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Untersuchungskonzepte

  • Elisabeth Noelle-Neumann
  • Thomas Petersen

Zusammenfassung

Im vorangegangenen Kapitel haben wir die Grundtechniken der Analyse von Umfrageergebnissen beschrieben, 200 Seiten davor haben wir uns mit den Methoden der Fragebogenentwicklung beschäftigt. Aber natürlich gehören diese beiden Kapitel eigentlich viel enger zusammen als es nach dem Abstand in diesem Buch scheint. Erinnern wir uns: Am Beginn einer Erhebung steht nicht die Formulierung des Fragebogens, sondern die Aufzeichnung der Untersuchungsziele.1 Was soll untersucht, getestet, überprüft werden? Sollen Ursachen oder Wirkungen erforscht werden, Entwicklungen im Zeitverlauf, psychologische Befindlichkeiten? Sollen Prognosen für die Zukunft erstellt werden, Werbestrategien für Unternehmer, Wahlkampfthemen für Politiker, Entscheidungsgrundlagen für Zivilgerichte erarbeitet werden? Je nachdem, wie die Antwort auf die Frage nach dem Untersuchungsziel ausfällt, wird das geeignete Konzept ausgewählt oder bei Bedarf neu entwickelt. Die Untersuchungsanlage bestimmt beides: Fragebogen und Analyse. Es empfiehlt sich, nach Abschluß der Arbeiten am Fragebogen sofort das Protokoll zu schreiben, in dem festgehalten ist, welchen analytischen Zwecken die Fragen, die verwendeten Untersuchungsmodelle dienen sollen. Fragebogen und Analysemethoden bilden eine Einheit, sind Bestandteil eines Konzeptes, das von Fall zu Fall sehr unterschiedlich aussehen kann. Die Vorstellung, repräsentative Umfragen seien in ihrer Anlage starr, wenig variabel und letztlich phantasielos und unkreativ (Stichwort: »Nasenzählen«), ist leider auf den Einzelfall bezogen manchmal richtig, grundsätzlich aber ist sie vollkommen falsch! Man muß bewußt nach Methoden, Frage- und Analysetechniken suchen, die dem jeweiligen Untersuchungsziel angepaßt sind und die das Entdeckungspotential der Umfragen steigern. Das Ziel ist immer — neben der Beantwortung der jeweiligen konkreten Forschungsfrage — die Ergebnisse so wenig wie möglich durch vorher gefaßte Annahmen zu dirigieren, sondern möglichst viel Raum für unerwartete Ergebnisse zu schaffen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

Authors and Affiliations

  • Elisabeth Noelle-Neumann
    • 1
  • Thomas Petersen
    • 1
  1. 1.Institut für Demoskopie AllensbachAllensbachDeutschland

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