Die atypischen Psychosen und Kleists Lehre von den endogenen Psychosen

  • Karl Leonhard
Part of the Psychiatrie der Gegenwart book series (2042, volume 2)

Zusammenfassung

Als sich Kraepelin mit seiner Zweiteilung der endogenen Psychosen durchgesetzt hatte, tauchten bald als Problem die atypischen Psychosen auf. Da diese hier wie dort nur schwer zugerechnet werden konnten, verursachten sie den wissenschaftlichen Streit um die Grenzen zwischen der Dementia praecox und dem manisch-depressiven Irresein, die hin- und hergeschoben wurden und doch nicht gesichert werden konnten. Die Diskussion hörte im wesentlichen erst dadurch auf, daß man sich nach dem Vorgang von E. Bleuler entschloß, in der Schizophrenie keine unheilbare Krankheit mehr zu sehen, sondern die Diagnose, die man nach dem Zustandsbild gestellt hatte, auch dann aufrechtzuerhalten, wenn eine völlige Heilung eingetreten war. Jetzt konnte man mit K. Schneider definieren, was man unter manisch-depressivem Irresein und was unter Schizophrenie verstehe, und hatte keine Korrektur zu erwarten, weil das Kriterium der Prognose nicht mehr galt. Bei der Einreihung von atypischen Psychosen durfte man es sich nun viel leichter machen, das Interesse daran ging dementsprechend deutlich zurück. Allerdings konnten sich doch auch noch aus dem Zustandsbild selbst diagnostische Schwierigkeiten ergeben, sei es, daß es die gegebene Definition nur unbestimmt erfüllte, sei es, daß es im Verlauf der Krankheit wechselte. Pauleikhoff, ein Schüler von K. Schneider, der sich eingehend mit den atypischen Psychosen beschäftigte, hatte Mühe, sie teils der einen, teils der anderen Krankheitsform zuzuteilen, obwohl er seine Entscheidung nicht durch den Verlauf bestimmen ließ. Freilich vermochte er an diesem doch nicht ganz vorbeizugehen; er entschloß sich sicher nicht leicht, von einer Schizophrenie zu sprechen, wenn nach mehreren Krankheitsanfällen vollkommene Gesundheit bestand.

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Authors and Affiliations

  • Karl Leonhard
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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