Die Abhängigkeit des Angiogrammes der Hirngefäße von der Strahlen-Projektion

  • J. Gerlach
  • G. Viehweger

Zusammenfassung

Die Fortschritte, die auf dem Gebiete der cerebralen Angiographie in den letzten Jahren erzielt wurden, sind auf dem NeurochirurgenKongreß in Bad Ischl eindrucksvoll zutage getreten. Zu einem solchen Zeitpunkt der Entwicklung einer Methode erscheint eine Besinnung auf die Grundlagen angebracht. Für die Technik der Injektion, die Beschaffenheit des Kontrastmittels und die Physiologie und Pathophysiologie der intrakraniellen Zirkulation ist dies während des Kongresses auch geschehen. Eine wesentliche Grundlage des Verfahrens, die Abhängigkeit des Angiogrammes der Hirngefäße von der Strahlenprojektion blieb bisher jedoch unberücksichtigt. Selbstverständlich unterliegt dieses Angiogramm wie jedes Röntgenbild ihren Gesetzen. Man hat dies auch seit Einführung der Angiographie durch standardisierte Aufnahmeverfahren mit festgelegter Einstellung von Röntgenröhre, Schädel und Film berücksichtigt. Man hat ferner schon frühzeitig die stereoskopische Darstellung der Gefäße herangezogen. Abweichungen von den Standardeinstellungen kommen auf Grund unvermeidbarer kleiner Mängel aber mehr oder weniger häufig auch jetzt noch vor und werden zur Darstellung von Besonderheiten nicht selten willkürlich vorgenommen. Jeder, der Angiogramme beurteilt, hat gelegentlich die Auswirkungen einer nicht vorgesehenen Projektion zu berücksichtigen, etwa bei einer Seitendrehung des Schädels auf einer Sagittalaufnahme, die eine Seitenverlagerung der A. cerebri anterior vortäuschen oder verbergen kann. Bei der fortschreitenden Differenzierung in der Beurteilung der Gefäßbilder und ihrer Einzelheiten spielen auch kleine Unterschiede der Strahlenprojektion für die Beurteilung eine Rolle und man macht von atypischen Projektionen häufiger Gebrauch. Wir haben im Schrifttum nur spärliche Mitteilungen über die Projektionsabhängigkeit des Angiogrammes der Hirngefäße und keine umfassende systematische Untersuchung darüber gefunden. Das Studium der Projektionseffekte ist dadurch erschwert, daß das Angiogramm beim Lebenden innerhalb weniger Sekunden angefertigt werden muß und daß man im Einzelfalle dabei die Einstellung des Schädels und die Strahlenprojektion nicht ändert. Besser geeignet zu einem solchen Studium ist daher ein Leichenmaterial bei postmortaler Gefäßfüllung. Außerdem kann man die Einwirkung der Projektion auf das Angiogramm an einem Modell studieren. Wir haben diesen Weg gewählt und haben auf Grund einer größeren Reihe von Angiogrammen und auf Grund der anatomischen Verhältnisse ein Modell der Carotis interna mit ihren größeren intrakraniellen Ästen aus Blei hergestellt und entsprechend den natürlichen Verhältnissen in eine Schädelbasis eingepaßt. Gegenüber der Leiche bietet dieses Modell den Vorzug, daß man es mit dem Schädel in jeder Richtung leicht frei bewegen kann und daß man auch Projektionen untersuchen kann, die am Menschen ohne Abtrennung des Kopfes schlecht erreicht werden können.
Abb. 1.

Modell des Gefäßbaumes in der Schädelbasis. Marke = Zentralstrahl. Übliche Bitemporalaufnahme.

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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1955

Authors and Affiliations

  • J. Gerlach
    • 1
  • G. Viehweger
    • 1
  1. 1.Neurochirurgischen Abteilung der RöntgenabteilungChirurgischen UniversitätsklinikWürzburgDeutschland

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