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Das Problem der Kausalität

  • Wolfgang Stegmüller

Zusammenfassung

Als der englische Philosoph B. Russell im ersten Weltkrieg wegen seiner pazifistischen Reden eingesperrt wurde, schrieb er seine Einleitung in die Philosophie der Mathematik. Darin beschäftigte er sich auch mit dem bestimmten Artikel „der“, „die“, „das“ bzw. „derjenige welcher“ und bemerkte dazu, daß die mit diesem Artikel zusammenhängenden Fragen ihn auch dann noch interessieren würden, wenn er aus dem letzten Loche pfiffe und nicht bloß so wie im Augenblick im Gefängnis säße. Heute weiß jeder, der sich etwas mit moderner Logik beschäftigt hat, daß die Theorie des bestimmten Artikels nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten in sich birgt.

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Literatur

  1. 1.
    Ausdrücklich klammern wir damit aus unseren Betrachtungen auch den an sich sehr wichtigen Fall der Erklärung von Gesetzen aus. Dieser Fall ist für uns deshalb ohne Relevanz, weil wir auf den Begriff der kausalen Erklärung hinsteuern und dieser Begriff nur auf Vorgänge oder Ereignisse anwendbar ist.Google Scholar
  2. 3.
    C. G. Hempel und P. Oppenheim: The Logic of Explanation. Philosophy of Science 15, 1948;, abgedruckt in H. Feigl und M. Brodbeck: Readings in the Philosophy of Science, New York 1953, S. 319–352.Google Scholar
  3. 4.
    Es sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die bisherigen Explikationsversuche sich auf den Fall beschränken, daß die Sprache der niederen Prädikatenlogik zur Formulierung des Explanans wie des Explanandums ausreicht.Google Scholar
  4. 5.
    Die meisten Anregungen für die folgenden Betrachtungen zum Begriff des Kausalgesetzes verdanke ich der Abhandlung von H. Feigl: Notes on Causality; erschienen in: H. Feigl und M. Brodbeck: Readings in the Philosophy of Science, New York 1953, S. 408–418.Google Scholar
  5. 6.
    Wenn wir von der Erklärung von Ereignissen sprechen, so ist dies selbstverständlich immer eine ungenaue Sprechweise; denn kein Ereignis kann in bezug auf alle seine Eigenschaften — zu denen auch sämtliche raumzeitlichen Relationen zu den übrigen Ereignissen des Universums gehören — erklärt werden, sondern nur in bezug auf bestimmte Merkmale, die je nach Sachlage als erklärungsbedürftig erscheinen.Google Scholar
  6. 7.
    In der Matrizenmechanik wird mit sogenannten Zustandsvektoren gearbeitet. Auch diese legen die faktischen Einzelzustände nur bis auf Wahrscheinlichkeiten fest.Google Scholar
  7. 8.
    Vgl. dazu A. Pap: Analytische Erkenntnistheorie, Wien 1955, S. 129.CrossRefGoogle Scholar
  8. 9.
    Es ist seltsamer Weise immer wieder die Auffassung zu hören, daß D. Hume auch in bezug auf die Frage der Kausalität einen skeptischen Standpunkt vertrete und „die Kausalität leugne“. Dies ist aber so wenig der Fall, als vielmehr Hume der erste Philosoph gewesen zu sein scheint, dem es klar wurde, daß man vor allem den Sinn der Redewendung „A ist die Ursache von B“ explizieren müsse, d. h., daß man sagen müsse, was man damit überhaupt meint. Humes Explikation kann so interpretiert werden, daß er die Phrase „A ist die Ursache von B“ übersetzt in die andere „ein Ereignis von der Art A ist regelmäßig verknüpft mit einem solchen von der Art B“ (und nicht etwa: „... ist notwendig verknüpft mit...“).Google Scholar
  9. 10.
    Die siebente Frage ist nicht etwa mit der vorangehenden gleichbedeutend. Denn es könnte ja der Fall sein, daß zwar alle Gesetze in der Welt Kausalgesetze sind, daneben aber Ereignisse existieren, die unter kein Gesetz subsumierbar und daher auch nicht erklärbar sind. In einer solchen Welt würde selbstverständlich das Kausalprinzip nicht gelten.Google Scholar
  10. 11.
    A.a.O., S. 138 f.Google Scholar
  11. 12.
    Nebenbei bemerkt ist übrigens der Glaube des Fischers in einem zu starken Satz formuliert worden. Damit es für den Fischer sinnvoll ist, stets weiter zu ziehen und in immer neuen Teichen nach Fischen zu suchen, braucht er nicht zu glauben, daß es in jedem der Teiche Fische gibt, sondern nur, daß er in der Folge der Teiche immer wieder auf solche stoßen wird, die Fische enthalten. Analog könnte man sagen, daß das allgemeine Kausalprinzip nicht einmal in einem pragmatischen Sinne eine Voraussetzung für das Suchen eines Wissenschaftlers nach Kausalgesetzen bildet. Der Wissenschaftler muß nur glauben, daß man in der Welt (oder in seinem speziellen Forschungsbereich) immer wieder auf Kausalgesetze stößt, aber nicht, daß alle Gesetze Kausalgesetze sind, und nicht einmal dies, daß alles in der Welt unter Gesetze subsumierbar ist.Google Scholar
  12. 13.
    Fact, Fiction and Forecast, Cambridge, Mass. 1955. Vgl. auch meine Diskussion dieses Buches in den Kant-Studien, Bd. 50, H. 3, 1958–59, S. 363–390.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1960

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Stegmüller
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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