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Entwicklung der Medizin im letzten Jahrhundert

  • H. Quincke
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Zusammenfassung

Schmerzen oder Unbehagen — lokaler wie allgemeiner Art — zu beseitigen, ist ein schon dem Naturmenschen innewohnender Trieb. Am einfachsten äußert er sich in der instinktiven Befriedigung der elementaren Bedürfnisse: Hunger, Durst, Schutz vor Wärme, Kälte und äußeren Insulten. Von da an finden sich alle möglichen Obergänge zu überlegtem Handeln — aus persönlicher Erfahrung oder aus Vertrauen und Respekt vor älteren Angehörigen. Das sind Vorgänge, die sich, wie in Urzeiten, so noch heute täglich in jeder Familie abspielen. Je ungewöhnlicher die Störung, um so eher war man veranlaßt, sich in weiteren Kreisen nach Personen umzusehen, denen Erfahrung und Kenntnisse zuzutrauen waren. Erst allmählich und nach längerer Zeit wurde die Ausübung der Heilkunst dann zur Berufstätigkeit. Mit zunehmender Kultur hatte der Arzt praktische Kenntnisse und Geschicklichkeit zu vereinen mit (zeitgemäßer) theoretischer Bildung und Gelehrsamkeit. Die Geschichte zeigt, daß, wie auf anderen Kulturgebieten, bald die eine, bald die andere dieser beiden Seiten mehr betont wurde. Im Ganzen blieb aber die Medizin eine auf Erfahrung begründete Kunst, und die spärlichen Ansätze zu einer naturwissenschaftlichen Anschauung im Altertum wurden im Mittelalter nicht weiter entwickelt, sondern ebenso wie die meisten Wissenschaften nur scholastisch überliefert. Auch das Zeitalter der Renaissance erlöste die Medizin noch nicht aus den Banden der Tradition und Spekulation. Unabhängig von diesen zeigte, genährt durch die großen Kriege, nur die Chirurgie den Ansatz zu selbständiger Entwickelung. Erst als, nach einzelnen ausgezeichneten Vorläufern, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Naturwissenschaften eine stetig aufsteigende Entwickelung nahmen, wurde auch die Wissenschaft vom Menschen als ein Teil jener erkannt und gefördert, und wie die wissenschaftliche Technik aus dem Boden der Naturwissenschaften erwuchs, so beschränkte sich auch die Medizin nicht mehr auf die teils rein empirischen, teils traditionell doktrinären Bahnen, sondern bediente sich naturwissenschaftlicher Forschungsmethoden und zog aus den Ergebnissen ihre Folgerungen für die Praxis — freilich erst nach und nach.

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Notes

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1913

Authors and Affiliations

  • H. Quincke
    • 1
  1. 1.Kiel-Frankfurt a. M.Deutschland

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