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Alkoholmißbrauch im sozialen und kommunikativen Raum

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Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiete der Psychiatrie book series (PSYCHIATRIE, volume 61)

Zusammenfassung

Psychopathologie und Verlauf schizophrener Psychosen zeigen eine ausgesprochene soziale Reaktivität und Abhängigkeit vom “Netzwerk” sozialer Bezüge (Angermeyer 1988). Dies gilt auch für den Alkoholmißbrauch Schizophrener. Die von manchen Autoren vermutete Zunahme von Schizophrenien mit begleitendem Alkoholabusus (und überhaupt von schizophrenen Psychosen mit komplizierendem Substanzmißbrauch) würde, sollte sie zutreffen, gleichsinnig auf Wandlungen des soziokulturellen Umfeldes verweisen und — umgekehrt — die “Umweltlabilität” schizophrener Symptommanifestationen bestätigen. Eine relative Unvereinbarkeit von psychotischer Störung und Substanzmißbrauch (Matussek 1958a, Sattes 1975) mag zwar für die “umweltstabileren” endogen-depressiven Erkrankungen gegeben sein, zumal solche mit depressiv-gehemmter Symptomatologie. Für die Gruppe der schizophrenen Psychosen dagegen haben wir von einer möglichen Koexistenz von psychotischer Abwandlung und Mißbrauchsverhalten auszugehen. Es ist daher denkbar, daß veränderte therapeutische Rahmenbedingungen — Ausweitung der ambulanten Versorgungssysteme, Liberalisierung der psychiatrischen Anstalten und Rückgang langfristiger Hospitalisierungen — das Risiko schizophren Kranker erhöht haben, in einen Substanzmißbrauch zu geraten. (Wieder-) Eingliederung in die Gesellschaft und Nähe zur Sozietät bedingen auch Teilhabe an gesamtgesellschaftlichen Risikolagen. Verbesserte Behandlungsformen dürften somit der Bereitschaft Vorschub leisten, sich der zahlreichen, legal oder illegal erhältlichen psychotropen Substanzen zu bedienen. Individuelle und soziale Gefahrsituationen nehmen Einfluß auf die Manifestation eines toxikophilen Bewältigungsstils. Schizophrene Bewältigungsweisen mit Substanzmißbrauch sind daher nicht zuletzt Resultat eines sozialisatorischen Prozesses: der, wie man sagen könnte, schizophrenen Tertiärsozialisation.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  1. 1.Zentrum Psychologische MedizinMedizinische Hochschule HannoverHannover 61Deutschland

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