geschwulstlehre. III. u. IV. Frankfurter Zeitschr. f. Pathol. 12, 375. 1913.Google Scholar
  10. Bernhard Fischer, Der Begriff der Krankheitsursache. Münch. med. Wochenschr. 1919. Sonderabzug S. 5.Google Scholar
  11. Bernhard Fischer, Zum Ursachenbegriff. Münch. med. Wochenschr. 1920, S. 74 u. 75.Google Scholar
  12. D. von Hansemann, Über das konditionale Denken in der Medizin und seine Bedeutung für die Praxis. Berlin 1912.Google Scholar
  13. F. Hueppe, Über die Ursachen der Gärungen und Infektionskrankheiten und deren Beziehungen zum Kausalproblem und zur Energetik. Vortrag a. d. Versamml. Deutscher Naturf. u. Ärzte in Nürnberg 1893.Google Scholar
  14. M. Löhlein, Ursachenbegriff und kausales Denken. Med. Klin. 1917.Google Scholar
  15. O. Lubarsch, Ursachenforschung, Ursachenbegriff und Bedingungslehre. Dtsch. med. Wochenschr. 1919.Google Scholar
  16. E. Mach, Die Geschichte und die Wurzel des Satzes von der Erhaltung der Arbeit. 2. Aufl. Leipzig 1909. Unveränderter Abdruck der 1. Aufl. 1872.Google Scholar
  17. E. Mach, Die ökonomische Natur der physikalischen Forschung. Populär-wiss. Vorlesungen. 1. Aufl. Leipzig 1896. 2. unveränderte Aufl. 1897.Google Scholar
  18. E. Mach, Analyse der Empfindungen. 2. Aufl. Jena 1900.Google Scholar
  19. E. Mach, Erkenntnis und Irrtum. 1. Aufl. Leipzig 1905.Google Scholar
  20. E. Mach, Die Mechanik in ihrer Entwicklung. 7. Aufl. Leipzig 1912.Google Scholar
  21. Fr. Martius, Krankheitsursachen und Krankheitsanlage. Verhandl. d. Gesellsch. deutscher Naturf. u. Ärzte. Düsseldorf 1898.Google Scholar
  22. Fr. Martius, Pathogenese innerer Krankheiten. Leipzig u. Wien 1899–1903.Google Scholar
  23. Fr. Martius, Krankheitsanlage und Vererbung. Leipzig u. Wien 1905.Google Scholar
  24. Fr. Martius, Konstitution und Vererbung in ihren Beziehungen zur Pathologie. Berlin 1914.CrossRefGoogle Scholar
  25. Fr. Martius, Das Kausalproblem in der Medizin. Beihefte z. „Med. Klin.“ 1914.Google Scholar
  26. Fr. Martius, Die Lehre von den Ursachen in der Konstitutionspathologie. Dtsch. med. Wochenschr. 1918.Google Scholar
  27. H. Ribbert, Über den Ursachenbegriff in der Medizin. Dtsch. med. Wochenschr. 1913.Google Scholar
  28. W. Roux, Einleitung zu den Beiträgen zur Entwicklungsmechanik des Embryo. Ges. Abh. II. 1885.Google Scholar
  29. W. Roux, „Einleitung“ zum Archiv für Entwicklungsmechanik der Organismen. Bd. I des Archivs 1894.Google Scholar
  30. W. Roux, Gesammelte Abhandlungen. 2 Bde. Leipzig 1895.Google Scholar
  31. W. Roux, Über den Anteil von „Auslösungen“ an der individuellen Entwicklung. Arch. f. Entwicklungsmech. 4. 1897.Google Scholar
  32. W. Roux, Die Entwicklungsmechanik, ein neuer Zweig der biologischen Wissenschaft. Heft 1 der Vorträge und Aufsätze über Entwicklungsmechanik der Organismen. Leipzig 1905.Google Scholar
  33. W. Roux, Terminologie der Entwicklungsmechanik usw. Leipzig 1912.Google Scholar
  34. W. Roux, Über kausale und konditioneile Weltanschauung und deren Stellung zur Entwicklungsmechanik. Leipzig 1913.Google Scholar
  35. W. Roux, Bemerkungen zur Analyse des Reizgeschehens und der funktionellen Anpassung sowie zum Anteil dieser Anpassung an der Entwicklung des Reiches der Lebewesen. Arch. f. Entwicklungsmech. 46. 1920.Google Scholar
  36. W. Roux, Prinzipielle Sonderung von Naturgesetz und Regel. 1920. (Im Erscheinen.)Google Scholar
  37. N. Ph. Tendeloo, Die Bestimmung von Ursache und Bedingungen: ihre Bedeutung besonders für die Biologie. Die Naturwissenschaften 1913.Google Scholar
  38. C Thöle, Das vitalistisch-teleologische Denken in der heutigen Medizin. Stuttgart 1909. (Da mir diese Schrift leider nicht zugänglich war, zitiere ich nach von Hausemann, S. 19.)Google Scholar
  39. M. Verworn, Kausale und konditionale Weltanschauung. Jena 1912.Google Scholar
  40. H. Voss, Die experimentelle Herstellung von parthenogenetischen Froschlarven durch Anstich des Eies mit einer Glasnadel. Diss. Rostock 1919.Google Scholar
  41. H. Winterstein, Die Narkose. J. Springer, Berlin 1919. S. 1–3.Google Scholar
  42. H. Winterstein, Kausalität und Vitalismus vom Standpunkte der Denkökonomie. Anat. Hefte 57. 1919. (Festschrift zum 70. Geburtstage von D. Barfurth.)Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1920

Authors and Affiliations

  • Dietrich Barfurth
    • 1
  1. 1.RostockDeutschland

Personalised recommendations