Der Besitz des Bistums Metz rechts des Rheins in der Karolingerzeit

  • Alfons Schäfer

Zusammenfassung

Die Forschung hat dem Fernbesitz von Bistümern und Reichsabteien seit langem ihre Aufmerksamkeit geschenkt, da er oft ein Indiz für auffallende geschichtliche Zusammenhänge darstellt. Das gilt in besonderer Weise für das mit dem Aufstieg der austrasischen Hausmeier eng verbundene Bistum Metz, das — im Herzen der Kernlandschaft des fränkischen Reiches gelegen — als eine Art Hausbistum der Karolinger angesehen werden kann. Es ist bereits seit einiger Zeit untersucht worden, wie sich das Bistum Stützpunkte längs der wichtigen Fernstraßen von Lothringen in das Elsaß, über das Saargebiet zum Wormsgau und zum Mittelrhein hin geschaffen hat. Bis vor kurzem war es jedoch gänzlich unbekannt, daß das Bistum an der Mosel auch auf die rechtsrheinischen Landschaften ausgegriffen hat. G. Haselier hat dazu einen wertvollen Beitrag geleistet, indem er nachweisen konnte, daß der Königshof Ihringen am Kaiserstuhl Metz gehörte und ihm mit großer Wahrscheinlichkeit in der Karolingerzeit übertragen worden ist. Der Ausgriff des Bistums in das Rechtsrheinische ist geschichtlich sehr viel bemerkenswerter als etwa die Beziehungen von Metz zum Elsaß und zum Wormsgau. Hier erst kann eigentlich im vollen Wortsinne von Fernbesitz die Rede sein. Der Königshof Ihringen ist jedoch nicht das einzige Metzer Besitztum rechts des Rheines gewesen. Es soll im folgenden versucht werden, einige weitere Zeugnisse zusammenzutragen und diese als kleine Bauelemente in dem großen Zusammenhang der fränkischen Reichs- und Integrationspolitik zu interpretieren.

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Literatur

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  • Alfons Schäfer

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