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Zentralnervensystem

  • Alexander v. Muralt

Zusammenfassung

Die Untersuchung des Zentralnervensystems begegnet großen Schwierigkeiten. Als Ganzes ist das System gut geschützt gelagert und daher experimentell sehr unzugänglich. Die Isolierung einzelner Abschnitte ist nur durch ganz drastische Eingriffe (Halsmarkdurchtrennung usw.) durchzuführen. Mehr als jedes andere Funktionssystem im Körper wird die Tätigkeit einzelner Abschnitte und Zentren von den anderen beeinflußt und durch Isolierung grundlegend verändert. Die größte Schwierigkeit ergibt sich daraus, daß die einzelnen Abschnitte neben den eigenen autonomen Funktionen noch die Leitung zu über- und untergeordneten Zentren besorgen, so daß letztere bei Isolierungen auf jeden Fall beeinträchtigt werden. Mehrere grundlegende Richtungen haben auf dem schwierigen Arbeitsgebiet zu Erfolgen geführt und versprechen weitere Erfolge. Durchschneidungsversuche, operative Entfernung und Einstichversuche, verbunden mit dem Studium der Ausfallserscheinungen bei umschriebenen Schädigungen, haben zur Erkennung der wichtigen Zentren und ihrer Zusammenhänge, die Verfolgung der Degenerationserscheinungen in den Leitungen zur Erkennung der mit diesen Zentren zusammenhängenden Bahnen geführt. Die moderne Weiterentwicklung dieser Arbeitsrichtung ist die verfeinerte Ausbildung des Verfahrens „punktförmiger“ elektrischer Reizung durch Hess 3, wobei die genaue Lage des Reizortes nachträglich an Schnitten festgestellt wird. Eine andere Richtung benützt die afferenten und efferenten Bahnen des Zentralnervensystems, um durch natürlich oder künstlich erzeugte Erregungswellen die Reaktion des zentralen Organs auf verschiedene Versuchssituationen zu untersuchen (Sherrington 4 und seine Schule). Die Untersuchung der elektrischen Erscheinungen hat in den letzten Jahren durch Verwertung der Verstärkertechnik Fortschritte gemacht. Die langsamen und raschen Potentialschwankungen im Rückenmark und die elektrischen Zustandsänderungen im Zusammenhang mit der Tätigkeit höherer Zentren (Encephalogramme) beginnen sich zu einem Bild zu fügen1. Trotz aller Fortschritte kann man sich der Tatsache nicht verschließen, daß die Physiologie des Zentralnervensystems noch in den ersten Anfängen steht.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1943

Authors and Affiliations

  • Alexander v. Muralt
    • 1
  1. 1.BernSchweiz

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