Epilepsien

  • D. Schmidt

Zusammenfassung

Einer von 100 Lesern dieses Buches hat — statistisch gesehen — eine Epilepsie. Bei 70% der Neuerkrankten ist die korrekte Erstbehandlung mit einem Medikament der ersten Wahl meist schon erfolgreich und erzielt anhaltende Anfallsfreiheit ohne gravierende Nebenwirkungen. Einige neue Antiepileptika sind bei gleicher Wirksamkeit besser verträglich und leichter zu handhaben als die meisten älteren Medikamente. Bei den übrigen 30% der Patienten mit einer chronischen Epilepsie kann man durch eine Umstellung auf etwas stärker wirksame, aber oft nebenwirkungsreichere Medikamente Linderung erzielen, Anfallsfreiheit wird aber nur bei 10% der Patienten erzielt (Marson u.Chadwick 2001). Bleibt eine korrekte medikamentöse Behandlung 2 Jahre erfolglos, handelt es sich um eine medikamentenrefraktä-re Epilepsie. Dann sind ohne Verzögerung ergänzende nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren in Betracht zu ziehen. Hierzu gehören v.a.die resektive Epilepsiechirurgie, die N.-vagus-Stimulation (Schmidt 2001 a) und — meist im Kindesalter — die ketogene Diät.Nach der ersten kontrollierten Studie werden 38% der Patienten mit einer refraktären Temporallappenepilepsie anfallsfrei, im Gegensatz zu 8% bei einer ausschließlich medikamentösen Therapie (Wiebe et al.2001).Die in der Hälfte der Fälle medikamentenrefraktäre Temporallappenepilepsie ist daher eine chirurgisch zu behandelnde Erkrankung. Kommt eine Entfernung des Gehirngewebes nicht in Frage oder war sie erfolglos, führt die gut verträgliche und sichere zervikale N.-vagus-Stimulation mit einem implantierten Schrittmacher bei bis zu 50% der Patienten zur Anfallsabnahme, aber nur bei einigen Prozent der Patienten zur Anfallsfreiheit (Schmidt 2001 a).

Eine flankierende Behandlung psychiatrischer Probleme, v.a.der Depression, und Hilfe bei sozialen Schwierigkeiten sind bei etwa der Hälfte aller Patienten mit einer refraktären Epilepsie nötig. Spezielle Überlegungen erfordert die Behandlung weiblicher Epilepsiepatienten und die Status-epilepticus-Therapie.Die Akuttherapie ist meist einfach und erfolgreich, die Behandlung chronischer und medikamentenrefraktärer Epilepsien sollte in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Neurologen erfolgen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Kwan P, Brodie MJ (2000) Early identification of refractory epilepsy. N Engl J Med 342:314–319PubMedCrossRefGoogle Scholar
  2. Marson AG, Chadwick DW (2001) New drug treatment for epilepsy. J Neurol Neurosurg Psychiat 70:143–147PubMedCrossRefGoogle Scholar
  3. Schmidt D (2001a) Vagus nerve stimulation for the treatment of epilepsy. Epilepsy Behavior 2:S1–S5CrossRefGoogle Scholar
  4. Schmidt D (2001b) Epilepsien, Kragen und Antworten (Patientenratgeber), 6. Aufl. Zuckschwerdt, München Schmidt D, Elger CE (2002) Praktische Epilepsiebehandlung, 2. Aufl. Thieme, StuttgartGoogle Scholar
  5. Stefan H (1999) Epilepsien.Diagnose und Behandlung, 3. Aufl.Thieme, StuttgartGoogle Scholar
  6. Wiebe S, Blume WT, Girvin JP et al. (2001) A randomized, controlled trial of surgery for temporal lobe epilepsy. N Engl J Med 345:311–318PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2003

Authors and Affiliations

  • D. Schmidt

There are no affiliations available

Personalised recommendations