Augenheilkunde pp 279-291 | Cite as

Subjektive Untersuchungsmethoden des Facharztes

  • Wolfgang Leydhecker
  • Franz Grehn
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Die Sehschärfe 1,0 bedeutet das Erkennen zweier Objektpunkte, die unter einem Gesichtswinkel von 1 Minute erscheinen. Sie wird mit Optotypen mit entsprechender Balkenbreite geprüft. Die Sehschärfe kann auch besser sein, nicht selten beträgt sie bei Jugendlichen 1,6. Die Sehschärfe sinkt außerhalb der Makula steil ab. Bei trüben Medien orientiert man sich mit dem Retinometer, ob z.B. eine Staroperation eine gute postoperative Sehschärfe erwarten läßt.

Das Gesichtsfeld wird mit dem Perimeter geprüft, wozu untersucherunabhängige, computergesteuerte Geräte bevorzugt verwendet werden. Dabei leuchten in einer Halbkugel Lichtpünktchen unterschiedlicher Leuchtdichte an verschiedenen Stellen des Gesichtsfelds auf, deren Wahrnehmung der Untersuchte angeben soll. Mit der Fingermethode (Konfrontationstest) kann man nur Quadranten- oder Halbseitenausfälle des Gesichtsfelds finden.

Farbsinnstörungen kommen angeboren bei 8% der Männer vor. Eselsbrücke: Prot anomale sind rotschwach (1,6%), Deuteranomale grünschwach. Die Betroffenen sind für viele Berufe ungeeignet. Man orientiert sich mit Farbtafeln von Ishihara und untersucht genauer mit dem Anomaloskop oder dem Farnsworth-Munsell-Test. Hierbei werden die Zapfen geprüft. Bei der Dunkeladaptation untersucht man die Stäbchenfunktion, die ebenso wie die Blendungsempfindlichkeit für den Straßenverkehr wichtig ist. Die Zapfen dienen dem Farbsehen und dem Scharfsehen, die Stäbchen dem peripheren Erkennen und dem Dämmerungssehen (Duplizitätstheorie).

Die Untersuchung des Raumsinns und der sensorischen Zusammenarbeit beider Augen (Korrespondenz, Fusion) sind in Kapitel 24 und 25 geschildert.

Der Patient muß durch seine Angaben bei der Untersuchung mitwirken. Je nach dem Grad seiner Intelligenz, Übung, Reaktionsgeschwindigkeit und Selbstkritik kann eine subjektive Untersuchung einfach oder äußerst schwierig sein, zumal man ja stets bis an die Schwelle des individuellen Wahrnehmens prüft, wo auch bei den Geübtesten die Angaben naturgemäß schwanken. Sind bei dem Patienten die okulären oder zerebralen Funktionen vermindert oder trifft gar beides zusammen, so braucht der Arzt sehr viel Geduld und Selbstbeherrschung. Die Fähigkeiten und das Verhalten des Untersuchers beeinflussen das Ergebnis. Die automatisierte Perimetrie vermeidet untersucherabhängige Variabilität und war deshalb ein großer Fortschritt. Aber auch hierbei muß man den Kranken freundlich anleiten, sein Verständnis prüfen, seine Ermüdung berücksichtigen, die Programme entsprechend seinen Fähigkeiten auswählen und die Angaben kritisch auswerten.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Leydhecker
    • 1
  • Franz Grehn
    • 2
  1. 1.Universitäts-Augenklinik im Kopfklinikum WürzburgWürzburgDeutschland
  2. 2.Universitäts-AugenklinikMainzDeutschland

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