Alfentanil pp 243-259 | Cite as

Vergleich der analgetischen Potenz von Alfentanil und Fentanyl anhand von Katecholaminspiegeln und Kreislaufparametern bei experimentellen Intubationsnarkosen

  • H. Suttmann
  • A. Doenicke
  • N. Akenheil
  • D. Eppich
  • Ch. Bretz
Conference paper

Zusammenfassung

Die analgetische Potenz von Fentanyl und Alfentanil wurde am Modell einer experimentellen Intubationsnarkose untersucht.

6 Probanden erhielten insgesamt 0, 2 mg/70 kg KG Fentanyl, weitere 6 Probanden 1, 89 mg/70 kg KG Alfentanil. 1/4 der Dosis wurde 10 min vor Narkoseeinleitung verabreicht. Die restlichen 3/4 erhielten die Probandenkurz nach der Einleitung mit Etomidt (0, 2 mg/kg KG), 2 min vor der Intubation. Die Relaxierung erfolgte mit 1, 2 mg/kg KG Suxamethonium. Nach der Intubation wurde bis zum Erwachen mit Raumluft beatmet. Der Ermittlung der Plasmakinetik von Alfentanil bzw. Fentanyl dienten 7 Blutabnahmen während der 115-minütigen Monitoringphase.

Die Intubationsdauer richtete sich nach klinischen Zeichen und der Hirnstromaktivität. Neben dem Blutdruck und der Herzfrequenz wurden die Plasmaspiegel von Noradrenalin und Adrenalin zu 4 verschiedenen Zeitpunkten gemessen. Die Atemaktivität wurde mittels pneumotachografischer Registrierung und kontinuierlicher Analyse der Sauerstoff- und Kohlen-dioxydpartialdrücke während des gesamten Versuchs kontrolliert.

Das in einer vorangegangenen Dosisfindungsstudie ermittelte Wirkver-hältnis zwischen Alfentanil zu Fentanyl von 9:1 konnte anhand der Streßreaktionen nach Intubation bestätigt werden. Allerdings zeigte sich, daß 1, 89 mg/70 kg KG Alfentanil, bzw. 0, 2 mg/70 kg KG Fentanyl nur in 2/3 der Fälle eine für die Intubation ausreichende Analgesie bewirken. Sowohl in der Fentanylgruppe als auch in der Alfentanilgruppe kam es bei jeweils 2 Probanden zu dramatischen Anstiegen der Katecholaminspiegel. In je einem der Fälle stieg der Adrenalinspiegel von etwa 45 ng/ml auf über 1100 ng/ml an (Faktor 25!)

Für alle Kreislaufparameter ergab sich eine ausgezeichnete Beziehung zu den Plasmakatecholaminen. Unter der Annahme eines linearen Zusammenhangs errechnete sich z.B. für die Korrelation zwischen der Herzfrequenz und dem Adrenalinspiegel ein Korrelationskoeffizient von r=0,89.

Die Dauer der Narkose betrug in beiden Gruppen im Mittel 14,5 min. Zum Zeitpunkt der Extubation wurde in der Alfentanilgruppe eine Plasmakonzentration von etwa 80 ng/mi gemessen. In der Fentanylgruppe betrugen die Plasmakonzentrationen zum gleichen Zeitpunkt 1,25 ng/ml.

Trotz der teilweise mangelhaften Analgesie konnte in einem Zeitraum von 1,5 h nach der Extubation für beide Substanzen eine atemdepressive Nachwirkung festgestellt werden. Die Abnahme der atemdepressiven Wirkung zeigte zwischen der 30. und 150. min für Alfentanil einen steileren Verlauf als für Fentanyl.

Bei der Schmerzempfindung handelt es sich um einen komplexen Vorgang, an dem sowohl emotionale, als auch vegetative und nociceptive Vorgänge beteiligt sind. Entsprechend vielfältig sind die Methoden, die entwickelt wurden, um Schmerz und Schmerzausschaltung zu messen. In tierexperimentellen Untersuchungen stützt man sich in der Regel auf nociceptive Reflexe wie z.B., im “hot plate” Test oder im “tail withdrawel” Test usw. [10].

Die experimentelle Messung von Schmerz und Schmerzschwellenveränderungen beim Menschen gestaltet sich erheblich schwieriger, da 1. eine Traumatisierung der untersuchten Person vermieden werden muß und 2. die unterschiedliche Einstellung und psychische Konstellation von Patienten und Probanden kaum zu standardisierende Einflußgrößen darstellen [3,19],

Beim Einsatz starker Analgetika zu Narkosezwecken vereinfacht sich die Situation. Psychische Konstellation und subjektive Bewertung werden durch Hypnotika ausgeschaltet. Nociceptive Reflexe können durch Muskelrelaxantien unterdrückt werden. Lediglich die vegetativen Reaktionen wie Herzfrequenzbeschleunigung und Blutdruckanstieg bleiben als Indikatoren für Schmerzreize erhalten. Diese Parameter können kontinuierlich und exakt gemessen werden.

Wie in zahlreichen Untersuchungen belegt wurde, sind die KreislaufVeränderungen bei Schmerzreizen mit einem Anstieg der Plasmakatecholamine verbunden. Es liegt daher nahe, neben dem Kreislaufmonitoring die Bestimmung der Adrenalin- und Noradrenalinkonzentrationen vorzunehmen [2,5,6,8,9,12, 13,14,18].

Während sich die Messung vegetativer Reaktionen unter Narkosebedingungen einfach gestaltet, ergeben sich Schwierigkeiten bei der quantitativen Einschätzung von Streßreizen. Unterschiedliche Operationssituationen führen zu sehr variabler Schmerzbelastung.

Ein Streßreiz, der bei allen Eingriffen in Narkose immer wieder gleich ausfällt, ist die Intubation. In klinischen Untersuchungen konnte belegt werden, daß die Kreislaufreaktion und der Katecholaminanstieg bei der Intubation mit den Veränderungen wie sie durch den Hautschnitt oder die Eröffnung des Peritoneums hervorgerufen werden gleichzusetzen sind [7].

Potente Analgetika sind in der Lage, auch die durch den Intubationsreiz hervorgerufenen Streßreaktionen zu unterdrücken [11,17,20]. Ausgehend von dieser Erfahrung sollte die analgetische Potenz von Alfentanil im Vergleich zu Fentanyl am Modell einer experimentellen Intubationsnarkose bestimmt werden [4]. Zur Narkoseeinleitung wurde Etomidat verwandt, das neben seiner hypnotischen keine analgetische Wirkung besitzt. Auf eine Schleimhautanalgesie des Larynx durch Xylocainspray wurde verzichtet, um die analgetische Potenz von Alfentanil und Fentanyl bei der Intubation ungestört erfassen zu können.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1986

Authors and Affiliations

  • H. Suttmann
  • A. Doenicke
  • N. Akenheil
  • D. Eppich
  • Ch. Bretz

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