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Sachenrecht pp 87-107 | Cite as

Eigentumserwerb vom Berechtigten

  • Hans Josef Wieling
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

§ 929, 1 enthält den Grundtatbestand des abgeleiteten Eigentumserwerbs, von welchem das Gesetz ausgeht: Das Eigentum wird erworben durch Einigung über den Eigentumsübergang sowie durch Übergabe der Sache. Das Gesetz entscheidet sich damit einmal für das Trennungsprinzip und gegen das Vertragsprinzip. Nach dem Vertragsprinzip, das z.B. im französischen Recht anerkannt ist, reicht für die Übereignung das Grundgeschäft (Kauf usw.) aus, das Eigentum geht schon mit dem Kaufvertrag über. Nach dem Trennungsprinzip ist zur Übereignung ein eigenes Übereignungsgeschäft erforderlich. Das Gesetz entscheidet sich in § 929, 1 weiter für das Traditionsprinzip: Die Übereignung fordert grundsätzlich eine Übergabe der Sache, eine dingliche Einigung reicht nicht aus. Es entscheidet sich schließlich zugunsten des Abstraktionsprinzips 1 gegen eine kausale Übereignung, d.h. der Eigentumserwerb ist unabhängig von der Existenz oder Wirksamkeit des Grundgeschäfts. Hieraus ergibt sich ferner, daß der Eigentumsübergang von der Kaufpreiszahlung unabhängig ist.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. § 1 III 3 c. Abstraktionsprinzip und Trennungsprinzip dürfen nicht verwechselt werden, vgl. Jauemig JuS 94, 721. Ist das Trennungsprinzip bejaht, so kann das Übereignungsgeschäft entweder kausal oder abstrakt sein.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. oben § I I 2.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. oben § 1 III 1 b.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. oben § I III 3 e aa.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Heck § 57 III; Baur-Stümer § 51 II 1 a; E. Wolf § 5 A III h.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. auch oben § 1 III 1 a.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. RG 12, 81 f.; Wolff-Raiser § 66 I 4 b.Google Scholar
  8. 8.
    Da erst Einigung und Übergabe zusammen das dingliche Rechtsgeschäft ausmachen, muß die Verfügungsbefugnis noch zur Zeit der Übergabe bestehen; da andererseits aber nur die Einigung ein Rechtsgeschäft ist, nicht aber die Übergabe, muß die Geschäftsfähigkeit nur bei der Einigung vorhanden sein, nicht mehr bei der Übergabe, vgl. J. vGierke § 31 I 1.Google Scholar
  9. 9.
    So z.B. auch O. vGierke § 133 III; Eichler II 1, 102 Fn. 40; Schwab-Prütting § 32 III pr.; Erman-Michalski § 929 N. 11.Google Scholar
  10. L0 Vgl. Soergel-Mühl § 929 N. 12; Jauemig § 929 N. 2 a.Google Scholar
  11. 11.
    Wenn er etwa die Sache dem Käufer nur leihweise überlassen will.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. oben § 4 IV 2.Google Scholar
  13. 13.
    Der Erwerber hat das gekaufte Buch seinem Freund F verliehen, er bittet den Veräußerer, das Buch dem F auszuhändigen, was geschieht.Google Scholar
  14. 14.
    Z.B.: Der Veräußerer hatte das verkaufte Buch an B verliehen, er weist den B an, das Buch an den Erwerber oder an F herauszugeben.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. etwa Damrau, JuS 78, 523; Staudinger-Wiegand § 929 N. 67 ff.; Musielak, JuS 92, 718.Google Scholar
  16. 16.
    Das ist hM., vgl. nur RG LZ 1918, 498; BGH WM 62, 820; BGH NJW 79, 714; Westermann-Westermann § 40 II 1; Staudinger-Wiegand § 929 N. 95 ff.; RGRK-Pikart § 929 N. 44.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. BGH WM 62, 820; Soergel-Mühl § 929 N. 5; RGRK-Pikart § 929 N. 27; Tiedtke, Jura 83, 475; Mormann, WM 66, 3.Google Scholar
  18. 18.
    So z.B. auch BGH NJW 79, 715; Wolff, JherJahrb 44, 188; Heck § 57 II; Soergel-Mühl § 929 N. 5; RGRK-Pikart § 929 N. 44.Google Scholar
  19. 19.
    Etwa: Der Eigentümer veräußert die im Safe liegenden Wertpapiere an den Erwerber und behält sich daran den Nießbrauch vor, indem er dem Erwerber einen der beiden Schlüssel übergibt (nach Wolff, JherJahrb 44, 188 ).Google Scholar
  20. 20.
    Johow, Begründung 390 ff., sprach von „Übergabe im weiteren Sinne“.Google Scholar
  21. 21.
    Etwa: Der Erwerber hat die Sache von einem Dieb gemietet.Google Scholar
  22. 22.
    D.h. der Entschluß, die Sache künftig nicht mehr als Eigenbesitzer, sondern als Fremdbesitzer oder Besitzdiener für einen anderen besitzen zu wollen.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. oben I 2 a.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. oben § 6 II 1 a.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. etwa BGH JZ 64, 130; Schwab-Prütting § 32 III 3; M. Wolf N. 406; Westermann-Westermann § 41 II 2 b; Baur-Stümer § 51 V 2.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. etwa Palandt-Bassenge § 930 N. 6; Soergel-Mühl § 930 N. 12; Wolff-Raiser § 67 I 1.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. RGRK-Pikart § 930 N. 25; Staudinger-Wiegand § 930 N. 18; Eichler II 1, 140; Lange § 50 IV 1 b.Google Scholar
  28. 28.
    So zutreffend etwa Wacke 69 ff.; Staudinger-Wiegand § 930 N. 18 ff.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. oben §6íI1,2.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. etwa Erman-Michalski § 930 N. 3; Soergel-Muhl § 930 N. 6; RGRK-Pikart § 930 N. 5; Wolff-Raiser § 67 I 3.Google Scholar
  31. 31.
    HM., vgl. etwa Schwab-Prütting § 32 III 4; Baur-Stümer § 51 VI 1 a.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. oben § 6 III 3 b.Google Scholar
  33. 33.
    So auch Westermann-Westermann § 42 II 4 a.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. dazu oben § 6 III 2 a.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. etwa Lange § 50 V 2; Schwab-Prütting § 32 III 4; Westermann-Westermann § 42 II 4 b.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. dazu Larenz AT § 14 IV.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. oben § I I 2; II I b.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. etwa Baur-Stürner § 51 VI 1 b; E. Wolf § 5 A VII c 4.Google Scholar
  39. 39.
    J. vGierke § 31 V 2; Wolff-Raiser § 67 II 2.Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. Heck § 57 II.Google Scholar
  41. 41.
    Zum Miteigentum allgemein vgl. oben § 8 III 2.Google Scholar
  42. 42.
    D.h. die Einwilligung oder die Genehmigung, §§ 183, 184.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl. § 182 II.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. § 182 I.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. oben § 1 III 1 a.Google Scholar
  46. 46.
    Das gilt auch für Besitzerwerb nach § 854 II.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. oben § 4 IV 2.Google Scholar
  48. 48.
    Vgl. Soergel-Mühl § 929 N. 13; RGRK-Pikart § 929 N. 55.Google Scholar
  49. 49.
    Vgl. etwa Schwab-Priitting § 32 III 3; Baur-Stümer § 51 V 5; Wolff-Raiser § 67 I 4; Westermann-Westermann § 43 IV 2.Google Scholar
  50. 50.
    Von anticipare, vorwegnehmen, vgl. die Glosse von Liebs, Das antekapierte Besitzkonstitut, JZ 72, 751.Google Scholar
  51. 51.
    Der allgemein übliche Ausdruck ist ungenau, weil nicht nur das Besitzkonstitut antizipiert wird, sondern auch die dingliche Einigung.Google Scholar
  52. 52.
    Regelmäßig handelt es sich um Sicherungsübereignungen.Google Scholar
  53. 53.
    Vgl. BGH 21, 55. Auch die Übereignung nur der pfändbaren Sachen ist unwirksam, vgl. BGH JZ 88, 471.Google Scholar
  54. 54.
    Serick II 166 ff.Google Scholar
  55. 55.
    Vgl. BGH WM 60, 1226; BGH JZ 84, 199.Google Scholar
  56. 56.
    Vgl. etwa BGH 28, 20; BGH NJW 79, 977; Palandt-Bassenge § 930 N. 4; Soergel-Mühl § 930 N. 7 und 40.Google Scholar
  57. 57.
    BGH 21, 56; BGH WM 66, 95; Soergel-Mühl § 930 N. 7 und 43; RGRK-Pikart § 930 N. 28; Jauemig § 930 N. 4 a.Google Scholar
  58. 58.
    Vgl. den Fall RG 140, 223 ff.Google Scholar
  59. 59.
    Vgl. Cohn, Das rechtsgeschäftliche Handeln für denjenigen, den es angeht, 1931.Google Scholar
  60. 60.
    Vgl. etwa Soergel-Muhl § 929 N. 14; Erman-Brox § 164 N. 9; Eichler II 1, 104.Google Scholar
  61. 61.
    So zu Recht etwa Eichler II I, 104; Soergel-Schultze-vLasaulx 39 vor § 164; MünchenerKThiele § 164 N. 44; BGH NJW 55, 590.Google Scholar
  62. 62.
    Zu Entwicklung und Dogmatik des Geheißerwerbs vgl. neuestens die lesenswerte Dissertation von Franz-Josef Kolb, Geheißerwerb, 1997.Google Scholar
  63. 63.
    Vgl. etwa Baur-Stümer § 51 III 3; Jauernig § 929 N. 3 g; Soergel-Mühl § 929 N. 7; M. Wolf N. 402; BGH NJW 86, 1166.Google Scholar
  64. 64.
    Das ist hM., vgl. etwa BGH WM 69, 831; NJW 73, 142; JZ 82, 683; E. Wolf § 5 A IV c 2; Eichler II 1, 101 Fn. 33; M. Wolf N. 402.Google Scholar
  65. 65.
    Wie Wadle, JZ 74, 693 überzeugend dargelegt hat. Nach § 934 (2) wird der Erwerber Eigentümer, wenn der dritte Besitzer diesem auf Geheiß des Veräußerers die Sache übergibt, vgl. unten § 10 III 4 c.Google Scholar
  66. 66.
    Das ist hM., vgl. etwa BGH 36, 60; BGH JZ 75, 29; Erman-Michalski § 929 N. 10; PalandtBassenge § 929 N. 17.Google Scholar
  67. 67.
    Entsprechend steht das Eigentum an einem Schuldschein dem Inhaber der Forderung zu, § 952Google Scholar
  68. 68.
    Vgl. Erman-Hefermehl § 952 N. 3; Baur-Stümer § 53 d I 2.Google Scholar
  69. 69.
    Übergabe ist erforderlich etwa beim Hypothekenbrief, § 1154 I; bei der Anweisung, § 792 I 3; entsprechend bei Rektawechsel und Rektascheck sowie bei der Übertragung von Wechseloder Scheckforderungen nach § 398. Die Besitzübergabe erfolgt in den Formen der §§ 929931.Google Scholar
  70. 70.
    Das ist der Vertrag des Ausstellers des Wertpapiers mit dem ersten Nehmer, durch welchen das verbriefte Recht bestellt wird, vgl. dazu Palandt-Thomas § 793 N. B.Google Scholar
  71. 71.
    So etwa Westermann-Gursky § 55 II 2; Wolff-Raiser § 75 II Fn. 13; Schwab-Prütting § 40 I.Google Scholar
  72. 72.
    So auch vTuhr I S. 67 Fn. 9; Baur-Stümer § 53 d III 4; § 952 N. 18.Google Scholar
  73. 73.
    Inhaberpapiere sind Wertpapiere, bei denen die Leistung an den jeweiligen Inhaber versprochen wird; sie kann nur von dem geltend gemacht werden, der im Besitz des Papiers ist; Beispiele sind Inhaberschuldverschreibungen nach § 793.Google Scholar
  74. 74.
    Beispiele sind etwa Wechsel und Scheck. Es gelten zwar nicht die §§ 932 ff., wohl aber die weitgehend entsprechenden Regeln in Art. 16 WG, Art. 21 ScheckG, § 365 HGB, welche den Schutz des gutgläubigen Erwerbers noch über die §§ 932 ff. ausdehnen.Google Scholar
  75. 75.
    Er ist ferner mittelbarer Besitzer, die verwahrende Bank Besitzmittler.Google Scholar
  76. 76.
    Vgl. dazu Peters, JuS 76, 426 f.Google Scholar
  77. 77.
    Zu den gesetzlichen Grundlagen vgl. Heinsius-Horn-Than, Depotgesetz (1975) § 42 N. 8-20.Google Scholar
  78. 78.
    Vgl. BGH 5, 31; auch OLG Zweibrücken WM 65, 1015 f.Google Scholar
  79. 79.
    Zur Verpfändung von Bundesschatzbriefen vgl. LG Konstanz WM 88, 818, 1125.Google Scholar
  80. 80.
    Vgl. Zöllner, FS. Raiser (1974) 261 ff.; Heinsius-Hom-Than § 42 N. 31 ff.Google Scholar
  81. 81.
    Vgl. dazu etwa Brox, Handelsrecht und Wertpapierrecht (12. Aufl. 1996 ) N. 713 ff.Google Scholar
  82. 82.
    Zu den Theorien vgl. etwa Heymann, FG. Felix Dahn III (1905) 106 ff.; Staub-Canaris, HGB 3. Aufl. 1978 ff., § 363 N. 75 ff.Google Scholar
  83. 83.
    Vgl. etwa Soergel-Mühl § 931 N. 11; Schlegelberger-Hefermehl, HGB, 5. Aufl. 1976, § 363 N. 57.Google Scholar
  84. 84.
    Vgl. Schnauder, NJW 91, 1546.Google Scholar
  85. 85.
    Das SchiffsRG (RGBI I 1940, 1499 ff.) regelt das materielle Schiffssachenrecht, während die Schiffsregisterordung (RGBI I 1940, 1591 ff.; BGBl I 1951, 360 ff.; BGB1 I 1980, 833 ff.) das formelle Recht regelt, ähnlich der Grundbuchordnung.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1997

Authors and Affiliations

  • Hans Josef Wieling
    • 1
  1. 1.Oberlandesgericht KoblenzFachbereich Rechtswissenschaften Universität TrierTrierDeutschland

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