Wesen und Wirkung selektiver Prozesse

  • Hans von Hentig

Zusammenfassung

Einer der ältesten griechischen Philosophen, Anaximander, stellt das Vergehen der Dinge dem Entstehen ebenso zur Seite wie der Untat die Strafe. Nach einer anderen wohlbekannten Vorstellung ist der Tod durch die Sünde in die Welt gekommen; ganz sind wir noch nicht der einst herrschenden Anschauung entfremdet, Krankheit des Körpers und des Geistes sei die Folge von Unsittlichkeit.

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Referenzen

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    Hier sei erwähnt, daß es in Deutschland bis ins 17. Jahrhundert hinein wilde Pferde gab. Nach Ecker und Hehn mußte die Stadt Kaiserslautern noch im Jahre 1616 drei Wildpferdschützen anstellen, um die Felder vor Schaden zu bewahren. Hilzheimer, Die Haustiere in Abstammung und Entwicklung. Stuttgart 1909, 49.Google Scholar
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    Dieser Abscheu ist offenbar mehr theoretisch, denn Genuß von Pferdefleisch findet in Deutschland in weitem Umfang statt; in Bayern wurden z. B. Pferde geschlachtet:Google Scholar
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    Zwei psychologisch nicht wertlose Vermutungen sind über diesen Vorgang aufgestellt worden. Espinas sieht in der Aufnahme junger Tiere durch junge Frauen „ein Spiel mütterlicher Instinkte”. Hahn meint, das Bedürfnis, einen Gefährten zu haben, an dem man alle Launen der Zärtlichkeit und Grausamkeit auslassen kann, sei ein allgemeiner Zug der Menschheit.Google Scholar
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    Für meine Gleichstellung von Mensch, Tier und Pflanze als Objekte einer planmäßigen Züchtung brauche ich dem naturwissenschaftlich Gebildeten keine nähere Erklärung zu geben. Ich möchte aber daneben darauf hinweisen, daß die Sprache schon längst zu dieser Aneinanderreihung gelangt ist. In Kreisen der Tierzüchter ist die Bezeichnung eines bösartigen Tieres als „Verbrecher“ allgemein verbreitet, und wenn man die Hexenprozesse des 16. und 17. Jahrhunderts in den Chroniken durchliest, trifft man bisweilen auf die Bemerkung, daß die oder jene Frau einen schlechten Leumund besessen habe, ein „alt Unkraut“ gewesen sei.Google Scholar
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    Die Lehre Zoroasters hat religiöse Anschauungen sogar in das Verhältnis des Menschen zur Tierwelt hineinzutragen versucht. Die gesamte Fauna zerfällt in Tiere des Ormuzd oder des Ahriman, der Verkörperungen des guten oder des schlechten Prinzips. Die Parsen ließen diese Einteilung mit nützlichen oder schädlichen Tieren zusammenfallen.Google Scholar
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    Im Jahre 1644 wurden in Connecticut die Gesetze Gottes, wie sie Moses verkündet hatte, als Richtlinien für alle Gerichtshöfe erklärt. Die gleiche Geistesrichtung hat die kurz darauf erlassenen bekannten „Blue Laws“ diktiert.Google Scholar
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    Neuere Untersuchungen, die ich über die Kriminalität der Verwitweten und Geschiedenen angestellt habe, scheinen einwandfrei zu ergeben daß solche eexualselektive Vorgänge von nicht geringer Stärke wirklich statthabeu und die hohe Kriminalität dieser Personenklasse im wesentlichen darauf beruht, daß die minderwertigen Verwitweten und Geschiedenen nur schwer wieder heiraten.Google Scholar
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    Begünstiger sind neben dem Begünstigten aus § 823 B.G.B. haftbar, soweit aus der Begünstigung ein Schaden erwächst. Ob Begünstigung straflos ist (StGB § 257, 2), ist zivilrechtlich unerheblich. Dernburg, Lehrbuch des bürgerlichen Reohts. Halle 1899ff., II, 2, 710.Google Scholar
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    Im Jahre 1912 fanden in Bayern 2269 Eheschließungen von Personen unter 40 Jahren statt, bei denen der Mann 5 Jahre und darüber jünger war als die Frau (1911: 2303). Ztschr. d. Königl. Bayr. Statist. Landesamts. Bd. 45 (1913) 599.Google Scholar
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1914

Authors and Affiliations

  • Hans von Hentig

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