Zusammenfassung

Die Bewegungskrankheit (Kinetose) kann bei vielen Personen ausgelöst werden, die mit einem Fortbewegungsmittel (Flugzeug, Schiff, Auto, Zug) unterwegs sind. Es kann zu Schwindel mit Scheinbewegungen, Nausea, Erbrechen, Schweißausbruch bis zum Kreislaufkollaps kommen. Die Kinetose entsteht durch unterschiedliche Mischbewegungen um mehrere Achsen (z. B. Translationsbewegungen, Rotationsbewegungen, Schaukelbewegungen), verbunden mit unterschiedlichen kurzzeitig einwirkenden Akzelerations- und Deakzelerationsvorgängen. Dies führt zu unterschiedlichen Impulsen in den Bogengängen und Otolithen Hinzu kommen optische und propriozeptive Einflüsse. Es resultiert daraus eine Desorientierung im vestibulookulären System und letztlich somit die Kinetose-Symptomatik infolge Aktivierung der Vaguskerne über die Formatio reticularis und Vestibulariskerne. Es besteht eine individuelle Bereitschaft. Psychisch labile Personen mit vegetativer Dystonie neigen zu Kinetosen. Als Vorbeugung gegen die Bewegungskrankheit ist es vorteilhaft, in einem Fortbewegungsmittel fern gelegene optische Ziele im Auge zu behalten (visuelle Kontrolle), möglichst in der Mitte eines Schiffes oder Flugzeuges Platz zu nehmen, in einem fahrenden Auto das Lesen zu unterlassen. Durch fortgesetzte Reizexposition kann eine Habituation erfolgen. Als medikamentöse Therapie wird Scopolamin empfohlen. Üblicherweise wird dieses Medikament (ca. 1,5 mg Transderm Scop) in Form eines Pflasters hinter dem Ohr getragen. Dadurch wird eine ständige Resorption durch die Haut mit konstantem Wirkspiegel ermöglicht. Damit kann eine Wirkungsdauer von etwa 48 Std. erzielt werden. Als weitere Medikamente gegen Kinetosen kommen Dimenhydrinat (Vomex A), Meclozin (Peremesin) oder Cinnarizin (Stutgeron) in Frage. Des weiteren existieren Mischpräparate gegen Kinetosen. Zur Prophylaxe sollte das Medikament 1–2 Std. vor einer Fahrt eingenommen werden.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  • Claus Toni Haid
    • 1
  1. 1.Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-OhrenkrankeUniversität Erlangen-NürnbergErlangenDeutschland

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