Systemische Familienorientierung in psychiatrischen Organisationen

  • J. Schweitzer
  • E. Nicolai

Zusammenfassung

Unser Beitrag1 will schildern, wie systemthera-peutische Haltungen und Techniken im Versor-gungsalltag psychiatrischer Einrichtungen so integriert werden können, dass folgende Ziele realisiert werden:
  1. 1.

    Angehörigenorientierung: Familienangehörige, aber auch andere wichtige Menschen aus dem sozialen Netz des Patienten, werden von vorne-herein in die Behandlung einbezogen, um zur Lösung sowohl der Probleme des Patienten als auch ihrer eigenen Probleme im Umgang mit dem Patienten beizutragen.

     
  2. 2.

    Systemische Selbstreflexion, kontextuelles Krankheitsverständnis, endliche Psychiatrie: Dabei werden Gesprächsformen gepflegt, die allen Beteiligten zu verstehen helfen, wie sie selbst zum Problem und zur Lösung beitragen (können). Dabei wird die Idee eines jederzeit wieder möglichen Ausstiegs aus psychiatrischen Karrieren offengehalten, deren Chronifizierung als interpersonelles Artefakt (Ciompi 1980) in Frage gestellt.

     
  3. 3.

    Organisationsökonomie und multiple Kundenorientierung: Systemische Familiengespräche werden in den psychiatrischen Alltag so integriert, dass die Interessen nicht nur der unmittelbaren Nutzer psychiatrischer Dienstleistungen (Patienten und Angehörige), sondern auch der Mitarbeiter nach Arbeitserleichterung und -bereicherung sowie der Träger nach institutioneller Existenzsicherung berücksichtigt werden.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2002

Authors and Affiliations

  • J. Schweitzer
  • E. Nicolai

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