Die dynamische Unstetigkeit

  • Werner Janzarik
Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiete der Neurologie und Psychiatrie book series (MONOGRAPHIEN, volume 86)

Zusammenfassung

Bei Besprechung der dynamischen Konstellation in manischen Psychosen war darauf hingewiesen worden, daß in der Expansion trotz des dissolutiven Charakters des dynamischen Überschusses immer noch ein Gleichgewicht zwischen den beiden Grundlagen des Erlebens erhalten bleibt, die formelhaft als innerer Raum und als Welt gekennzeichnet und einander gegenübergestellt werden können. Die impressive Überflutung findet ein Gegengewicht in der überstürzten Aktualisierung struktureller Bestände. Auf der Ebene eines Erlebens, das ohne den Hintergrund des Wertgefüges keine Tiefendimension besitzt, ist es freilich das labile Gleichgewicht ungeordnet sich durchkreuzender Eindrücke und Einfälle, zwischen denen die Grenzen von Welt und innerem Raum zunehmend verloren gehen. Im Übergang aus der reinen Expansion, der klinisch selten, aber gerade psychopathologisch besonders aufschlußreich ist, scheint mit einem Unstetigwerden des bis dahin bei aller Bewegung einheitlichen und gleichgerichteten dynamischen Geschehens eine Störung dieses Gleichgewichts einzutreten und das Begegnende übermächtig zu werden. Die Wahnstimmung ist Ausdruck der dynamischen Unstetigkeit und des damit einhergehenden Gleichgewichtsverlustes. Phänomenal entspricht der dynamischen Unstetigkeit die extreme Unbestimmtheit, Vieldeutigkeit, Widersprüchlichkeit und Labilität der Emotionen und Intentionen, die jähe Übersteigerung beglückter oder unheimlicher Stimmung in Verzückung, in Angst und Grauen und die nicht weniger befremdliche Indolenz, die trotz allen Aufgewühltseins, etwa bei einem Weltuntergangswahn, im plötzlichen Ermatten der emotionalen Bewegung sichtbar wird. Wahnstimmung gibt es nicht als Kontinuum. Das Wesen der Wahnstimmung ist Diskontinuität, Fluktuation, Gegenläufigkeit der emotionalen Regungen, es ist zugleich Überschwang und Erschöpfung.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1959

Authors and Affiliations

  • Werner Janzarik
    • 1
  1. 1.NervenklinikUniversität MainzDeutschland

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