Träume in der Behandlung von Patienten mit schweren Ich-Störungen

  • C. Rohde-Dachser

Zusammenfassung

Die Arbeit mit Träumen in der psychoanalytischen Therapie von Patienten mit schweren Ich-Störungen unterscheidet sich sowohl in der Zielsetzung als auch in der technischen Handhabung wesentlich von dem Umgang mit Träumen, wie er in der Psychoanalyse neurotischer Patienten üblich ist. In der Neurosebehandlung soll der Traum den Zugang zu den verdrängten neurotischen Konflikten des Patienten ebnen und bislang unbewußtes Material ans Tageslicht fördern, das auf diese Weise allmählich ins Ich des Patienten integriert werden kann. Der Patient ist dabei in der Regel aufgefordert, zu den einzelnen Elementen seines Traumes frei zu assoziieren. Im typischen Fall erweisen sich diese Einfallsketten dann durch eine unbewußte zentrale Vorstellung verbunden, die der Analytiker in seiner Deutung aufgreift und dem Patienten nahe bringt. Man gelangt auf diese Weise vom manifesten Trauminhalt zu seiner latenten Bedeutung und damit zum verdrängten unbewußten Wunsch, der auch noch im Traum einer Zensur unterliegt und deshalb auf diesem indirekten Wege erschlossen werden muß (Freud 1900, 1901). Der damit regelhaft verbundene regressive Prozeß, das „Rückgleiten“ (Kemper 1977) auf frühere Entwicklungsphasen und die mit ihnen verbundenen Erlebensweisen, gilt in der Analyse neurotischer Patienten als erwünscht und stellt oft eine notwendige Durchgangsstufe dar für die angestrebte Umstrukturierung und schließliche Integration der Persönlichkeit auf einem reiferen Niveau.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1983

Authors and Affiliations

  • C. Rohde-Dachser

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