Der venöse Zustrom zum Herzen

  • Erich Schütz
Part of the Lehrbuch der Physiologie book series (LP)

Zusammenfassung

Beginnen wir mit den Zustandsänderungen, die in den herznahen Venen vor sich gehen. Wir stoßen dabei auf ein uraltes Problem der Herzphysiologie, nämlich auf die Frage, ob und wie das Herz imstande ist, beim Rückstrom des Blutes zum Herzen hin mitzuwirken. Kein geringerer als J. R. Mayer sprach ausdrücklich von einer „Herzaspiration in der Nähe des rechten Vorhofs“, nahm also jedenfalls eine im Herzen selbst befindliche, den Rückstrom begünstigende Kraft an. Letztlich geht diese Streitfrage bis in das 3. Jahrhundert vor Chr. zurück, in dem Erasistratus schon die Ansicht äußerte, daß das Herz das Blut in seine Höhlen saugt, indem es sich aktiv erweitere. Auf ihn geht also die Auffassung zurück, daß das Herz nicht nur als Druckpumpe, sondern gleichzeitig auch als Saugpumpe aufzufassen ist.

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Literatur

  1. 1.
    Es ist nicht uninteressant, der Geschichte dieser Frage etwas näher nachzugehen. Schon 1843 behauptete Ptrkinje, daß sich bei jeder Kontraktion die Basis der Herzkammer bis zu ihrer Spitze vorschöbe, wodurch das Blut in die Vorhöfe angesogen würde. Diese Feststellung fand offenbar damals Zustimmung, denn wir finden sie bereits im Lehrbuch der Physiologie des Berner Physiologen Valentin (1847). Bestätigungen dieser systolischen Aspiration lieferten Versuche von Weyrich (1851) und Neega (1853). 1872 gab dann Henke seine oben erwähnte ausführliche Beschreibung und ROLLET geht in Hermanns Handbuch der Physiologie 1880 ausführlich darauf ein. In jener Zeit, über deren Fortschritte das Hermannsche Handbuch berichtete, war die systolische Saugwirkung offenbar anerkannt und ging später vielfach verloren, obwohl sich der erwähnten Reihe von Autorennamen Keith (1908); Graf Spee (1909); Mackenzie (1909); Garten (1916) und Weber (1913) anschlossen. Eine indirekte Ableitung der systolischen Förderwirkung gab W. Straub (1928) in Anknüpfung an Modellversuche von Moritz (1928). Dieser hatte am Modell des menschlichen Herzens gezeigt, um welchen Betrag sich im Röntgenorthodiagramm die Herzgrenzen verschieben müssen, wenn sich die Ventrikel in allen Richtungen annähernd gleichmäßig zusammenziehen würden. Bei einem Schlagvolumen von 50–60 cm3 war mit dieser Voraussetzung eine systolische Verschiebung erforderlich, die an dem gut zu beobachtenden linken Rand 10 bis 16 mm hätte betragen müssen. Bei einem Schlagvolumen von 170 cm3 wäre sogar eine Verschiebung von 18–28 mm notwendig. In Wirklichkeit können aber derartige Ausschläge nie beobachtet werden. Daraus folgerte STRAUB: Die Verkürzung kann nicht in allen Richtungen gleichmäßig erfolgen, sondern wirkt hauptsächlich in der Längsrichtung, weil sie innerhalb des Herzschattens den gewöhnlichen Beobachtungsverfahren unzugänglich bleibt. Diese Verkürzung in der Längsrichtung begünstigt die Vorhoffüllung, weil „die Kammerbasis wie der Stempel einer Spritze aus den Vorhöfen herausgezogen“ wird. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang besonders ein älterer experimenteller Befund von Burton-Opitz (1910), nach dem beim Tier die stärkste Vermehrung des venösen Zustroms während der Systole erfolgt, erwähnenswert vor allem deshalb, weil es sich hier um eine direkte Messung der venösen Zustromänderung in der Herzperiode handelt, die allerdings mit der Hürthleschen Stromuhr, mit einer hierfür theoretisch noch unzulänglichen Methode, unternommen wurde. Burton-Opitz fand dabei, daß das Durchflußvolumen der Jugularis während der Systole sich zu dem der Diastole wie 1,89:0,17 verhält. Danach wäre also in der Tat so gut wie der gesamte venöse Zustrom, der den arteriellen Abstrom ergänzt, am Ende der Ventrikelsystole vollendet. Schließlich ist auch Hamilton (1930) auf Grund einer Analyse kardiopneumatischer Druckkurven zu einem solchen Ergebnis gekommen. Auch Volumregistrierungen mit Seifenlamellen wurden von Hamilton unternommen, allerdings keine Kurven wiedergegeben. Auch Hamilton diskutierte dabei die Möglichkeit einer Schlagvolumregistrierung und kommt zu dem Schluß, daß der Lufteinstrom während der Systole nur ein sehr geringer ist, da in Wirklichkeit noch während der Systole ein starker Zustrom zu den oberen Hohlvenen einsetzt, so daß der Volumverlust im Thorax noch während der Systole ausgeglichen wird.Google Scholar
  2. 1.
    Näheres in der kürzlich (1956) erschienenen Monographie von R. Altmann.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1958

Authors and Affiliations

  • Erich Schütz
    • 1
  1. 1.Physiologischen InstitutsUniversität MünsterMünster i. W.Deutschland

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