Tumoren der Niere

  • J. T. Hartmann
  • C. Bokemeyer

Zusammenfassung

Zu den gutartigen (fakultativ bösartigen) Tumoren der Niere gehören Nieren-adenome und Nierenonkozytome, beide epithelialen Ursprungs, sowie Angiomyo-lipome oder Mark-Kegel-Fibrome mesenchymalen Ursprungs. Die bösartigen Neoplasien umfassen das Nephroblastom, das überwiegend im Kindesalter auftritt, sowie das Nierenzellkarzinom. Letzterer ist der häufigste epitheliale maligne Nierentumor des Erwachsenen und macht ca. 2% aller malignen Neubildungen des Erwachsenen aus. Differenzialdiagnostisch kommen noch Sarkome, Lymphome und Metastasen anderer Malignome in Betracht. Durch den zunehmenden Einsatz von bildgebenden Verfahren, v.a.der Sonographie, wird das Nierenzellkarzinom häufig inzidentell beim asymptomatischen Patienten diagnostiziert. Die operative Therapie hat daher in zunehmendem Maße organerhaltende Verfahren entwickelt, die als minimalinvasive, laparoskopische Resektion durchgeführt werden. Dies geht mit einer Minderung der Belastung der Patienten durch die Operation einher. Die therapeutischen Fortschritte der Disziplinen Strahlen-, Chemo-, Hormon-oder Immuntherapie sind gering.
  • Die Prognose der Erkrankung hängt von derTumorausdehnung ab.

  • Die einzig kurative Behandlung stellt die operative Entfernung dar.

  • Die Behandlungsergebnisse beim metastasierten Nierenzellkarzinom sind nach wie vor schlecht.

  • DerTumor ist weitgehend chemotherapieresistent, und auch mit hormoneller Therapie nicht beeinflussbar.

  • Die Immuntherapie mit Interferon und Interleukin bzw.deren Kombination zeigen eine gewisse Wirksamkeit, ohne bisher eine unumstrittene klinische Wertigkeit erlangt zu haben.

  • Es existiert kein zuverlässigerTumormarkerzur Diagnose oder zum Verlauf des Nierenzellkarzinoms.

Es bestehen in Deutschland zwei große Studienverbände, die sich mit derTherapie von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Nierenzellkarzinom auseinandersetzen. Die „Deutsche Urologisch-Internistische Kooperative Multi-center-GruppeChemo-Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms” (DGCIN) prüft zurzeit bei prognostisch günstigen Patienten die Gabe von α-Interferon (IFN-α) s.c., Interleukin-2(IL-2)s.c. und 13-cis-Retinsäure p.o. mit oder ohne inhalative Gabe von IL-2. Die als ungünstig eingestuften Patienten erhalten die erstgenannte Therapie in Kombination mit 5-Fluorouracil (5-FU) i.v. oder alternativ Capecitabin p.o.

Die zweite Arbeitsgruppe startete ein Verbundprojekt im Jahre 1999, das sog. NationaleTumorprojekt Nierenzellkarzinome (NTP-N), das durch die Arbeitsgemeinschaft Urologischer Onkologie (AUO) der Deutschen Krebsgesellschaft initiiert wurde. Dabei handelt es sich nicht um eine randomisierte Studie, sondern Arzt und Patient entscheiden, welche Behandlung gewählt wird. Das Protokoll beinhaltet sowohl Patienten mit lokal begrenztem Tumor zur Fragestellung der Verlängerung des progressionsfreien Intervalls (adjuvante Therapie für Hochrisikopatienten) und geht der Frage einer Überlebenszeitverlängerung bei metastasiertem Nierenzellkarzinom nach (palliative Therapie). Zur Verfügung stehen 3 Therapiearme (A = keine Therapie, C = IFN-α s.c, IL-2 s.c., 5-FU i.v.; B = wie C, jedoch mit reduzierter Zytokindosis und ohne die Gabe von 5-FU). Die Therapieergebnisse beider Multicenterstudien stehen aus.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2003

Authors and Affiliations

  • J. T. Hartmann
  • C. Bokemeyer

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