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Kognitive Funktionen und Denken

  • N. Birbaumer
  • R. F. Schmidt
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Der Sprengmeister Phineas Gage erledigte Scine Arbeit gewissenhaft und war zu Hause ein „vorbildlicher“ Familienvater. Bei einer frühzeitigen Detonation drang der Eisenstab, den er zum Feststampfen des Dynamits im Sprengloch nutzte, in Scin Stirnhirn ein. Er überlebte und nach Sciner Genesung zeigten sich in vieler Hinsicht keine besonderen Ausfälle. So war Scine Intelligenz unverändert, Scin Gedächtnis gut und Scine Sinnesfunktion und die Bewegungsabläufe normal. Aber Scin Verhalten war und blieb verändert: Arbeit und Familie interessierten ihn nicht mehr, er lebte in den Tag hinein, wurde unzuverlässig und vulgär. Mit der Zerstörung eines großen Teils Scines präfrontalen Kortex war es zum Ausfall einer großen Gruppe spezifischer kognitiver Funktionen gekommen, die auch für unser Sozialverhalten von großer Bedeutung sind.

Unter kognitiven Funktionen verstehen wir alle bewußten und nicht bewußten Vorgänge, die bei der „Verarbeitung“ von Organismus-externer oder -interner Information ablaufen, Z.B.Verschlüsselung (Kodierung),Vergleich mit gespeicherter Information, Verteilung der Information, Entschlüsselung und sprachlich-begriffliche Äußerung. Als psychische Funktionen grenzen wir Denken, Gedächtnis und Wahrnehmung von den Trieben und Gefühlen als psychische Kräfte ab.

Unterschiedliche Regionen des Neokortex sind für die Durchführung verschiedener Denkprozesse spezialisiert. Die linke Hemisphäre für regelhafte zeitliche Abläufe, daher auch für die syntaktischen Anteile der Sprache. Für die Planungs- und Selbstkontrollfähigkeit des Menschen spielt der präfrontale Kortex eine bedeutsame Rolle, während die posterioren Anteile des Kortex mit den dort einlaufenden sensorischen Systemen verbunden sind.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

Authors and Affiliations

  • N. Birbaumer
  • R. F. Schmidt

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