Zusammenfassung

Knochengewebe kann erst dann zur mikroskopischen Untersuchung gelangen, wenn die seine Schneidbarkeit verhindernden Kalksalze entfernt wurden. Zu diesem Zwecke werden die Knochenstückchen nach der Fixierung in verdünnte Salpetersäure eingelegt und dann erst weiterverarbeitet. Daher fehlt an den fertigen Hämatoxylin-Eosin-Schnitten dem verkalkten Knochen die sonst für den Kalkgehalt kennzeichnende blaue Färbung mit Hämatoxylin. Er erscheint vielmehr mit Eosin stark rot gefärbt und läßt deutlich die parallele Streifung bzw. den Aufbau aus einzelnen Lamellen erkennen, zwischen denen die Knochenzellen in ausgesparten Hohlräumen von flacher länglicher Beschaffenheit liegen (Abb. 87 K). In der Compacta bilden diese Lamellen konzentrische Ringe um ein zentrales Gefäßchen, die sogenannten Havers’schen Lamellensysteme. Nach außen zu ist ein solches System von einer mit Hämatoxylin bläulich gefärbten Kittlinie begrenzt, an der auf der anderen Seite neue Lamellensysteme ansetzen. Bei vielen von ihnen ist allerdings das zentrale Gefäßchen nicht getroffen oder sie besitzen überhaupt keines. In diesem letzteren Fall verlaufen die Lamellen, wie z. B. in der Spongiosa, nicht konzentrisch, sondern mehr gestreckt (Schaltlamellen). Jeder derartige, von einer blauen Linie allseitig umschlossene Lamellenbezirk stellt das Ergebnis einer Anbauperiode des Knochengewebes dar, die mit der Ausbildung der erwähnten blauen Grenzlinie („Grenzscheide“) abschließt. Durch späteren Abbau kann das Knochengewebe teilweise oder wiederum ganz schwinden; auch hier wird dann eine solche neuerlich gebildete blaue Grenzscheide den Stillstand des Abbaues markieren. Diese An- und Abbauvorgänge am Knochen können wir am besten an Präparaten von der Ostitis deformans (Paget) studieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1958

Authors and Affiliations

  • Herwig Hamperl
    • 1
  1. 1.Pathologischen InstitutesUniversität BonnBonnDeutschland

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