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Ergebnisse und Folgerungen

  • Ernst Topitsch

Zusammenfassung

Wir haben gesehen, wie sich eine Weltauffassung entfaltete und langsam wieder auflöste, die das gesamte Universum in den Lebenskreis des Menschen einbezieht, indem sie das Fremde und Unbekannte nach der Analogie dessen erklärt, was dem Menschen aus der unmittelbaren Erfahrung bekannt ist, und dies ist zugleich meist das Lebenswichtige und emotional Wirksame. Die Sachverhalte, welche auf diese Weise als erklärende Modellvorstellungen verwendet werden, sind sehr verschieden und wechseln mit der Umgebung und Kulturstufe, doch lassen sich einige Klassen derartiger Analogien hervorheben, die eine besondere geistesgeschichtliche Rolle gespielt haben. Sie gruppieren sich um das Erlebnis des Vermögens und Wirkens, das der Mensch in sich vorfindet und mit Recht oder Unrecht den ihn umgebenden Wesen unterlegt. Diese Wirksamkeit erscheint manchmal mehr als eine unbestimmte „Macht“, manchmal speziell als Lebens- und Zeugungskraft, oft aber auch als absichtsgeleitetes, planmäßiges Wollen und Vollbringen, als intentionales Verhalten. Ein solches Verhalten ist als künstlerisch-handwerkliches Verfertigen und als Zusammenwirken mit den Mitmenschen für den Prozeß der sozialen Produktion und Reproduktion des Lebens von besonderer Wichtigkeit. Darum werden Werktätigkeit und Sozialordnung als intentionale Leitbilder bevorzugt; nach ihrer Analogie hat man immer wieder einzelne Erscheinungen ebenso wie das Weltganze zu verstehen gesucht. Die Grenzen sind hier — wie meist im Mythos — fließend. Beispielsweise können Sozialverbände, die auf Verwandtschaftsbeziehungen beruhen, zugleich als intentionale und als biomorphe Modelle fungieren.

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Literatur

  1. 1.
    Es ist allerdings möglich, daß manche auf Grund derartiger Annahmen gemachte Vorhersagen durch ihre Wirkung auf das menschliche Motivationsbewußtsein und Handeln ihr eigenes Eintreffen herbeiführen (oder aber verhindern), wie dies oben (S. 91) von astrologischen Prophezeiungen gezeigt wurde. Über die allgemeine Problematik der self-fulfilling bzw. self-destroying predictions vgl. R. K. MERTON: Social Theory and Social Structure, 2. Aufl., Glencoe/III. 1951, S. 179ff. — A. GEwIR,TH: Can Men Change Laws of Social Science?, “Philosophy of Science” XXI (1954), S. 229ff.Google Scholar
  2. 2.
    Zum Begriff und der Bedeutung der Falsifizierbarkeit vgl. K. POPPER: Logik der Forschung. Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft, Wien 1935.Google Scholar
  3. 1.
    Es ist bezeichnend, daß eines der eindruckvollsten Beispiele betrachtenden Lobpreises des Kosmos bzw. seines göttlichen Beherrschers genau in der Mitte des dritten Buches und damit der ganzen „Consolatio“ des BOËTHIUS steht.Google Scholar
  4. 1.
    Beispielsweise haben die Byzantiner in den kosmischen Insignien der Sassaniden eine dem Geiste Luzifers entstammende Profanation der Herrschaftsattribute erblickt, die rechtmäßig allein dem Kaiser zu Konstantinopel als dem Ebenbild des christlichen Pantokrators zustehen (H. P. L’ORANGE: Studies, S. 114ff.). Daß es sich um ein gemeinsames hellenistisch-orientalisches Erbe handelt und daß die betreffenden Herrschaftszeichen ihrem Wesen nach jedem zur Verfügung stehen, der sich ihrer bedienen will, hat man damals allerdings ebensowenig erfaßt wie heute den prinzipiell gleichen Charakter der naturrechtlichen Denkformen.Google Scholar
  5. 1.
    Vgl. PH. FRANK: Wahrheit, S. 76ff.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1958

Authors and Affiliations

  • Ernst Topitsch
    • 1
  1. 1.Universität WienWienÖsterreich

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