Thema Krebs pp 194-200 | Cite as

Leukämien

  • Hilke Stamatiadis-Smidt
  • Harald zur Hausen

Zusammenfassung

Der Begriff Leukämie bedeutet „weißes Blut“ und bezieht sich darauf, daß bei Leukämiepatienten die Zahl der weißen Blutkör­perchen (Leukozyten) oft sehr stark erhöht ist. Leukämien sind Krebserkrankungen des blutbildenden Systems im Knochenmark. Dort entwickeln sich aus einer gemeinsamen Vorläuferzelle, der sogenannten Stammzelle der Blutbildung, die Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen, Freßzellen und die für die Blutgerin­nung wichtigen Blutplättchen) in vielen Schritten zu funktions­tüchtigen, reifen Zellen. Erst dann treten sie in die Blutbahn über, wo sie vielfältige Aufgaben erfüllen. Da die Lebensdauer von „fertigen” Blutzellen begrenzt ist, müssen sie im Knochen­mark immer wieder aus Vorläuferzellen nachgebildet werden. Ausreifung und Neubildung von Blutzellen unterliegen einer fei­nen Regulation, so daß immer nur so viele Zellen wie nötig ins Blut entlassen werden. Durch Schäden am Erbgut von Blutvorläuferzellen kann es zu Störungen dieser Kontrolle und zu unge­hemmter Teilung dieser Zellen kommen. Die Folge ist eine starke Vermehrung von unreifen und oft funktionsuntüchtigen Vorläu­ferzellen und die Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark, so daß die notwendigen reifen roten und weißen Blutkörperchen und -plättchen nicht mehr im notwendigen Um­fang gebildet werden. Blutarmut (Anämie), Infektionen, innere oder äußere Blutungen können die Folge und zugleich oft das er­ste Anzeichen einer Leukämie sein. Im Blutgefäßsystem, in dem sonst nur die reifen Zellen vorkommen, sind die Leukämiezellen oft in extrem hoher Anzahl vorhanden. Sie gelangen auf diesem Weg auch in andere Organe. Nicht selten befallen sie Leber, Milz, Lymphknoten und Hirnhäute. Weil Leukämien von Anfang an nicht auf eine bestimmte Stelle im Körper begrenzt sind, nennt man sie auch bösartige Systemerkrankungen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • Hilke Stamatiadis-Smidt
    • 1
  • Harald zur Hausen
    • 1
  1. 1.Deutsches KrebsforschungszentrumHeidelbergDeutschland

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