Chirurgie pp 655-675 | Cite as

Rektum und Anus

  • M. von Flüe
  • F. Harder
Part of the Springer Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Anorektale Erkrankungen sind häufig. Diagnostisch ist das Anorektum sehr gut zugänglich, so daß mit wenig-invasiven Untersuchungsmethoden praktisch sämtliche Erkrankungen morphologisch und funktionell definiert werden können. Mit Hilfe des anorektalen Labors können die defäkationssteuernden Parameter objektiv erfaßt werden. Damit können die spezifischen Erkrankungen gezielt angegangen werden. Mit Hilfe neuerer Untersuchungsmethoden, wie z. B. der ana-len Sonographie, können gutartige anale Erkrankungen, wie Abszesse, Fisteln, Muskeldefekte und Tumoren bildlich mit ausgezeichnetem Auflösungsvermögen dargestellt werden. Bei den bösartigen Erkrankungen läßt sich schon präoperativ ein exaktes Tumor-Staging durchführen. In Abhängigkeit des Tumorstadiums kann deshalb die Indikation zu einer neoad-juvanten (präoperativen) Therapie objektiv gestellt werden. Eine weitere Bedeutung kommt dem anorektalen Labor bei der Indikationsstellung zur sphinktererhaltenden Chirurgie zu. Durch präoperative Erfassung des analen Sphinkterappa-rates ist das Risiko einer postoperativen Dekompensation besser abschätzbar.

Gutartige anorektale Erkrankungen beinhalten insbesondere das Hämorrhoidalleiden, gefolgt vom analen Abszeß und von Fistelerkrankungen. Defekte des Sphinktermuskels mit Stuhlinkontinenz sind selten und betreffen meist Frauen im geburtsfähigen Alter oder Menschen im fortgeschrittenen Alter. Bei all diesen Erkrankungen werden meist befriedigende chirurgische Behandlungsergebnisse erreicht. Bei den bösartigen Erkrankungen kommt das Rektumkarzinom häufiger als das Analkarzinom vor. Beim Rektumkarzinom kann je nach Tumorstadium mittels Rektumresektion und unter Berücksichtigung der onkologisch-chirurgischen Prinzipien eine kurative Situation erzielt werden. Dank zunehmenden Wissens über das Wachstumsverhalten und Metastasierungsmuster in diesem anatomischen Gebiet konnte in den letzten Jahren die Anzahl der den Patienten belastenden Sphinkterresektionen erheblich gesenkt werden. Beim Analkarzinom kann die Situation meist mit einer kombinierten Radiochemotherapie beherrscht und somit eine Operation, d. h. Resektion des anorektalen Apparates, vermieden werden.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2001

Authors and Affiliations

  • M. von Flüe
  • F. Harder

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