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Der Kosmos der Philosophie

  • Ernst Topitsch

Zusammenfassung

Ob und in welchem Maße das sogenannte philosophische Denken — wenigstens in seiner westlichen Ausprägung — direkt unter dem Einfluß mythischer Vorformen steht, soll vorläufig dahingestellt bleiben. Es hat sich aber bereits gezeigt und wird sich noch mehrfach zeigen, daß die Philosophie die mythische Deutung der Welt nicht beseitigt hat, sondern in sie eingebettet geblieben und von ihr immer wieder angeregt worden ist. Die Ähnlichkeit der Grundmotive ist oft so groß, daß es schwierig ist, eine scharfe Grenze zu ziehen und konkrete geistesgeschichtliche Erscheinungen der einen oder der anderen Sphäre zuzurechnen. In manchen Stadien der Entwicklung hebt sich der „Logos“ verhältnismäßig deutlich vom „Mythos“ ab, um in anderen Abschnitten von diesem weitgehend absorbiert zu werden.

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Literatur

  1. 1.
    Man kann es als Anzeichen vorderasiatischer Einflüsse auffassen, daß das „Weltprinzip“ vieler Vorsokratiker den Kosmos in durchaus monarchisch-autokratischer Weise regiert.Google Scholar
  2. 2.
    Diese Tendenz zeigen u. a. J. Burnet: Early Greek Philosophy, London 1892Google Scholar
  3. TH. Gomperz: Griechische Denker, Leipzig 1896Google Scholar
  4. P. Tannery: Pour l’histoire de la science hellène. De Thalès à Empédocle, Paris 1887Google Scholar
  5. Neuerdings noch W. Nestle: Vom Mythos zum Logos, Stuttgart 1940.Google Scholar
  6. K. Joël: Der Ursprung der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik, Jena 1906Google Scholar
  7. F. M. Cornford: Was the Ionian philosophy scientific “Journal of Iiellenic Studies” LXII (1942), S. 1ff.Google Scholar
  8. W. Jaeger: Paideia I, 2. Aufl., Berlin 1936, S. 208 betont, daß „eine ungebrochene Kraft mythenbildender Anschauung… weit über die Grenze hinaus, bei der wir gewohnt sind, das Reich der,wissenschaftlichen’ Philosophie zu beginnen, in den Lehren der,Physiker’ wirksam bleibt,… ohne die wir die staunenswerte weltanschauliche Produktivität dieser ältesten Wissenschaftsperiode gar nicht begreifen können.“Google Scholar
  9. 2.
    Gigon: Der Ursprung der griechischen Philosophie, Basel 1945, S. 118.Google Scholar
  10. 3.
    H. Gomperz: Problems and Methods of Early Greek Science. “Journal of the History of Ideas” IV (1943), neu abgedr. in der Aufsatzsammlung: “Philosophical Studies”, Boston 1953, S. 72ff. Gomperz führt dort (Phil. Studies, S. 76) aus: “To explain a phenomenon means to show that… itGoogle Scholar
  11. Übers. n. W. Capelle: Die Vorsokratiker, Stuttgart 1938, S. 27 (Kröners TA. 119).Google Scholar
  12. 1.
    O. Gngox: Ursprung, S. 29 hält es für möglich, daß hier die Vorstellung der Welthöhle oder das Bild der menschlichen Mundhöhle im Hintergrund stehen könnte. Eine andere biomorphe Deutung bei A. Olerud: L’idée de macrocosmos et de microcosmos dans le Timée de Platon, Uppsala 1951, S. 192.Google Scholar
  13. I TH. Gomierz: Griechische Denker, Bd. I, 3. Aufl., Leipzig 1911, S. 46.Google Scholar
  14. 2.
    K. Jai,: Geschichte der antiken Philosophie, Tübingen 1921, S. 257fGoogle Scholar
  15. V. Ehrenberg: Die Rechtsidee im frühen Griechentum, Leipzig 1921, S. 89ff.Google Scholar
  16. 3.
    W. Jaeger: Paideia I, S. 218f. — Vgl. P.-M. Scxuhl: Essai sur la formation de la pensée grecque, 2. ed., Paris 1949, S. 192.Google Scholar
  17. 6.
    K. Jo2L: Geschichte, S. 259. — H. Kelsen: Vergeltung, S. 237f. 6 O. Gigon: Ursprung, S. 86ff., 90ff.Google Scholar
  18. 1.
    H. Dusts-W. Kranz: Vorsokratiker, 16. — W. Capelle Vorsokratiker, S. 102.Google Scholar
  19. 2.
    H. Gomperz: Problems, S. 77: “.. it is assumed to be a fact that the shape of the earth is that of a drum three times as broad as it is high and that the distances of the stars, of the moon and of the sun from the center of the earth are in the ratio of 1: 2: 3 — not because any measurements have been made to this effect but because it is fitting that such should be the case.”Google Scholar
  20. 2.
    Der Gedanke, daß das göttliche Wesen über alle Erkennbarkeit und sprachlich-begriffliche Faßbarkeit „erhaben“ sein müsse, findet sich bereits in der ägyptischen Theologie. In einem Amon-Hymnus der XIX. Dynastie heißt es von dem Gott: „He is too mysterious that his majesty be disclosed, he is too great that (men) should ask about him, too powerful that he might be known” (zit. n. J. B. Pritchard: Ancient Near Eastern Texts relating to the Old Testament, Princeton 1950, S. 368 ).Google Scholar
  21. 3.
    W. Jaeger: Die Theologie der frühen griechischen Denker, Stuttgart 1953, S. 42.Google Scholar
  22. 1.
    E. Borsacq: Dictionnaire étymologique de la langue grecque, Heidelberg-Paris 1923, S. 500.Google Scholar
  23. s W. Kranz: Kosmos als philosophischer Begriff in frühgriechischer Zeit, „Philologus“ 93 (1938), S. 430f. — ders.: Kosmos, S. 8f.Google Scholar
  24. 3.
    E. Rohde: Kleine Schriften, Tübingen 1901, Bd. I, S. 226; Bd. II, S. 332.Google Scholar
  25. 4.
    P.-M. Schuhl: Essai, S. 193.Google Scholar
  26. 2.
    Zur Konstituierung des Gottesbegriffes auf Grund vorausgesetzter Wertpostulate vgl. K. Deichgräber: Xenophanes rcepi cpaivccag, „Rheinisches Museum“ 87 (1938), S. 29: „Das Göttliche, fordert Xenophanes, muß als göttliches gedacht werden, denn sein Wesen entspricht seiner Würde, es ist das, was ihm geziemt. Die Prädikate, die der Gott erhält, ergeben sich mit der im rcpércov gelegenen Notwendigkeit. Das Göttliche erkennen heißt es so sehen, wie es notwendig sein muß.”Google Scholar
  27. 1.
    O. Gimox: Ursprung, S. 186: „Das voeìv ist hier wie im allgemeinen archaischen Sprachgebrauch gerade nicht das theoretische Erkennen, sondern das praktische Überlegen, mit dem bei der Gottheit allerdings das Ausführen schon zusammenfällt. Das Überlegen allein genügt der Gottheit zum Vollbringen.“Google Scholar
  28. 3.
    Vgl. J. Piaget: Représentation, S. 220. Siehe oben S. 19, Anm. 4Google Scholar
  29. 4.
    z. B. De rer. nat. I 165, 629, 1031–1037; V 187–194, 419–431.Google Scholar
  30. O. Brunner: Die alteuropäische Ökonomik, „Zeitschrift f. Nationalökonomie“ XIII (1951/52), S. 114ff., bes. S. 124ff.Google Scholar
  31. 3.
    H. Gomperz: Problems, S. 77: “Generally speaking, the world is divine, just and beautiful; but in the concrete it is all a matter of tossing waves, clouds torn asunder, clods hitting the ground, vapors catching fire.”Google Scholar
  32. 4.
    R. Eisler, Weltenmantel, S. 608. — Vgl. den Mythos vom Weltschmied Ilmarinen (oben, S. 23).Google Scholar
  33. 1.
    J. Piaget: Représentation, S. 259ff., 308ff., bes. S. 315f.Google Scholar
  34. 2.
    W. Kranz: Gleichnis und Vergleich in der frühgriechischen Philosophie, „Hermes“ 73 (1938), S. 102.Google Scholar
  35. 1.
    W. Kranz, a. a. O., S. 107. — Vgl. K. Jok: Geschichte, S. 534.Google Scholar
  36. 2.
    W. Jaeger: Theologie, S. 187.Google Scholar
  37. 1.
    Diese Vorstellung findet sich vor allem bei Empedokles (B 62, 6; auch B 90, B 91). Über andere Reste soziomorpher Weltdeutung bei den Atomisten H. Kelsen: Vergeltung, S. 251ff.Google Scholar
  38. 2.
    P. Gassendi: Syntagma philosophicum, IIa pars, 1. VI, c. XIV, zit. n. P. Durn M: Ziel und Struktur der physikalischen Theorien, übers. v. F. ADLER, Leipzig 1908, S. 113.Google Scholar
  39. 1.
    Das Erhabensein über die Bedürftigkeit ist eines der wesentlichsten „negativen“ Prädikate des Göttlichen; vgl. E. Norden: Agnostos Theos, S. 13f. Später wird dieser Gesichtspunkt von PLOTIN als entscheidendes Argument in den Erörterungen über das Wesen des „Einen” gebraucht.Google Scholar
  40. 2.
    W. Jaeger: Theologie, S. 107ff. hat in einer feinsinnigen Analyse unter Kritik gegenteiliger Auffassungen die religiösen Motive der Philosophie des Parmenides klargelegt. Er hebt mit Recht hervor, daß das Grunderlebnis der Hinwendung zur verborgenen Wahrheit sein „Urbild in der Frömmigkeit der Weihen und Mysterien“ hat, daß die Sprache des Philosophen manchmal an die religiöser Erweckungsreden anklingt und daß die „philosophische Schule” in ihrem Ursprung eine säkularisierte Form religiöser Konventikel ist (S. 114). Wenn er im Hinblick auf das Fehlen eines persönlichen Gottes die „Ontologie“ des Parmenides zwar nicht direkt als Theologie bezeichnet, so spricht er doch von einem „Mysterium des Seins” (S. 125). Schließlich bemerkt er mit Recht, daß „alle Eigenschaften (des Seienden) durch die Negation von Eigenschaften der sinnlichen Welt gewonnen sind“ (S. 124).Google Scholar
  41. 3.
    P.-M. Sgauxl: Essai, S. 285: “Parmenide emprunte la forme de son poème aux révélations mystiques.” — Zum Motiv der Himmelfahrt im Streitwagen vgl. H. P. L’orange: Studies, S. 101, 112, 119, 122, 126ff. u. a.Google Scholar
  42. 2.
    Im Grunde hatte die Logoslehre Heraklits eine ähnliche Funktion, vgl. unten, S. 119.Google Scholar
  43. 3.
    Versuch einer Rekonstruktion bei O. Gigon: Ursprung, S. 271ff.Google Scholar
  44. 4.
    W. Jaeger: Paideia I, S. 232. — Den Vorgang von Projektion und Reflexion sozialer Modellvorstellungen beobachtet auch A. Vermross-Drossberg: Grundlinien der antiken Rechts-und Staatsphilosophie, Wien 1946, S. 25.Google Scholar
  45. 1.
    Eine gute Übersicht über die Entwicklung dieses Problems gibt H. Welzel: Naturrecht und materiale Gerechtigkeit, Göttingen 1951.Google Scholar
  46. 3.
    Dies wird besonders deutlich in der Darstellung von H. Gomperz: Das Problem der Willensfreiheit, Jena 1907.Google Scholar
  47. 1.
    H. Frankfort: Intellectual Adventure, S. 215.Google Scholar
  48. 3.
    A. Lesxy: Die griechische Tragödie, Stuttgart 1938, S. 91, 103f.Google Scholar
  49. O. Dittrich: Geschichte der Ethik, I. Bd., Leipzig 1926, S. 88.Google Scholar
  50. H. Keesen: Die platonische Gerechtigkeit, „Kant-Studien“ XXXVIII (1933), S. 93.Google Scholar
  51. 1.
    H. Leisegawg: Denkformen, 2. Aufl., Berlin 1951, S. 450. — Über die Zusammenhänge zwischen Idealismus und Arbeitsplanung vgl. auch O. BAUER: Das Weltbild des Kapitalismus, in: „Der lebendige Marxismus“, Festgabe zum 70. Geburtstag v. K. Kautsky, Jena 1924, bes. S. 410ff.Google Scholar
  52. 1.
    W. Theiler: Zur Geschichte der teleologischen Naturbetrachtung bis auf Aristoteles, Zürich 1925, S. 69.Google Scholar
  53. E. Pfleiderer: Zur Lösung der Platonischen Frage, Freiburg 1888, S. 24. — ders.: Sokrates und Plato, Tübingen 1896, S. 233: „Von letzterer (der Dreiteilung der Seele) haben wir uns überzeugt, daß sie nicht eigentlich auf psychologischem Boden selbst gewachsen ist, sondern ihre Aufstellung wesentlich einem politischen Analogieschluß verdankt“; vgl. auch S. 216, Anm. 1.Google Scholar
  54. 2.
    M. Pohlenz: Aus Platos Werdezeit, Berlin 1913, S. 229.Google Scholar
  55. 3.
    F. M. Cornford: Psychology and Social Structure in the Republic of Plato, “Classical Quarterly” VI (1912), S. 246ff.Google Scholar
  56. Vgl. auch E. Hoff-Mann: Die griechische Philosophie bis Platon, Heidelberg 1951, S. 165f.Google Scholar
  57. Vgl. A.-J. Festugier.E: Révélation, tom. IV, 2. ed., Paris 1954, S. 79 ff.Google Scholar
  58. 1.
    Epid. VI 5, 1, vgl. W. Nestle: Mythos, S. 215fGoogle Scholar
  59. W. Jaeger: Diokles v. Karystos, Berlin 1938, S. 51ff.Google Scholar
  60. W. Theiler: Zur Geschichte der teleologischen Naturbetrachtung bis auf Aristoteles, Zürich 1925.Google Scholar
  61. H. Meyer: Natur und Kunst bei Aristoteles, Paderborn 1919.Google Scholar
  62. L. Brunschvicg: L’expérience humaine et la causalité physique, Paris 1922, S. 115ff., 139fGoogle Scholar
  63. Vgl. auch G. v. Hertling: Materie und Form und die Definition der Seele bei Aristoteles, Bonn 1871, S. 95.Google Scholar
  64. 1.
    W. Jaeger: Aristoteles, 2. Aufl., Berlin 1955, S. 410/411.Google Scholar
  65. 2.
    H. Meyer: Abendländische Weltanschauung, I. Bd., 2. Aufl., Paderborn 1953, 5. 215.Google Scholar
  66. 3.
    H. Meyer: Natur und Kunst, S. 67. — Zum Fortwirken dieser Vorstellungen bei Thomas vgl. A. Mitterer: Die Zeugung der Organismen, insbesondere des Menschen, nach dem Weltbild des hl. Thomas v. Aquin und dem der Gegenwart, Wien 1947, S. 27f., 155f.Google Scholar
  67. 3.
    H. Meyer: Natur und Kunst, S. 101ff. — Zur Auffassung des Universums als Oikos bei den Mesopotamiern vgl. oben, S. 41, bei Thomas unten, S. 198.Google Scholar
  68. 1.
    E. Arleth: Die metaphysischen Grundlagen der aristotelischen Ethik, Prag 1903, S. 55ff., bes. S. 57.Google Scholar
  69. i H. Meyer: Natur und Kunst, S. 83f.Google Scholar
  70. 2.
    H. Kurfess: Zur Geschichte der Erklärung der aristotelischen Lehre vom sogenannten voi; nooIrnxóç und rccc9nnx6s Diss. Tübingen 1911, S. 13f., 17: „Er (Alexander von Aphrodisias bei der Erklärung der betreffenden Stellen des Aristoteles) führt uns im Geist in die Werkstätte der Natur und in das Atelier des Künstlers: bei allem, was im Gebiet des Kosmischen wird und Ist, unterscheiden wir zwei Elemente: das eine repräsentiert den „Stoff“, das andere das „Wirkende”; der Künstler bewirkt, daß die Form am Stoff auftritt; es scheint daher eine Forderung der Konsequenz zu sein, auch im Nus diese zwei Elemente anzunehmen.“ Vgl. auch S. 21.Google Scholar
  71. H. Meyer: Abendländ. Weltanschauung, S. 255.Google Scholar
  72. 2.
    L. Brunschvicg: Expérience, S. 137ff.; vgl. Met. VIII, 1045a 33f. — Man beachte, daß auch das logische Subjekt als vnoxefizevov bezeichnet wird.Google Scholar
  73. 1.
    Frgm. 16 Rose. — Wenn auch die Formulierung nicht direkt von Aristoteles stammen sollte, so enthält sie doch das Prinzip der aristotelischen — und nicht nur der aristotelischen — Gotteslehre. Zur Rolle der Vollkommenheitspostulate in der Theologie des Aristoteles vgl. auch W. Jaeger: Aristoteles, S. 370f. und (besonders aufschlußreich) J. Hessen: Platonismus und Prophetismus, München 1939, S. 40ff.Google Scholar
  74. 2.
    K. Elser: Die Lehre des Aristoteles über das Wirken Gottes, Münster 1893, S. 12ff.Google Scholar
  75. 2.
    K. Elser, a. a. 0., S. 76f. — Das Fehlen einer Willenstätigkeit Gottes bei Aristoteles betont auch A. Boehm: Die Gottesidee bei Aristoteles auf ihren religiösen Charakter untersucht, Köln 1915, S. 101ff.Google Scholar
  76. 2.
    W. Eckstein: Das antike Naturrecht in sozialphilosophischer Beleuchtung, Wien 1926, S. 90: „Als,natürlich’, als dem Gattungsbegriff entsprechend, erscheint ihm (Aristoteles) nämlich das, was nach seiner Ansicht sein soll, was den sittlichen oder sonstigen Forderungen entspricht. Das zeigt sich etwa deutlich, wo Aristoteles von einer vollendeten Natur spricht oder wenn er geradezu erklärt, das Natürliche müsse man bei dem im guten Zustand Befindlichen suchen (Pol. I, 5. 1254a 35). Aus dieser Definition erhellt aber, wie ich glaube, daß die Ableitung des Sittlichen aus dem Natürlichen in der aristotelischen Ethik eigentlich nur eine scheinbare ist. Denn wenn er selbst zugibt, das Natürliche nur bei den in unverdorbenem Zustand befindlichen Menschen zu finden, so zeigt er damit deutlich, daß er das Kriterium für die Unverdorbenheit dieses Zustandes — ebenso wie die Bestimmung des cppóvctLog und des arcou and cdog, die ihrerseits das Maß für das Sittliche abgeben sollen — nicht aus der Natur, sondern anderswo hernimmt Die Quelle aber für diesen Maßstab sind, wie gerade diese Stelle der Politik und viele andere der Ethik zeigen, die geltenden moralischen Anschauungen… So erscheinen bei Aristoteles die Bestimmungen und Wertungen der positiven Moral schließlich als das letzte Kriterium des Natürlichen und Normalen.“Google Scholar
  77. Vgl. H. Gomperz: Die Lebensauffassung der griechischen Philosophen, Leipzig 1904, S. 234. Zur Alternative, entweder alles Wirkliche als natürlich zu betrachten oder einen Naturbegriff auf Grund eines schon vorausgesetzten Normbegriffes zu konstituieren vgl. M. Reding: Metaphysik der sittlichen Werte, Düsseldorf 1949, S. 96.Google Scholar
  78. 4.
    E. Arleth: Grundlagen, S. 58f. — A. Ross: Kritik der sogenannten praktischen Erkenntnis, Leipzig-Kopenhagen 1933, S. 213ff.Google Scholar
  79. 2.
    R. Eucken: Die Lebensanschauungen der großen Denker, 20. Aufl., Berlin 1950, S. 43.CrossRefGoogle Scholar
  80. 1.
    Beide Theorien haben die Jahrhunderte hindurch nebeneinander existiert und sind je nach Bedarf zur Verwendung gelangt. So war beispielsweise in der christlichen Theologie oder Theodizee des Mittelalters die Privationstheorie vorherrschend, doch brach das Rebellionsmodell immer wieder durch. Dann sah man Gott etwa als einen in einen Aufruhr verstrickten König, der seine Truppenmacht zur Unterdrückung der Erhebung der abgefallenen Engel aufbietet. „Diese Repression wird derart unter dem Gesichts-punkt eines staatlichen Machtmittels gegen unbotmäßige Untertanen aufgefaßt, daß geradezu von Gott gesagt wird, es würde ihn, falls er es nicht angewendet hätte, der Makel eines sich selbst aufgebenden oder feigen Herrschers treffen“ (B. Vallentin: Der Engelstaat, in der Festschrift „Grundrisse und Bausteine zur Staats-und zur Geschichtslehre” f. G. Schmoller, Berlin 1908, S. 61f.).Google Scholar
  81. 2.
    A. v. Lecoq: Auf Hellas’ Spuren in Ostturkestan, Leipzig 1926.Google Scholar
  82. 3.
    F. Boll: Hellenismus und Orient, in der Aufsatzsammlung „Kleine Schriften zur Sternkunde des Altertums“, hrsg. v. V. Stegemann, Leipzig 1950, S. 283ff. — ders.: Í7ber Astrologie, ebd., S. 62ff.Google Scholar
  83. I A.-J. Festugière: Révélation II, S. 345.Google Scholar
  84. s H. Meyer: Abendländ. Weltanschauung I, S. 318.Google Scholar
  85. 2.
    M. Pohlenz: Die Stoa. Geschichte einer geistigen Bewegung, Göttingen 1948, S. 22.Google Scholar
  86. 3.
    K. Schubert: Die Religion des nachbiblischen Judentums, Wien 1955, S. 13ff.Google Scholar
  87. 1.
    Svf = Stoicorum Veterum Fragmenta, coll. H. y. Arnim, 3 Bde., Leipzig 1903–1905.Google Scholar
  88. 2.
    H. v. Arnim: Die europäische Philosophie des Altertums, in „Allgemeine Geschichte der Philosophie“ im Sammelwerk „Die Kultur der Gegenwart” I/V, hrsg. y. P. Hinneberg: Leipzig 1909, S. 233.Google Scholar
  89. 1.
    J. Bidnz: La cité du monde et la cité du soleil chez les Stoïciens, “Bulletin de l’Académie Royale de Belgique”, Classe des lettres, 5. série, tom. XVIII (1932), S. 244ff.Google Scholar
  90. 2.
    J. Bidez, a. a. O., S. 248f., bes. S. 259: “L’idée même d’un monde gouverné par une hiérarchie de magistratures et de tribunaux célestes - avec leurs juges, leurs conseillers et leurs interprètes — est longuement développée dans un système cosmologique mis sous le nom des Chaldéens dans la compilation de Diodore de Sicile et que nous avons déjà rapproché des croyances de l’ancienne Babylonie” und S. 251: “… ainsi Zénon vit se présenter à sa pensée, sous l’aspect d’une cité du monde, l’ancienne conception chaldéopersique d’un gouvernement du ciel dirigé par le dieu suprême et par ses assesseurs. Une combinaison de la morale grecque avec le mysticisme oriental sembla dès lors possible, et l’astrologie fataliste de l’ancienne Chaldée fit son entrée triomphale dans la spéculation philosophique des Hellènes.” — Vgl. DIODOR II, S. 30ff.Google Scholar
  91. 3.
    F. Boll: Vom Weltbild der griechischen Astrologen, in: Kleine Schriften, S. 35f. u. a.Google Scholar
  92. 2.
    H. Meyer: Abendländ. Weltanschauung I, S. 357.Google Scholar
  93. 1.
    J. Beiez, a. a. O., S. 259: “Ainsi donc, replacée dans le système stoïcien au rang qu’elle y occupa, l’idée d’un gouvernement et d’une cité du monde se rattache par une filiation certaine à l’astrolâtrie orientale. Ceux qui remontent aujourd’hui aux origines anciennes de notre droit naturel se représentent rarement, sans doute, que la loi universelle invoquée par Cicéron dans les passages bien connus de son De Legibus a été au début la loi non écrite d’une Cosmopolis sidérale de provenance chaldéo-persique.”Google Scholar
  94. 2.
    F. Cunont: Die orientalischen Religionen im römischen Heidentum, Leipzig 1910, S. 193.Google Scholar
  95. 1.
    Ich folge der Übersetzung der Ausgabe von L. Coax-I. Heinemann: Die Werke Philos von Alexandria, 6 Bde., Breslau 1909–1938, Bd. I, S. 32f.Google Scholar
  96. 1.
    M. Pohlenz: Stoa II, S. 52 (Anm. zu S. 88, Z. 2).Google Scholar
  97. 2.
    K. Schindler: Die stoische Lehre von den Seelenteilen und Seelenvermögen, insbesondere bei Panaitios und Poseidonios und ihre Verwendung bei CICERO, Diss., München 1934, beobachtet mehrfach die Spannung zwischen der naturwissenschaftlichen und der ethischen Auffassung der „Seele“ bei. den Stoikern; bes. S. 50, 58f., 63, 75f., 93 u. a.Google Scholar
  98. 1.
    H. Gomeerz: Willensfreiheit, S. 11 ff. — F. BILracsicu: Das Problem des Übels in der Philosophie des Abendlandes, I. Bd., 2. Aufl., Wien 1955, S. 61.Google Scholar
  99. 2.
    P. Barth: Die Stoa, 2. Aufl., Stuttgart 1908, S. 70ff.Google Scholar
  100. 2.
    H. v. Arnim: Die stoische Lehre;von Fatum und Willensfreiheit, in: Wissenschaftl. Beilage zum 18. Jahresbericht (1905) der Philosophischen Gesellschaft an der Universität zu Wien, Leipzig 1905, S. 12.Google Scholar
  101. 2.
    Übers. n. W. Nestle: Die Nachsokratiker, Bd. II., Jena 1923, S. 32.Google Scholar
  102. 1.
    H. Jonas: Gnosis und spätantiker Geist, I. Bd., 2. Aufl., Göttingen 1954, S. 148.Google Scholar
  103. 3.
    Diese Entwicklung bildet das Grundthema des IV. Bandes des Werkes von Festugiere. - Vgl. E. Norden: Agnostos Theos, S. 65ff.Google Scholar
  104. 1.
    F. Thedinga: De Numenio philosopho platonico, Diss., Bonn 1875, Frgm. 36, 27, 29.Google Scholar
  105. 2.
    J. Geffcken: Der Ausgang des griechisch-römischen Heidentums, Heidelberg 1920, S. 47: „Es will mir nicht unmöglich erscheinen, daß die Verzückung… geradezu Plotins Anschauung vom allerhöchsten, noch über dem Nus stehenden Sein erzeugt habe.“Google Scholar
  106. F. Billiosrcx: Übel, S. 100 zeigt deutlich, wie der Begriff des „Einen“ auf Grund vorausgesetzter Wert-und Vollkommenheitspostulate konstituiert wird.Google Scholar
  107. 1.
    Auffallend ist die Übereinstimmung mit dem oben (S. 101, Anm. 2) zitierten Amon-Hymnus. — tjbers. n. R. Harder: Plotins Schriften, Leipzig 1930 — 1937.Google Scholar
  108. 2.
    Man beachte das gegenteilige Vollkommenheitsideal, welches für Parmenides maßgebend war und noch in der Zeit Plotins von Origenes verteidigt wurde; vgl. H. Heimsoeth: Die sechs großen Themen der abendländischen Metaphysik, Berlin 1922, S. 95.Google Scholar
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    F. Heinemann: Plotin, Leipzig 1921, S. 253.Google Scholar
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    M. Wundt: Plotin. Studien zur Geschichte des Neuplatonismus, I. Heft, Leipzig 1919, S. 32.Google Scholar
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    E. Caird: The Evolution of Theology in the Greek Philosophers, Bd. II., Glasgow 1904, S. 314.Google Scholar
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    Vgl. TH. Zielinski: Cicero im Wandel der Jahrhunderte, 4. Aufl., Leipzig 1929.Google Scholar
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    W. Dilthey: Das natürliche System der Geisteswissenschaften im 17. Jahrhundert, „Gesammelte Schriften“, Bd. II, 3. Aufl., Leipzig 1923, S. 90ff.Google Scholar
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    E. Peterson: Das Buch von den Engeln, 2. Aufl., München 1955, S. 11 ff. — Vgl. oben, S. 48 ff.Google Scholar
  116. 2.
    Neben dem Text bei MIGNE wurden die rbersetzungen von H. BALL, München 1955, und J. Stiglmayr S. J., Kempten u. München 1911, herangezogen.Google Scholar
  117. 1.
    Neben der Interpretation des Universums als Sozialstruktur finden sich in der mittelalterlichen Philosophie mitunter auch die für das mythische Denken typischen Systeme von Entsprechungen (vgl. oben, S. 32) moralischer und physischer Phänomene im Rahmen der umfassenden „Weltordnung“. Beispielsweise wird bei BONAVENTURA der Mikrokosmos des menschlichen Lebens durch die vier Kardinaltugenden in Übereinstimmung mit dem Makrokosmos gelenkt. Wie die physische Sonne im Osten reinigt, im Süden erhellt, im Norden festigt und im Westen vereinigt, so setzt die „Sonne der Gerechtigkeit” im Osten des Geistes die Lauterkeit der Maßhaltung, im Süden die Klarheit der Klugheit, im Norden die Festigkeit der Tapferkeit und im Westen die Lieblichkeit der Gerechtigkeit. Ferner entsprechen den vier Kardinaltugenden die vier Lichtstrahlungen, die vier Elemente, die vier aristotelischen Ursachen und die vier Lebenskräfte, vgl. L. BERG: Die Analogie-lehre des heiligen Bonaventura, „Studium Generale“ VIII (1955), S. 668f.Google Scholar
  118. 2.
    Vgl. auch Thomas: Quaestiones disputatae de Veritate, qu. V.; deutsch v. E. STEIN, Freiburg 1952, S. 126ff., bes. S. 128.Google Scholar
  119. 4.
    B. Vallentin, a. a. O., S. 68. — Eindeutig ideologisch ist dagegen der Charakter jener Staatslehren, welche die irdische Monarchie als Abbild der göttlichen Weltmonarchie legitimieren wollen. In diesem Zusammenhange trittGoogle Scholar
  120. 1.
    A. Mitterer: Die Entwicklungslehre Augustins, Wien-Freiburg 1956, S. 255f.Google Scholar
  121. 2.
    F. Jodl: Geschichte der Ethik, I. Bd., 4. Aufl., Stuttgart 1930, S. 104. — Zur Geschichte der Rezeption des stoischen „Naturgesetzes“ durch das Christentum vgl. E. Troeltsch: Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, Tübingen 1912 und J. Stelzenberger: Die Beziehungen der frühchristlichen Sittenlehre zur Ethik der Stoa, München 1933.Google Scholar
  122. 2.
    Dittrich: Geschichte der Ethik III, S. 97ff. — Die Unterscheidung zwischen einem „bloß empirischen“ und einem „wahren” Willen ist in der europäischen Philosophie noch lange lebendig geblieben und hat vor allem in der politischen Theorie (oder Ideologie) eine außerordentliche Rolle gespielt. Auf sie gründet sich ROUSSEAUS Gegenüberstellung des faktischen Volkswillens (volonté de tous) und des angeblich höherstehenden „Gesamtwillens“ (volonté générale) ebenso wie die marxistische Differenzierung zwischen den empirisch feststellbaren Überzeugungen der Industriearbeiterschaft und dem „echten Klassenbewußtsein” oder wie (in wieder etwas anderer Nuancierung) Ferdinand Tönnies’ Begriffspaar „Kurwille“ und „Wesenwille”. Dieses Schema konnte also — ganz ähnlich wie die verwandten „naturrechtlichen“Google Scholar
  123. Schemata — den verschiedensten politisch-ideologischen Richtungen dienstbar gemacht werden, indem man jeweils die eigenen Ziele und Ideale zum Inhalt des angeblichen „wahren Willens“ machte. Doch war es auch möglich, den Willen eines einzigen Individuums — etwa eines „Führers” — als Inbegriff des „Gesamtwillens“ oder „objektiven Volkswillens” auszugebenGoogle Scholar
  124. vgl. E. Voegelin: Die politischen Religionen, Stockholm 1939, S. 59: Wenn daher die Abstimmung den Führerwillen nicht bestätigt, braucht der Führer nicht vor dem Volkswillen zurückzuweichen, denn die Versagung ist nicht objektiver Wille des Volkes, sondern Ausdruck einer subjektiven Willkür.“Google Scholar
  125. 1.
    M. Grabmann: Das Naturrecht der Scholastik von Gratian bis Thomas v. Aquin, „Archiv für Rechts-und Wirtschaftsphilosophie“ XVI (1922/23), S. 21.Google Scholar
  126. 2.
    Diese scholastischen Argumentationen wirken noch bei FRANZ Brentano nach, wenn dieser das Gute als das mit richtiger Liebe zu Liebende definiert (z. B. in dem Vortrag „Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis“, 2. Aufl., hrsg. v. O. Kraus, Leipzig 1921, § 23, S. 17 ).Google Scholar
  127. 1.
    M. Wundt: Die deutsche Schulmetaphysik des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1939.Google Scholar
  128. 2.
    K. Werner: Die Scholastik des späteren Mittelalters, IV/2, Wien 1887, S. 189.Google Scholar
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    J. Sauter: Die philosophischen Grundlagen des Naturrechts, Wien 1932, S. 87. — H. Welzel: Naturrecht, S. 95ff.Google Scholar
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    E. Gilson-Ph. Bohner: Die Geschichte der christlichen Philosophie von ihren Anfängen bis Nikolaus v. Cues, Paderborn 1937, S. 579, 581f. — O. DITTEacH: Geschichte der Ethik III, S. 180.Google Scholar
  131. 2.
    H. Welzel: Naturrecht, S. 91.Google Scholar
  132. 3.
    H. Welzel: Naturrecht, S. 103. — Zu der hier angeschnittenen Problematik vgl. K. TH. Buddeberg: Gott und Souverän. Über die Führung des Staates im Zusammenhang rechtlichen und religiösen Denkens, „Archiv des öffentlichen Rechts“, N. F. 28 (1937), S. 257ff., über BODIN und Calvin besonders S. 282ff.Google Scholar
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    K. Feckes: Die Analogie in unserem Gotterkennen, ihre metaphysische und religiöse Bedeutung; in dem Sammelband: Probleme der Gotteserkenntnis. Veröffentlichungen des Katholischen Institutes für Philosophie, AlbertusMagnus-Akademie zu Köln, II/3, S. 132ffGoogle Scholar
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  140. 2.
    Zum Problem der analogia entis vgl. auch H. Lyttkens: The Analogy between God and the World, Uppsala 1952, sowie die Beiträge im „Studium Generale“ VIII /11 (1955).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1958

Authors and Affiliations

  • Ernst Topitsch
    • 1
  1. 1.Universität WienWienÖsterreich

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