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Psychische Auffälligkeiten bei chirurgischen Patienten

  • Karl-Josef Paquet
  • Borislav Savić
Part of the Heidelberger Taschenbücher book series (HTB, volume 196)

Zusammenfassung

Der Aufenthalt in einer Chirurgischen Klinik bedeutet für den Patienten einen außergewöhnlichen psychischen Streß. Die bis dahin meist gesunden Menschen werden mehr oder weniger plötzlich mit den Gedanken an den Tod, den ungewissen Ausgang der eventuellen Operation und die Bedeutung für ihre eigene Zukunft und die ihrer Familie konfrontiert. Hinzu kommt, daß sie in dem Zustand erhöhter psychischer Anspannung aus ihrer vertrauten in eine fremde Umgebung kommen. Die Art und Weise, wie sich jemand mit diesem Gedanken auseinandersetzt, hängt im wesentlichen davon ab, wie er sonst in schwierigen Lebenssituationen reagiert. Bei der Entstehung von psychischen Auffälligkeiten wirken auch krankenhausspezifische Faktoren mit. So ist z. B. das sogenannte »Intensiv-Station-Syndrom« multifaktoriell bedingt: Schlafentzug, Angst, Alteration durch sehr starke Unruhe in der Umgebung und verschiedene unangenehme Geräusche wie z. B. durch die Respiratoren; Nach- und Nebenwirkung der Medikamente. Zum Teil lassen sich Angstzustände durch ausreichende Aufklärung sowie verständnisvolles und umsichtiges Verhalten des Personals während der Behandlung mildern. Während eines Langzeitaufenthaltes im Krankenhaus entstehen ganze Paletten psychischer Auffälligkeiten, die die besondere Rücksichtnahme des gesamten Personals verlangen, weil sie beachtlichen Einfluß auf den Ausgang der Behandlung haben können. Eine ganze Reihe psychischer Auffälligkeiten haben organische Gründe, z. B. Hypoxie oder andere Stoffwechselentgleisungen, schlecht tolerierte und langandauernde Schock- bzw. Hypoperfusionsphase (sogenannte »exogene Psychosen«). Es sei mit Nachdruck betont, daß die Diagnose einer psychischen Auffälligkeit mit äußerster Sorgfalt und erst nach sicherem Ausschluß von organischen Ursachen zur Diskussion gestellt werden darf und durch einen hinzugezogenen kompetenten Neuropsychiater bestätigt werden muß, der die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen verordnet.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1978

Authors and Affiliations

  • Karl-Josef Paquet
    • 1
  • Borislav Savić
    • 1
  1. 1.Chirurgischen Universitätsklinik BonnBonn, VenusbergDeutschland

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