Physiologische Wirkung von Bädern unter normalen und pathologischen Bedingungen

  • J. Strasburger
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664, volume 17)

Zusammenfassung

Das Wasser des Bades übt einen Druck auf den Körper aus, dessen Wirkung in den Lehrbüchern der Bäderlehre durchweg als gering angesehen wird. Man folgert, daß im Wannenbad auf dem Körper eine Wassersäule von im Mittel etwa 30 cm Höhe lastet; da aber der Druck der Atmosphäre 10 m Wasserhöhe entspricht, so könne die im Vergleich geringe Druckdifferenz nicht viel bedeuten. Der physikalische Irrtum dieser Auffassung liegt auf der Hand: denn der Druck des Wassers wirkt nur von außen auf den Körper ein, die Atmosphäre aber drückt von allen Seiten, Hohlorgane des Körpers, das Blut mit seinen Gasen und überhaupt alle Gewebe stehen unter diesem Druck, dessen Komponenten sich gegenseitig aufheben und dadurch nicht zur Geltung kommen. Wird der Druck rasch vermindert, z. B. in einer Taucherglocke nach Beendigung der Arbeit, so entstehen durch die Störung des Gleichgewichtszustandes zwischen äußerem und innerem Druck bekanntermaßen schwere Störungen, die als Caissonkrankheit beschrieben sind; und Tiere, die aus der Tiefsee rasch an die Oberfläche befördert werden, platzen. So kann also die Druckwirkung des Wassers im Bade, die nur von außen erfolgt, mit der Wirkung des Atmosphärendruckes nicht verglichen werden, sie kommt ihrem ganzen Gewicht nach zur Geltung. Der Druck einer Wassersäule von im Durchschnitt 30 cm Höhe ist (unter Umrechnung nach dem spezifischen Gewicht) etwa der gleiche wie der eines in sich allerdings vollkommen beweglichen eisernen Panzers von 3,8 cm Dicke. Durch ihn wird der Brustkorb und durch Druck auf den Bauch das Zwerchfell in verstärkte Ausatmungsstellung gebracht.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • J. Strasburger
    • 1
  1. 1.Frankfurt a. M.Deutschland

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