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Die mongoloide Idiotie (Mongolismus)

Part of the Enzyklopaedie der Klinischen Medizin book series (EKM, volume Spez. Tl)

Zusammenfassung

ist ein seltsames und recht häufiges Leiden unbekannter Natur. Eine erbliche Anlage liegt nicht zugrunde. Öfters sind Erschöpfungszustände der Mutter, z. B. zahlreich vorausgegangene Geburten im Spiel. Es entwickelt sich schon in den ersten Monaten und führt zu typischen körperlichen Störungen, die es dem Erfahrenen leicht kenntlich machen. Die Physiognomie ist in einigermaßen ausgeprägten Fällen ganz charakteristisch (siehe S. 16). Die lange Zunge beleckt die rauhe Haut der Umgebung des meist offen gehaltenen Mundes. Der Gaumen ist steil und hoch. Häufig sind adenoide Wucherungen vorhanden. Neben der Physiognomie fallen die mißgebildeten Ohrmuscheln auf. Das Hinterhaupt ist flach. Die Kleinfinger sind einwärts gekrümmt Ganz besonders hervorstechend ist eine ungemeine Schlaffheit der Gelenke (siehe Abb. 101) mit Muskelhypotonie, so daß man die Füße mit Leichtigkeit vornüber hinter die Ohren bringen kann. Dazu kommt eine weiche, fettreiche und leicht abhebbare Haut (Cutis laxa). Der Leib ist groß und zeigt oft eine Nabelhernie. Stets ist die Intelligenz gestört. Zu völliger Idiotie kommt es in reinen Fällen nie. Die meisten Kinder zeigen aber einen bemerkenswert gleichmäßigen mittleren Intelligenzdefekt. Im ersten Jahr sind sie gewöhnlich apathisch, später werden sie agil und machen Grimassen in affenähnlicher Weise. Auffällig bei jüngeren Kindern ist die andauernde Betrachtung der vor die Augen gehaltenen gespreizten Hand, bei älteren die tiefe rauhe Stimme Die Genitalien bleiben hypo-plastisch. Oft ist ein angeborener Herzfehler vorhanden. Die Therapie ist machtlos. Es gibt aber öfters Fälle, die neben dem Mongolismus noch Zeichen von Myxidiotie aufweisen (Abb. 25). Diese werden in ihrer hypothyreotischen Quote durch Schilddrüsenfütterung günstig beeinflußt. Die meisten Kinder erliegen schon im ersten Dezennium interkurrenten Krankheiten.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1922

Authors and Affiliations

  • E. Feer
    • 1
  1. 1.ZürichSchweiz

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