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Preisankündigungen und andere partielle Festlegungen

  • Joachim Henkel
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Part of the Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge book series (WIRTSCH.BEITR., volume 148)

Zusammenfassung

Ankündigungen sind im Wirtschaftsleben an der Tagesordnung. Mineralölgesellschaften kündigen Preisänderungen einige Tage im voraus an, und die meisten Kataloge und Preislisten stellen insofern Ankündigungen dar, als sie vor ihrer Gültigkeit erhältlich sind. Aktiengesellschaften geben die Höhe ihrer Dividendenzahlungen einige Monate vorher bekannt, und die voraussichtliche Markteinführung neuer Produkte wird teilweise sogar Jahre im voraus publik gemacht. Auf der politischen Bühne spielen Ankündigungen von Verhandlungspositionen eine große Rolle, z.B. im Vorfeld internationaler Verhandlungen über Abrüstung, Handel oder Umweltschutz.

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Literatur

  1. 1.
    Farrell und Saloner (1986) untersuchen den Effekt einer solchen Vorankündigung im Rahmen der Entstehung von Standards.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Unterscheidung von Strategien des mehrstufigen Ankündigungsspiels werden die Elemente der Strategiemenge des Basisspiels, die die Spieler ankündigen bzw. auf die sie sich in einer späteren Stufe endgültig festlegen, als „Aktionen” bezeichnet.Google Scholar
  3. 3.
    Im Rahmen wiederholter Spiele gibt es explizite Modellierungen von Reputation (vgl. z.B. Fudenberg und Tirole (1991), Kapitel 5). Zum Beispiel kann ein Spieler mangelnde Kooperation seines Gegenübers, d.h. das Abweichen von einer kollusiven Strategie, durch die Wahl einer Nash-Gleichgewichts-Strategie „bestrafen“. In diesen Modellen wird jedoch davon ausgegangen, daß allein das betrachtete Spiel die Reputation des Spielers beeinflußt. Tatsächlich spielen reale ökonomische Akteure dagegen eine Vielzahl von Spielen gleichzeitig, die zusammen ihren Ruf und ihre Glaubwürdigkeit begründen. In vielen Fällen ist es dabei eher unwahrscheinlich, daß eine Gruppe von Wettbewerbern sich zu Bestrafungsaktionen im Sinne der folk theorems entschließt. Es erscheint daher zumindest plausibel, wenn nicht sogar realistischer, die Effekte vieler einzelner Aktionen auf die Reputation des jeweiligen Spielers zeitlich zu „mitteln”, was zu einem Abweichungsterm der hier verwendeten Art führt.Google Scholar
  4. 4.
    Die Begriffe „Strategische Substitute“ und „Strategische Komplemente” wurden von Bulow et al. (1985) geprägt. Weitere wichtige Arbeiten zu diesen Konzepten stammen von Topkis (1979), Vives (1990) und Milgrom und Roberts (1990). Strategische Komplemente (Substitute) liegen bei steigenden (fallenden) Reaktionsfunktionen vor; Standardbeispiele sind Preise (Produktionsmengen) von Substituten. Während die Begriffe „Substitute” und „Komplemente“ angeben, wie sich die Strategiewahl eines Spielers auf die Profitabilität des anderen auswirkt, beschreiben die Begriffe „Strategische Substitute” und „Strategische Komplemente” die Auswirkung auf dessen marginale Profitabilität. Bei nur zwei Spielern kann ein Spiel mit strategischen Komplementen durch Umdefinition der Strategievariablen von z.B. Spieler 1 (s1 -* sl:_ —s1) in ein Spiel mit strategischen Substituten verwandelt werden. Dies wird hier jedoch durch die Forderung nach Symmetrie des Basisspiels ausgeschlossen.Google Scholar
  5. 5.
    Preislisten dienen natürlich nicht allein der Minderung des Wettbewerbs. Sie können diese Funktion jedoch neben der der Kundeninformation erfüllen.Google Scholar
  6. 6.
    Salop (1986) diskutiert solche facilitating devices eingehender, z.B. most-favoured-customer oder meet-or-release contracts.Google Scholar
  7. 7.
    Der Bundesgerichtshof hob die Entscheidung des Bundeskartellamtes zwar wieder auf, stellte jedoch nicht das zugrundeliegende rechtspolitische Bedürfnis in Frage. Dem folgte der Gesetzgeber, indem er 1973 das vertragliche Verbot von Wettbewerbsbeschränkungen durch ein Verbot des aufeinander abgestimmten Verhaltens ergänzte (§25 Abs. 1 GWB) (Schmidt 1990, S. 214). Allerdings machen die widersprüchlichen Entscheidungen die Abgrenzungsprobleme zwischen bewußt wettbewerbsminderndem Verhalten und conscious parallelism („Parallelverhalten im engen Oligopol als Ausdruck einer starken Interdependenz und Interessensymmetrie… keine explizite Verhaltenskoordinierung…”, Schmidt 1990, S. 211) deutlich.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. z.B. Wirtschaftswoche Nr. 37, 7.9.95, S.135; Mannheimer Morgen,13.8.95, S. 1. 9Frankfurter Allgemeine Zeitung, Blick durch die Wirtschaft,26.2.96.Google Scholar
  9. 10.
    Dies wird in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Blick durch die Wirtschaft,26.2.96, erwähnt, jedoch inhaltlich bestritten.Google Scholar
  10. 11.
    Der Spiegel Nr. 34, August 1996. Auf einer vom TÜV überwachten Testfahrt verbrauchte ein modifizierter Renault Twingo 3,2 Liter Benzin auf 100 km, die Vergleichsfahrzeuge aus Serienproduktion dagegen 5,6 Liter und mehr.Google Scholar
  11. 12.
    Vgl. z.B. Jensen (1986). Die Welt (13.8.96, „Börsenwerte zahlen mehr Dividende“) zitiert aus einer Studie der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre: „Auch 1995 gab es zuviele Dividendenausfälle, der Aktionär wird wohl immer zuletzt bedacht.”Google Scholar
  12. 13.
    Vgl. Dowrick (1986), Boyer und Moreaux (1987), Robson (1989, 1990), Ben-Porath und Dekel (1992), Hamilton und Slutsky (1993), Amir und Grilo (1995) sowie Hurkens (1995).Google Scholar
  13. 14.
    Die Strategien in einem open-loop equilibrium geben für jede Spielstufe Aktionen an, ohne Bedingung auf Aktionen vorhergehender Spielstufen. Es bleibt somit kein Raum für strategisches Verhalten. (Vgl. Fudenberg und Tirole (1991), S. 130ff.)Google Scholar
  14. 16.
    Wie Annahme G-7 (vgl. Fußnote 15) dient auch diese Annahme der technischen Vereinfachung.Google Scholar
  15. 17.
    Vgl. z.B. Fudenberg und Tirole (1991), S. 24.Google Scholar
  16. 18.
    Vgl. z.B. Theorem 1.2 in Fudenberg und Tirole (1991), S. 34.Google Scholar
  17. 19.
    Es ist eine sinnvolle, aber durchaus keine „unschuldige“ Annahme, daß die Spieler den Grad ihrer Festlegung (und damit in den Extremfällen vollständiger bzw. verschwindender Festlegung die Reihenfolge des Spiels) gleichzeitig mit ihrer Ankündigung wählen. Im Rahmen von Spielen mit endogenem Timing unterscheiden Hamilton und Slutsky (1993) dreistufige extended games with observable delay,in denen die Reihenfolge vor der Wahl der Aktionen festgelegt wird, und zweistufige Spiele mit action commitment,in denen sich ein Spieler auf eine frühe Aktionswahl festlegt, indem er seine Aktion tatsächlich wählt. Die hier zugrundegelegte Spielstruktur entspricht also einem action commitment.Google Scholar
  18. 20.
    Zunehmende Differenzen sind eines der Merkmale von supermodularen Spielen (vgl. z.B. Fudenberg und Tirole (1991), S. 489 ff.). In 2-Personen-Spielen mit eindimensionalen, zusammenhängenden Strategiemengen und zweimal stetig differenzierbaren Auszahlungsfunktionen besteht Äquivalenz zwischen zunehmenden Differenzen und Positivität der gemischten zweiten Ableitung (strategischer Komplementarität).Google Scholar
  19. 21.
    Genaugenommen ist dies die Bedingung für „strikt zunehmende Differenzen“, während bei „zunehmenden Differenzen” W — V + 1 > 0 gilt. Die Argumentation dieses Abschnitts ist auch unter den Annahmen W — V + 1 > 0 und V — 1 < c < W (s.u.) möglich, wodurch dann indifferente Teilspielgleichgewichte auftreten. Da es hier jedoch nur um eine Illustration des Mechanismus geht, wird der Übersichtlichkeit halber nur auf den Fall W — V + 1 > 0 und V — 1 < c < W eingegangen.Google Scholar
  20. 22.
    Hier ist der Einfachheit halber nur von Reaktionsfunktionen die Rede, auch wenn bei c = V —1 und c = W die beste Antwort nicht in jedem Fall eindeutig ist.Google Scholar
  21. 23.
    Zum Beispiel geht Slade (1991) in einer empirischen Untersuchung von Preisrigiditäten im Einzelhandel von Preisanpassungskosten (menu costs) aus, die eine konstante sowie eine im Ausmaß der Abweichung quadratische Komponente haben.Google Scholar
  22. 24.
    Es ist unüblich, sl nach oben und s2 nach rechts abzutragen. Dies erlaubt jedoch, bei der Diskussion der Spielstruktur 13 anschaulicher mit der Reaktionsfunktion von Spieler 1 zu argumentieren. Wenn Punkte aus S x S angegeben werden, wird, wie üblich, die Aktion von Spieler 1 zuerst genannt, also (sl, s2).Google Scholar
  23. 25.
    Dies hat z.B. durch die wiederholten Aussagen des Bundesfinanzministers über die Bindungskraft der im Vertrag von Maastricht festgelegten Fiskalkriterien für die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion sowie über deren Zeitplan stattgefunden (vgl. z.B. Wirtschaftswoche Nr. 26, 20.6.96, S. 16ff, und Wirtschaftswoche Nr. 47, 14.11.96, S. 16ff).Google Scholar
  24. 26.
    Vg1. z.B. Amir und Grilo (1995). Siehe auch Fußnote 19, S. 107.Google Scholar
  25. 27.
    Dies kann auch analytisch gezeigt werden.Google Scholar
  26. 30.
    Die Wahl von h ist lediglich eingeschränkt durch 1112 > 0. h(s 2 ) > h’(s 2 )(2si — 1 — s2).Google Scholar
  27. 31.
    Vives (1986) betrachtet ein ähnliches Modell: Wenn ein Unternehmen eine Kapazität k installiert hat, betragen die Produktionskosten für die Menge x entweder ck (falls x < k) oder cx + V(xk) (falls x > k). Dabei ist die Funktion V konvex. Die Kosten V(x — k) entstehen somit durch Abweichen von der „angekündigten“ Kapazität k.Google Scholar
  28. 32.
    Vgl. z.B. Shapiro (1989), S. 386.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1997

Authors and Affiliations

  • Joachim Henkel
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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