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Die Stellung der BCG-Impfung im Rahmen der modernen Tuberkuloseprophylaxe

  • E. Haefliger

Zusammenfassung

Der auffällige Rückgang der Tuberkulose und die daraus folgende offensichtliche Abwertung in Fach- und Laienkreisen erfordern dringender denn je Standortsbezug. Wem soll nun die Kompetenz zustehen, die derzeitige Situation zu werten — denn eine schlüssige Einschätzung ist schließlich Basis und Ausgang der Tuberkulosebekämpfung — und wer soll über den Einsatz vielfältiger Methoden entscheiden ? Ist hierzu in erster Linie der Pädiater kompetent, der von Beginn an eine gezielte Infektionsprophylaxe forderte und nun einerseits die zunehmende Befreiung der Jugend von Tuberkulose mit besonderer Genugtuung feststellen kann, andererseits aber — wenn auch spärlicher — die der meist anonymen Infektionsquelle verhafteten alten Tragödien immer noch sieht ? Oder soll der Tuberkulosearzt entscheiden, der in seiner Klinik über die wirksamen Tuber kulosemedikamente verfügt, aber auch deren Grenzen und das Resistenzproblem kennt und aus eigener Anschauung weiß, daß man nach wie vor an dieser Krankheit stirbt ? Nach Frappier tötet die Tuberkulose auch heute noch mehr Menschen als alle andern Infektionskrankheiten zusammen. Oder ist hierfür der Tuberkulosefürsorgearzt befugt, da er am ehesten den Überblick über das Heer der in irgend einer Form „Durchseuchten“ hat und weiß, aus welchem Reservoir die Tuberkulose fortlaufend gespeist wird ? Oder soll schließlich der Epidemiologe beschließen, der die Seuche aus ihren säkularen Wellen der Vergangenheit und den drei Gesichtern der Gegenwart: Morbidität, Mortalität und Durchseuchung, verläßlich kennt ? Nein und nochmals nein; denn das Primat der Entscheidung kann nicht Einzelnen von der Beschränkung her zugestanden werden, sondern liegt bei einer wohlabgewogenen Synthese aller Meinungen und Interessen, in der Tatsachen, Wertungen und Akzente verschiedener Herkunft mit berücksichtigt sind. So zählen auch in dieser Frage gründliche Meinungsforschung und umfassende Meinungsbildung als Voraussetzung einer sachgemäßen Problembewertung und -gestaltung umso mehr. Daß jeweils in der Konfrontation von Gegenwärtigem und Zukünftigem Erreichtes und Ziel je nach Standort konservativer oder fortschrittsgläubiger gewertet werden, gilt schließlich auch in den Gemarkungen der Medizin.

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Literatur

  1. Haefliger, E.: Bedeutung und Stand der BCG-Schutzimpfung gegen die Tuberkulose. Berlin-Heidelberg-New York: Springer 1966.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1967

Authors and Affiliations

  • E. Haefliger
    • 1
  1. 1.Zürcherische HeilstätteZürichSchweiz

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